YMTC ist Chinas einziger Hersteller von 3D-NAND-Speicher und hat die vorgeschriebene Börsenberatung abgeschlossen. Das frische Kapital soll den Angriff auf Micron, Samsung und SK Hynix finanzieren, obwohl die USA YMTC seit 2022 von westlicher Fertigungstechnik abschneiden. Für Europa hängt daran die Frage, woher künftig der günstige Speicher kommt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 19. Mai 2026 startete YMTC die dreimonatige Pflichtberatung, die nun abgeschlossen ist. Die Wirtschaftsagentur Cailian Press meldete den Schritt am Montag, und damit rückt der Speicherkonzern aus Wuhan an die Shanghaier Technologiebörse STAR Market.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- YMTC schloss die dreimonatige Pflichtberatung ab und peilt eine Notierung am STAR Market in Shanghai an.
- Marktschätzungen sehen die IPO-Bewertung bei rund 38 Milliarden Euro.
- Mit 232-Lagen-Speicher und über 10 Prozent Weltmarktanteil überholte YMTC den US-Rivalen Micron.
- Europa fertigt kaum eigenen Massenspeicher und bleibt abhängig.
Warum ist die abgeschlossene Beratung ein Meilenstein?

Die dreimonatige Pflichtberatung war die letzte Vorstufe zum eigentlichen Börsenantrag. YMTC kann jetzt den Prospekt für den STAR Market einreichen und dürfte laut Marktbeobachtern noch 2026 an die Börse gehen.
CITIC Securities und CITIC Jiantou betreuten das Verfahren mit einem 31-köpfigen Team und meldeten die Beratung am 19. Mai bei der Börsenaufsicht CSRC in Hubei an.[2] Der Umsatz kletterte im ersten Quartal 2026 auf rund 2,6 Milliarden Euro und verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahr. Analysten taxieren die Bewertung auf bis zu 38 Milliarden Euro, gerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 7. August 2026. Geprüfte Zahlen legt der nicht notierte Konzern nicht vor, die Werte bleiben Schätzungen.
Was treibt Chinas Speicherkonzerne an die Börse?
Die US-Entity-List schnitt YMTC 2022 von westlicher Fertigungstechnik ab. Ein heimischer Börsengang beschafft genau das Kapital, das die Sanktionen von außen verwehren, und hält ausländische Investoren zugleich draußen.
An der STAR-Börse liegt tiefes, patriotisches Kapital, und Chip-Aktien verteuerten sich dort zuletzt kräftig. YMTC steht nicht allein: Die DRAM-Schwester CXMT ist schon kurz vor der Notierung, und die KI-Chip-Entwickler Cambricon, Moore Threads und Biren drängen parallel an die Märkte.
Der Bann zwang YMTC, seine Fertigungslinie zu lokalisieren; heimische Anlagenbauer rückten nach, während Samsung und SK Hynix chinesische Chip-Anlagen bereits testen.
Peking macht aus der US-Sanktion einen Kapitalmarkt-Coup: Was YMTC im Westen an Technik verwehrt bleibt, holt sich der Konzern über die eigene Börse zurück. Für Micron wird der günstige Speicher aus Wuhan zum Dauerproblem.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Der Fahrplan an die Börse
Was bedeutet der YMTC-Börsengang für Europa?
Europa fertigt praktisch keinen Massenspeicher und bezieht NAND und DRAM fast vollständig aus Asien. Ein kapitalstarker, staatlich gestützter YMTC drückt die Weltmarktpreise und vertieft Europas Abhängigkeit beim Speicher.
Der EU Chips Act zielt auf Logikchips und modernste Fertigung, nicht auf Massenspeicher. In den USA warnten Senatoren Apple bereits davor, Speicher von YMTC und CXMT zu kaufen; europäische Hersteller trifft die Debatte bald. Beim Einkauf in Wuhan kommt das politische Risiko der Entity-List gleich mit.
Einkaufsleiter in Industrie und Rechenzentren sollten die Herkunft ihrer Speichermodule prüfen und Zweitquellen außerhalb Chinas sichern, um Sanktionsrisiken früh einzupreisen.
Quellen
[1] South China Morning Post: „Inside YMTC’s IPO plans: how China’s 3D NAND champion is chasing capital markets“
[2] China Daily: „China’s YMTC files for IPO on STAR Market“
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