Penpot ist eine quelloffene Design-Plattform, die sich komplett auf eigenen Servern betreiben lässt, ohne einen einzigen Entwurf in eine fremde Cloud zu laden. Das Werkzeug gilt inzwischen als ernsthafteste Alternative zu Figma, dem Marktführer im Interface-Design. Rückenwind bekommt der Umstieg gerade aus Brüssel und aus deutschen Amtsstuben.

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Jahrelang lief professionelles Interface-Design an einem Ort zusammen: in Figmas Browser-Oberfläche, gemietet im Monatsabo, mit den Dateien auf US-Servern. Dieses Modell gerät durch gleich zwei Entwicklungen unter Druck, die steigenden Abopreise und einen neuen Souveränitäts-Kurs der EU.

Das Wichtigste in Kürze

  • Penpot ist quelloffen (Mozilla Public License), im Browser nutzbar und per Docker komplett selbst hostbar, ohne Lizenzkosten und ohne Nutzerlimit.
  • Kaleidos aus Madrid baut Penpot seit 2021 auf offenen Webstandards wie SVG, CSS und HTML, samt Design-Tokens und einem MCP-Server für KI-Werkzeuge.
  • Figmas Organization-Tarif kostet rund 48 € je Bearbeiter und Monat und läuft nur noch im Jahresabo.
  • Am 3. Juni 2026 rückte die EU-Kommission Open Source ins Zentrum ihrer Technologiesouveränität; Schleswig-Holstein hat schon rund 80 Prozent seiner Verwaltungs-Arbeitsplätze auf quelloffene Software umgestellt.

Was ist Penpot, und was macht es anders?

Grauer Safe mit Aufschrift QUELLOFFEN, Stift, Lineal, Farbkarten und kleiner Figur
Penpot: quelloffene Design-Plattform unter Mozilla Public License, läuft im Browser, kostenfrei auf eigenen Servern betreibbar, unbegrenzte Nutzer und Projekte

Penpot ist eine quelloffene Design-Plattform unter der Mozilla Public License. Das Werkzeug läuft im Browser und lässt sich per Docker auf eigenen Servern betreiben, mit unbegrenzten Nutzern und Projekten, ganz ohne Lizenzkosten.[1]

Hinter Penpot steht Kaleidos, ein Unternehmen aus Madrid, das die Plattform seit 2021 in der Sprache Clojure entwickelt. Entwürfe entstehen direkt in offenen Standards wie SVG, CSS und HTML, sodass aus Layouts ohne Umweg sauberer Code entsteht. Design-Tokens und ein MCP-Server verbinden Entwicklung und KI-Werkzeuge mit derselben Quelle.

In einer wachsenden Landschaft quelloffener und KI-gestützter Webdesign-Werkzeuge zählt Penpot zu den wenigen Vollausstattern. Auch Framer öffnet gerade seine Projekte für Claude Code und Cursor.

Was kostet Figma inzwischen?

Figma verlangt im Professional-Tarif rund 14 € je Bearbeiter und Monat, im Organization-Tarif rund 48 € und im Enterprise-Tarif rund 78 €. Für Organization und Enterprise hat Figma das Monatsabo gestrichen, beide laufen nur noch im Jahresvertrag.[2]

Jede Preisrunde trifft Figma-Kunden an derselben Stelle. Die Entwürfe liegen im proprietären Figma-Format, ein Export in ein anderes Werkzeug bleibt mühsam. Genau diese Bindung macht Erhöhungen so wirksam, weil ein Wechsel Zeit und Nacharbeit kostet. Denselben Hebel kennt man von Adobe, das seine Kreativsoftware ins Abo überführte.

Ein Entwurf in einer fremden Cloud bleibt Miete: Jede Preisrunde zahlt man mit, Eigentümer wird man nie. Penpot dreht das Verhältnis um und legt Werkzeug und Daten zurück in die eigene Hand.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Warum wird digitale Souveränität gerade jetzt zum Thema?

Am 3. Juni 2026 rückte die EU-Kommission Open Source ins Zentrum ihrer Technologiesouveränität und will Behörden zu Ankernutzern quelloffener Software machen.[3] Beim Selbsthosten von Penpot bleiben alle Design-Daten im eigenen Rechenzentrum, was die DSGVO-Vorgaben spürbar vereinfacht.

Wie ernst der Trend ist, zeigt Schleswig-Holstein. Rund 80 Prozent der Arbeitsplätze in der Landesverwaltung laufen dort auf der quelloffenen Bürosoftware LibreOffice, das komplette Mailsystem ist auf Open Source umgestellt.[4] Zusätzlich fördert das Land 17 Open-Source-Projekte mit knapp drei Millionen Euro.

Ein Komplettumzug muss nicht sein. Figma bleibt für komplexe Prototypen eine Option, während Penpot neue Projekte und sensible Daten auf eigenen Servern übernimmt. Dieselbe Standortfrage treibt gerade auch E-Mail-Anbieter wie Fastmail, das eine EU-Datenregion in Amsterdam eröffnet hat.

Penpot gegen Figma: die souveräne Wahl
Quelloffen und selbst hostbar gegen proprietär und im US-Abo. Die wichtigsten Zahlen im Vergleich.
0 €
Lizenzkosten bei Penpot, quelloffen unter der Mozilla Public License, unbegrenzte Nutzer und Projekte
48 €
kostet Figmas Organization-Tarif je Bearbeiter und Monat, nur noch im Jahresabo
2021
entwickelt Kaleidos aus Madrid Penpot auf offenen Webstandards wie SVG, CSS und HTML
80 %
der Arbeitsplätze in Schleswig-Holsteins Landesverwaltung laufen auf quelloffener Software

Zwei Wege zum Interface-Design

Penpot
Quelloffen, im Browser und per Docker selbst hostbar. Die Design-Daten bleiben im eigenen Rechenzentrum.
Figma
Proprietäres Dateiformat, Entwürfe in der US-Cloud, Zugang nur im laufenden Abo.

Quellen

[1] Penpot: „Self-host Penpot“

[2] Figma: „Plans and Pricing“

[3] Europäische Kommission: „The EU Open Source Strategy“

[4] Land Schleswig-Holstein: „LibreOffice ersetzt Microsoft: Schon fast 80 Prozent der Arbeitsplätze umgestellt“

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