Jungheinrich vermietet dem Logistikkonzern Kühne+Nagel rund 5.000 Stapler und Lagertechnikgeräte und übernimmt die Steuerung dieser Flotte. Der Rahmenvertrag gilt für mehrere europäische Länder und ist auf mehrere Jahre angelegt. Für den Hamburger Hersteller kommt der Auftrag zu einer Zeit, in der chinesische Anbieter die Preise für Neugeräte drücken.

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Unterzeichnet haben Jungheinrich-Vertriebsvorständin Nadine Despineux und Eduardo Razuck, im Vorstand von Kühne+Nagel für die Kontraktlogistik zuständig.[1] Beide Konzerne arbeiten bereits in Frankreich, Italien, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg zusammen, der neue Vertrag vertieft diese Zusammenarbeit.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Rahmenvertrag umfasst rund 5.000 Flurförderzeuge in mehreren europäischen Ländern, genaue Laufzeit und Preis nennen die Partner nicht.
  • Kühne+Nagel kombiniert eine feste Kernflotte mit flexibel zubuchbaren Mietgeräten, gesteuert über das eigens angepasste System KN-RFM+.
  • Zum Einsatz kommen unter anderem Geräte mit Lithium-Ionen-Akkus.
  • Jungheinrich verschiebt damit Umsatz vom Neugeräteverkauf zu Miete und Service, wo der Preisdruck aus China geringer ausfällt.

Was vereinbaren Jungheinrich und Kühne+Nagel?

Ein oranger Modellgabelstapler mit Mietanhänger und Helm vor weißem Hintergrund
Kühne+Nagel mietet Stapler mit Jungheinrichs Rental Fleet Management KN-RFM+ statt sie zu kaufen. Eine Kernflotte deckt die Grundlast, zusätzliche Geräte kommen bei Bedarf hinzu

Kühne+Nagel kauft die Stapler nicht, sondern mietet sie samt Service über das Rental Fleet Management von Jungheinrich. Für den Logistiker hat Jungheinrich das System zu einer eigenen Variante namens KN-RFM+ weiterentwickelt. Eine feste Kernflotte deckt die Grundlast ab, zusätzliche Mietgeräte kommen bei Bedarf hinzu. Über eine zentrale digitale Steuerung vergleicht Kühne+Nagel die Auslastung seiner Standorte über Ländergrenzen hinweg.[1]

„Mit unserem Rental-Fleet-Management-Ansatz unterstützen wir Kühne+Nagel dabei, ein international einheitliches, transparentes und zugleich flexibles Flottenmodell umzusetzen“, sagt Despineux. Razuck begründet den Schritt mit dem Tempo seiner Branche: Gemeinsam habe man einen Ansatz entwickelt, um „schneller und gezielter auf Marktveränderungen und die Erwartungen unserer Kunden zu reagieren“.[1]

Warum mietet ein Kontraktlogistiker seine Stapler?

Ein Kontraktlogistiker betreibt Lager im Auftrag von Händlern und Herstellern. Die Auslastung eines solchen Lagers hängt an einzelnen Kundenverträgen: Gewinnt Kühne+Nagel einen Auftrag, braucht ein Standort über Nacht mehr Geräte, endet ein Vertrag, stehen gekaufte Stapler still. Mit der Miete wird aus gebundenem Kapital ein laufender Kostenblock, der mit dem Geschäft steigt und fällt.

Für Jungheinrich verspricht der Vertrag planbare Serviceerlöse. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Umsatz im Kernsegment Flurförderzeuge und Services um 1,9 Prozent auf 2,24 Milliarden Euro, obwohl der Auftragseingang um 4,9 Prozent stieg.[2] Im Juli hatte der Konzern die Gewinnprognose gesenkt und dafür unter anderem den scharfen Wettbewerb genannt, den günstige Stapler chinesischer Hersteller anheizen. Im Mietgeschäft wiegen Verfügbarkeit, Wartungsnetz und Flottensteuerung schwerer als der Listenpreis eines einzelnen Geräts.

Der Vertrag setzt eine Linie fort: Im August übernahm Jungheinrich den australischen Mietspezialisten All Lift, am chinesischen Hersteller EP Equipment, Lieferant der günstigeren Einstiegsbaureihe, hält Jungheinrich seit Juli eine Beteiligung. Konkurrent Kion setzt stärker auf die Lagerautomatisierung seiner Tochter Dematic.

Jungheinrich und Kühne+Nagel: der Mietvertrag in Zahlen
Umfang des Rahmenvertrags und die Lage des Staplergeschäfts im ersten Halbjahr 2026
≈ 5.000
Stapler und Lagertechnikgeräte umfasst der Rahmenvertrag mit Kühne+Nagel
5 Länder
mit bestehender Zusammenarbeit: Frankreich, Italien, Niederlande, Belgien und Luxemburg
−1,9 %
Umsatz im Segment Flurförderzeuge und Services, erstes Halbjahr 2026 (2,24 Mrd. €)
340–400 Mio. €
operatives Ergebnis (EBIT) erwartet Jungheinrich für 2026, zuvor waren bis zu 450 Mio. € geplant

Beim Neugerät unterbieten chinesische Hersteller Jungheinrich. Bei 5.000 Staplern in mehreren Ländern samt Wartung und Flottensteuerung zählt dagegen das Servicenetz, und genau dieses Netz verkauft Jungheinrich mit dem Mietvertrag.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das Mietmodell für Betreiber eigener Lager?

Mit den Lithium-Ionen-Akkus verschwinden Batteriewechsel und Laderäume, wie sie Blei-Säure-Batterien brauchen, und die Geräte lassen sich zwischen Standorten tauschen. Jungheinrich hat mit dem Schubmaststapler ETV 4i zuletzt ein Modell mit fest eingebautem Lithium-Akku vorgestellt. Ab dem 18. Februar 2027 braucht zudem jede neu in Verkehr gebrachte Industriebatterie mit mehr als 2 kWh einen digitalen Batteriepass.[3] In einer Mietflotte bleibt der Hersteller Eigentümer der Geräte und übernimmt damit Akkutausch und Rücknahme.

Prüfen Sie als Betreiber eigener Lager, wie stark die Auslastung Ihrer Stapler über das Jahr schwankt. Stehen Geräte über Monate still, kann eine kleinere eigene Flotte mit zugemieteten Spitzengeräten günstiger ausfallen. Lassen Sie sich dafür die Nutzungsdaten Ihrer Geräte aus dem Flottenmanagement geben, bevor Sie Kauf und Miete vergleichen.

Quellen

[1] Jungheinrich AG: „Jungheinrich und Kühne+Nagel vereinbaren internationalen Rahmenvertrag über rund 5.000 Flurförderzeuge“ (Pressemitteilung vom 27.09.2026, via MarketScreener)

[2] Jungheinrich AG: „Jungheinrich im ersten Halbjahr 2026“ (Halbjahresmitteilung, 11.08.2026, via MarketScreener)

[3] Europäische Union: „Verordnung (EU) 2023/1542 über Batterien und Altbatterien“, Artikel 77 (Batteriepass)

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