Boehringer Ingelheim verkauft sein Biologika-Werk in Shanghai an Shanghai RAAS, einen chinesischen Hersteller von Blutplasma-Präparaten. Der Basispreis liegt bei einem Yuan, der Endpreis bei höchstens 20 Millionen Yuan, umgerechnet rund 2,6 Millionen Euro. Mit dem Geschäft erkauft sich Boehringer den Ausstieg aus einer Tochtergesellschaft, die 2025 einen Verlust von 33,5 Millionen Euro machte.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenShanghai RAAS unterzeichnete den Vertrag am 23. September und legte die Zahlen einen Tag später in einer Börsenmitteilung offen.[1] Boehringer will sich in China auf seine übrigen Geschäfte konzentrieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Umsatz des Werks fiel 2025 um 60 Prozent, der Jahresverlust stieg auf umgerechnet 33,5 Millionen Euro.
- Bis Ende 2028 muss RAAS die Belegschaft halten, Boehringer beteiligt sich an den Kosten des Weiterbetriebs.
- Der Vollzug braucht Kartellfreigaben außerhalb Chinas und muss bis spätestens 31. Dezember 2027 gelingen.
Was bekommt Shanghai RAAS für einen Yuan?

Das Werk im Technologiepark Zhangjiang arbeitet mit drei Einwegbioreaktoren zu je 2.000 Litern und einer Abfülllinie für Antikörper. Im Januar 2018 vergab BeiGene die Fertigung seines PD-1-Antikörpers Tislelizumab exklusiv an Boehringer. Das Projekt erreichte als erstes aus Chinas Pilotprogramm für getrennte Zulassung und Fertigung die kommerzielle Belieferung.[2]
Der Preis folgt aus der Bilanz: Ende März 2026 standen Vermögenswerten von umgerechnet 69,6 Millionen Euro Verbindlichkeiten von 69,2 Millionen Euro gegenüber. Vom Eigenkapital blieben rund 370.000 Euro, Ende 2024 lag der Wert noch bei 36,1 Millionen Euro.[1]
Zum Vollzug muss das Eigenkapital positiv sein, notfalls schießt Boehringer Kapital nach. Bis Ende 2028 muss RAAS Belegschaft und Betrieb halten, Boehringer beteiligt sich an den Kosten.[1] Eine Stilllegung hätte Abfindungen und Rückbaukosten verursacht; der Verkauf erspart Boehringer beides und übergibt die Anlage einem Käufer, der sie selbst braucht.
Warum lohnt sich das Werk für Boehringer nicht mehr?
Der Umsatz sank von umgerechnet 75,8 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 30 Millionen Euro im Jahr 2025, im ersten Quartal 2026 kamen 4,2 Millionen Euro herein. RAAS führt die Verluste auf eine schwankende Nachfrage im Markt zurück und räumt ein, dass externe Aufträge fehlen.[1] Welche Kunden absprangen, nennt die Mitteilung nicht.
Ein Lohnfertiger für Biologika lebt von wenigen großen Ankerkunden. BeiGene baute schon beim Vertragsschluss 2018 über ein Gemeinschaftsunternehmen ein eigenes Werk in Guangzhou auf.[2] Produziert ein Großkunde selbst, fehlt dem Auftragsfertiger die Grundauslastung, und eine Anlage mit fester Belegschaft verbrennt Monat für Monat Geld.
Innovation aus China holt Boehringer inzwischen über Lizenzen statt über eigene Fabriken. Im Januar 2026 sicherte sich der Konzern bei Simcere die Rechte an einem Antikörper gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen für bis zu 1,058 Milliarden Euro.[3] Größere Summen investiert Boehringer in den USA, in Deutschland friert der Konzern 900 Millionen Euro ein.
Für einen Yuan Basispreis und die Zusage, den Betrieb bis 2028 mitzufinanzieren, wird Boehringer seine Fabrik in Shanghai los. Rentabel wird das Werk für Shanghai RAAS erst, sobald der eigene Hämophilie-Antikörper SR604 die Zulassung schafft und die Reaktoren auslastet.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Eigentümerwechsel für Kunden von Auftragsfertigern?
RAAS kauft das Werk aus einer Abhängigkeit heraus: Die Studienmuster der Phasen II und III für SR604 entstehen in Zhangjiang. Eine Verlagerung oder Stilllegung der Kapazität hätte nach Darstellung von RAAS die Versorgung der Studien und die spätere Markteinführung gefährdet.[1]
In Deutschland zeigt sich die Kehrseite: Für die BioNTech-Werke in Marburg, Tübingen und Idar-Oberstein mit 1.760 Stellen findet sich bislang kein Käufer. Ohne eigenes Produkt im Haus verliert eine Biotech-Fabrik schnell ihren Wert, selbst mit Lizenz und eingespielter Mannschaft.
Prüfen Sie als Auftraggeber eines Lohnfertigers in China gerne, ob Ihr Vertrag eine Change-of-Control-Klausel enthält, die Ihnen beim Eigentümerwechsel ein Kündigungsrecht einräumt. Sinnvoll ist außerdem ein Blick darauf, wem das Herstellungsverfahren gehört und ob ein zweiter Standort qualifiziert ist, bevor ein Transfer unter Zeitdruck beginnt. Das Werk in Zhangjiang wechselt erst nach den Kartellfreigaben den Besitzer, spätestens Ende 2027.
Quellen
[1] Shanghai RAAS Blood Products: „关于收购勃林格殷格翰生物药业(中国)有限公司100%股权暨完成签署《收购和出售协议》及其附属协议的公告“ (Börsenmitteilung, 24.09.2026)
[2] BeiGene: „BeiGene and Boehringer Ingelheim Announce Commercial Supply Agreement for Anti-PD-1 Antibody Tislelizumab“ (09.01.2018)
[3] Boehringer Ingelheim und Simcere: „Boehringer Ingelheim and Simcere partner to advance a dual-target antibody treatment to address unmet needs in inflammatory bowel disease“ (27.01.2026)
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