SMIC hat im zweiten Quartal 2026 mehr umgesetzt als je zuvor: rund 2,62 Milliarden Euro, ein Plus von 36 Prozent binnen eines Jahres. Chinas größte Chip-Foundry wächst ausgerechnet dort am schnellsten, wo die US-Exportkontrollen den Konzern eigentlich ausbremsen sollten. Der Rekord zeigt, wie wenig der Bann an den Reifeknoten der Branche ändert.

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Das Rekordquartal von SMIC ist mehr als eine gute Zahl für Anleger. Die Foundry aus Shanghai legte die Ergebnisse am 13. August nach Börsenschluss vor, die Analystenkonferenz folgt einen Tag später. Zwischen den Zeilen steht eine unbequeme Botschaft für Washington und Brüssel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Quartalsumsatz erreichte rund 2,62 Milliarden Euro, gut 20 Prozent mehr als im Vorquartal und über der eigenen Prognose.
  • Hinter dem Wachstum steht die Nachfrage nach Chips für KI-Server, Stromversorgung und Industrieelektronik.
  • SMIC fertigt fast ausschließlich Reifeknoten ab 28 Nanometer, für die keine gesperrte EUV-Technik nötig ist.
  • Für Europa verschärft der Rekord die Debatte über die Abhängigkeit von chinesischen Standardchips.

Warum meldet SMIC ein Rekordquartal?

Betonblock mit Durchbruch und Silizium-Wafer, unten rechts handgeschriebener Text „Rekord 2026“
SMIC erreicht im Q2 2026 mit 2,62 Milliarden Euro Rekordumsatz, 36 Prozent mehr als Vorjahr und deutlich über eigener Prognose von 14 bis 16 Prozent Wachstum

SMIC hat im zweiten Quartal 2026 rund 2,62 Milliarden Euro umgesetzt, so viel wie nie und 36 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Gegenüber dem ersten Quartal legte der Umsatz um gut 20 Prozent zu, umgerechnet zum Dollarkurs vom 13. August 2026. Damit übertraf die Foundry die eigene Prognose von 14 bis 16 Prozent deutlich.[1]

Hinter dem Sprung steht vor allem die Nachfrage nach Halbleitern rund um den KI-Ausbau: Strom- und Schnittstellenchips für Rechenzentren, dazu Bauteile für Industrie und Autoelektronik. Die Bruttomarge peilte das Unternehmen für das Quartal auf 20 bis 22 Prozent an, die Details nennt die Analystenkonferenz am 14. August.

Wie umgeht die Foundry den EUV-Bann?

SMIC verdient sein Geld mit Reifeknoten ab 28 Nanometer, und genau die brauchen keine der gesperrten Maschinen. Für Spitzenchips unter sieben Nanometer fehlt dem Konzern die EUV-Belichtung von ASML, die Washington 2019 in Den Haag blockieren ließ. Der Massenmarkt liegt aber woanders: In Autos, Netzteilen, Sensoren und Haushaltsgeräten stecken bewährte Strukturbreiten, die sich mit älterer DUV-Technik in hohen Stückzahlen fertigen lassen.

Parallel ersetzt China die westliche Ausrüstung Schritt für Schritt durch eigene Anlagen. Erste heimische Belichter für die 28-Nanometer-Fertigung liefen bereits an, und SMIC baut in Peking, Shanghai, Shenzhen und Tianjin zugleich vier neue Werke. Die Sanktionen treffen so das Prestige, nicht das Massengeschäft.

Der Westen hat SMIC den Weg zur Spitze verbaut und dabei übersehen, dass das Geld im Maschinenraum der Elektronik liegt. Genau dort baut Peking gerade eine Kapazität auf, die Europa in fünf Jahren beim Standardchip erpressbar macht.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was bedeutet der Rekord für Europa?

Für Europa ist SMICs Wachstum weniger ein Technologie- als ein Abhängigkeitsproblem. Nicht die Spitzenchips fehlen, sondern die simplen Standardhalbleiter, die in praktisch jedem Auto und jeder Ladesäule stecken. Das Institut EUISS warnt, dass Chinas Nachschub hier keine künstliche Überkapazität ist, sondern echte Nachfrage bedient, und genau das macht die Lücke für Europa gefährlich.[2]

SMIC steht dabei nicht allein. Auch der Rivale Hua Hong und der KI-Chip-Entwickler Cambricon meldeten frische Wachstumszahlen, ein Muster, das sich quer durch Chinas Chipbranche zieht. Der EU Chips Act zielt bislang vor allem auf modernste Fabriken, während der eigentliche Engpass bei den Reifeknoten liegt. In Brüssel sollte die nächste Halbleiterstrategie den Rekord aus Shanghai als Warnung nehmen.

Für Entscheider heißt das: die eigene Lieferkette bei Standardchips prüfen, nicht nur bei den teuren KI-Beschleunigern. Ein zweiter Bezugsweg außerhalb Chinas kostet heute Marge und sichert morgen die Produktion.

SMIC: Chinas Foundry auf Rekordkurs
Quartalszahlen zum zweiten Quartal 2026, alle Beträge in Euro
2,62 Mrd. €
Rekordumsatz im zweiten Quartal 2026
+36 %
gegenüber dem Vorjahresquartal (1,92 Mrd. €)
+20 %
gegenüber dem Vorquartal, über der eigenen Prognose von 14 bis 16 Prozent
ab 28 nm
Reifeknoten, für die keine gesperrte EUV-Technik nötig ist
Warum der Bann kaum greift

Das Kerngeschäft liegt bei Standardchips für Autos, Industrie und Stromversorgung. Die angepeilte Bruttomarge lag bei 20 bis 22 Prozent. Parallel baut SMIC vier neue Werke in Peking, Shanghai, Shenzhen und Tianjin.

FAQ: SMIC meldet Rekordumsatz trotz US-Chip-Bann

Was stellt SMIC eigentlich her?

SMIC ist Chinas größter Auftragsfertiger für Chips und produziert vor allem Halbleiter ab 28 Nanometer für Autos, Industrie, Stromversorgung und Unterhaltungselektronik. Modernste Logikchips unter sieben Nanometer kann die Foundry mangels EUV-Belichtung nur eingeschränkt fertigen.

Warum stoppen die US-Sanktionen SMIC nicht?

Die US-Exportkontrollen sperren vor allem EUV-Belichter für Spitzenchips. Das Kerngeschäft von SMIC liegt aber bei Reifeknoten ab 28 Nanometer, die sich mit erlaubter DUV-Technik in hohen Stückzahlen fertigen lassen. Der Bann bremst die Spitze, nicht die Masse.

Wie viel hat SMIC im zweiten Quartal 2026 umgesetzt?

SMIC meldete für das zweite Quartal 2026 einen Rekordumsatz von rund 2,62 Milliarden Euro, gut 20 Prozent mehr als im Vorquartal und 36 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahlen erschienen am 13. August 2026, die Analystenkonferenz folgte am 14. August.

Was bedeutet Chinas Chip-Wachstum für Europa?

Europa gerät weniger bei Spitzenchips als bei Standardhalbleitern in eine Abhängigkeit von China. Genau diese Reifeknoten stecken in Autos, Maschinen und Ladesäulen. Der EU Chips Act zielt bisher vor allem auf modernste Fabriken und deckt diese Lücke kaum.

Quellen

[1] SMIC / Börse Shanghai: Quartalsbekanntmachungen SMIC (Kürzel 688981)

[2] EUISS: „Curbing China’s legacy chip clout – Reevaluating EU strategy“

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