Chinas größter Halbleiter-Ausrüster Naura hat im ersten Halbjahr 2026 den Umsatz um fast ein Viertel auf rund 2,57 Milliarden Euro gesteigert, doch der Gewinn wuchs nur um gut fünf Prozent. Der Konzern verdient kräftig am Chip-Boom im eigenen Land und steckt trotzdem fast jeden zusätzlichen Yuan zurück in die Aufholjagd auf die westlichen Marktführer.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenNaura, mit vollem Namen Naura Technology Group, baut die Anlagen, mit denen Chipfabriken Silizium ätzen, beschichten und reinigen. Im ersten Halbjahr kletterte der Umsatz um 24,9 Prozent, der bereinigte Nettogewinn dagegen nur um gut fünf Prozent auf rund 426 Millionen Euro.[1] Hinter dieser Schere steckt eine Entscheidung, kein schwaches Geschäft.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2026 um 24,9 Prozent auf rund 2,57 Milliarden Euro, der bereinigte Nettogewinn nur um gut fünf Prozent auf rund 426 Millionen Euro.
- Naura steckt die Mehreinnahmen in Forschung, Personal und neue Kapazität; das drückt die Marge heute, soll aber den Rückstand auf Applied Materials, Lam Research und Tokyo Electron verkürzen.
- Der operative Cashflow drehte von minus 407 auf plus 481 Millionen Euro und zeigt, wie kräftig die abgeschottete heimische Chipindustrie bestellt.
- Treiber ist Chinas Chip-Selbstversorgung unter den US-Exportkontrollen; nur bei der EUV-Lithografie hält der niederländische Ausrüster ASML weiter sein Monopol.
Warum wächst der Gewinn langsamer als der Umsatz?

Naura steckt seine Mehreinnahmen in Forschung, neue Fertigungslinien und zusätzliches Personal, statt sie als Gewinn auszuweisen. Der Umsatzsprung von fast 25 Prozent zeigt, wie kräftig die heimische Nachfrage ist, denn der operative Cashflow drehte von minus 407 auf plus 481 Millionen Euro. Beim Gewinn bremst der Konzern sich dagegen selbst.
Die Investitionen in den Ausbau schmälern heute die Marge; die Eigenkapitalrendite fiel auf 8,58 Prozent. Damit unterscheidet sich Naura vom Rivalen AMEC, dessen jüngster Gewinnsprung von 300 Prozent vor allem aus einem einmaligen Aktienverkauf stammte, wie die Halbjahreszahlen des Ätzanlagen-Bauers zeigen. Nauras Zuwachs kommt dagegen aus dem laufenden Geschäft und fließt direkt in die nächste Ausbaustufe.
Wie weit reicht Chinas Aufholjagd bei den Chip-Werkzeugen?
Naura ist der breiteste Anbieter des Landes und deckt fast jeden Fertigungsschritt außer der Lithografie ab. Anders als der Ätz-Spezialist AMEC baut Naura Anlagen für Ätzen, Abscheidung, Reinigung, Ofenprozesse und Ionenimplantation zugleich, ähnlich breit aufgestellt wie der US-Riese Applied Materials. Bei mehreren dieser Anlagentypen gewinnt der Konzern messbar Marktanteile, während Chinas größte Foundry ihre Kapazität mit heimischer Technik ausbaut, wie die jüngsten Zahlen von SMIC belegen. 2024 rückte Naura laut dem Marktforscher CINNO Research auf Platz sechs der weltgrößten Anlagenbauer vor.
Der Rückenwind kommt aus Washington. Seit die USA Anfang Dezember 2024 Naura und über 140 weitere chinesische Firmen auf ihre Handelssperrliste setzten,[2] kaufen die heimischen Chipfabriken ihre Werkzeuge zunehmend im eigenen Land. Wie schnell chinesische Zulieferer auch anderswo aufholen, zeigt der Blick auf die Leistungshalbleiter, wo lokale Hersteller bereits in die globale Top 10 drängen.
Washington wollte Chinas Chipindustrie ausbremsen und hat Naura stattdessen einen geschützten Heimatmarkt beschert. Der dünne Gewinn ist kein Schwächezeichen, sondern der Preis für die Aufholjagd von morgen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wie tief die Branche derzeit umgebaut wird, zeigt der Blick nach Westen: Applied Materials meldete zuletzt Rekordumsätze; Lam Research steckt Milliarden in neue Entwicklungslabore statt in Fabriken.
Was bedeutet das für Europas Chip-Ausrüster?
Für Europas Anlagenbauer wächst mit Naura ein Wettbewerber heran, der seinen Heimatüberschuss bald auf Drittmärkte lenkt. ASML aus den Niederlanden hält zwar das Monopol bei der EUV-Lithografie, dem Herzstück jeder modernen Fab. Bei Ätz- und Abscheideanlagen aber konkurrieren Zeiss SMT, Aixtron und SÜSS MicroTec direkt mit den chinesischen Aufsteigern. Je mehr China seinen Eigenbedarf deckt, desto eher exportieren dessen Anlagenbauer den Überschuss nach Südostasien und in den Nahen Osten.
Der Europäische Rechnungshof warnte im Sonderbericht 12/2025, dass die EU ihr Ziel von 20 Prozent Weltmarktanteil bis 2030 verfehlt und eher bei 11,7 Prozent landet. Für Entscheider in der DACH-Region folgt daraus zweierlei: Lieferketten für Fertigungstechnik breiter aufstellen, statt an einem einzigen Anbieter zu hängen, und die Mittel des EU Chips Act stärker in die Qualifizierung heimischer Zulieferer lenken, statt nur neue Fabriken zu fördern.
FAQ: Naura und Chinas Chip-Selbstversorgung
Was macht Naura?
Naura, mit vollem Namen Naura Technology Group, ist Chinas größter Hersteller von Anlagen für die Chipfertigung. Mit diesen Maschinen ätzen, beschichten und reinigen Chipfabriken Silizium-Wafer. 2024 war Naura laut dem Marktforscher CINNO Research der sechstgrößte Anlagenbauer der Welt.
Wie viel Umsatz und Gewinn machte Naura im ersten Halbjahr 2026?
Der Umsatz stieg um 24,9 Prozent auf rund 2,57 Milliarden Euro, der bereinigte Nettogewinn nur um 5,0 Prozent auf rund 426 Millionen Euro. Der operative Cashflow drehte von minus 407 Millionen Euro auf plus 481 Millionen Euro.
Warum wächst Nauras Gewinn langsamer als der Umsatz?
Naura steckt seine Mehreinnahmen in Forschung, neue Fertigungslinien und Personal, um den Rückstand auf die westlichen Marktführer zu verkürzen. Diese Ausgaben drücken kurzfristig die Marge; die Eigenkapitalrendite fiel auf 8,58 Prozent.
Warum steht Naura auf der US-Handelssperrliste?
Die USA setzten Naura Anfang Dezember 2024 zusammen mit über 140 weiteren chinesischen Firmen auf die Entity List, um Chinas Aufbau einer eigenen Chipindustrie zu bremsen. Faktisch verschaffte die Sperre dem Konzern einen abgeschotteten Heimatmarkt.
Welche Rolle spielt ASML gegenüber Naura?
ASML aus den Niederlanden hält das Monopol bei der EUV-Lithografie, der Technik für die feinsten Chipstrukturen. Dort liegt Chinas Eigenversorgung nahe null. Naura ist bei Ätzen, Abscheidung und Reinigung stark und konkurriert dort mit westlichen Ausrüstern.
Quellen
[1] 华尔街见闻 (Wallstreetcn): „北方华创上半年营收同比增25%,净利润增5%,经营现金流转正|财报见闻“
[2] US Federal Register (Bureau of Industry and Security): „Additions and Modifications to the Entity List; Removals From the Validated End-User (VEU) Program“
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