Jungheinrich übernimmt den australischen Mietspezialisten All Lift Forklifts und rückt das Mietgeschäft ins Zentrum. Sechs Standorte rund um Sydney und eine gemischte Mietflotte wechseln den Besitzer, ein Kaufpreis steht nicht im Vertrag. Flexible Mietmodelle verschieben die Kosten vom Kauf zur Nutzung und verändern, wie Lager ihre Stapler betreiben.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 6. August 2026 unterschrieb Jungheinrich einen Vertrag, der nach Formsache klingt: Der Gabelstapler-Konzern kauft ein Familienunternehmen aus Sydney. Hinter der knappen Meldung steckt eine Wette darauf, dass Unternehmen ihre Stapler künftig lieber mieten als kaufen.
Das Wichtigste in Kürze
- Jungheinrich übernimmt All Lift Forklifts, einen Mietspezialisten mit sechs Standorten in Australien.
- Der Kauf zahlt auf die Strategie 2030+ ein: mehr Präsenz außerhalb Europas, mehr Mietgeschäft.
- Miete verlagert die Verantwortung für die Technik zum Anbieter und passt zur Elektrifizierung der Flotten.
- Kaufpreis, Umsatz und Mitarbeiterzahl von All Lift bleiben offen.
Was kauft Jungheinrich in Australien?

All Lift Forklifts sitzt in Sydney, gehört einer Familie und betreibt sechs Standorte in Australien. Das Unternehmen vermietet Flurförderzeuge und Hebebühnen, verkauft sie als Händler und hält eine breit gemischte Mietflotte.[1] Nach dem Kauf behält All Lift den eigenen Markennamen und bleibt eigenständig am Markt.
Für Jungheinrich zählt weniger die Größe als die Richtung. „Mietlösungen gewinnen für Kunden an Bedeutung, die Flexibilität und lebenszyklusorientierte Angebote suchen“, sagt Nadine Despineux, Vorständin für den Vertrieb.[1] Australien zählt zu den größten Märkten für Flurförderzeuge im asiatisch-pazifischen Raum und ist ein Baustein der Strategie 2030+, mit der der Konzern außerhalb Europas wachsen will.
Warum setzt die Branche auf Miete statt Kauf?
Miete dreht die Kostenlogik um. Statt einen Stapler zu kaufen und über Jahre abzuschreiben, zahlen Betriebe eine laufende Rate und geben Wartung, Reparatur und Restwertrisiko an den Anbieter ab. Diese Verschiebung von Investition zu Betriebskosten passt zu schwankender Nachfrage, wie sie Handel und Logistik seit den Lieferkettenjahren kennen.
Der zweite Treiber ist die Technik. Elektrische Stapler mit Lithium-Ionen-Akku vereinheitlichen die Flotten und verlagern das Geschäft von der einzelnen Maschine zum Service über den Lebenszyklus. Größere Anbieter wie Jungheinrich und der Rivale KION bündeln deshalb Vermietung, Wartung und Gebrauchtgeschäft, ähnlich wie sich Schaeffler zum Zulieferer für Robotik-Aktoren umbaut. Parallel wächst die Automatisierung im Lager, wie die kräftigen Auftragssprünge des Machine-Vision-Anbieters Basler zeigen.
Jungheinrich kauft in Australien keine Stapler, sondern einen Mietpark. Die eigentliche Nachricht ist der Schwenk vom Verkauf zur Nutzung, und den treibt die Elektrifizierung der Flotten mit.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Deal für Lager in der DACH-Region?
Für Betriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Miete vor allem ein Hebel gegen Unsicherheit. Schwankt das Auftragsvolumen, lässt sich eine Mietflotte schneller anpassen als ein gekaufter Fuhrpark. Das Kapital bleibt frei für anderes, und der Fachkräftemangel in der Logistik verstärkt den Zug zur Automatisierung, weil jede unbesetzte Schicht teurer wird.
Der nächste Schritt zeichnet sich bereits ab. Jungheinrich entwickelt mit dem Start-up Navflex eine Lösung, die Lastwagen autonom be- und entlädt, einen der letzten manuellen Engpässe im Materialfluss.[2] Autonome Trucks wie bei Pony.ai und Roboter, die aus kurzen Videos lernen, deuten an, wohin sich das Lager entwickelt. Einen Überblick über den Stand der Robotik 2026 liefert der Dr.-Web-Ratgeber.
Konkret heißt das für Entscheider: Angebote für Kauf und Miete über den gesamten Lebenszyklus durchrechnen und die Elektrifizierung der Flotte von Anfang an einplanen. Zugleich lohnt der Blick, welche Prozesse im Lager sich automatisieren lassen. Der Stapler bleibt, aber die Frage lautet immer öfter, wem er gehört.
FAQ: Jungheinrich kauft All Lift
Wie viel zahlt Jungheinrich für All Lift Forklifts?
Jungheinrich nennt keinen Kaufpreis. Auch Umsatz und Mitarbeiterzahl von All Lift Forklifts bleiben offen. Bekannt sind der Sitz in Sydney, sechs Standorte in Australien und eine gemischte Mietflotte.
Was ist die Strategie 2030+ von Jungheinrich?
Die Strategie 2030+ soll Jungheinrich stärker außerhalb Europas wachsen lassen, das Mietgeschäft ausbauen und die Automatisierung im Lager vorantreiben. Der Zukauf in Australien zahlt auf alle drei Ziele ein.
Worin unterscheidet sich Miete vom Kauf bei Gabelstaplern?
Beim Kauf bindet ein Stapler Kapital und muss über Jahre abgeschrieben werden. Bei der Miete zahlt der Betrieb eine laufende Rate, und der Anbieter übernimmt Wartung, Reparatur und Restwertrisiko. So werden aus einer Investition planbare Betriebskosten.
Ist Jungheinrich auch in der Lager-Automatisierung aktiv?
Ja. Das Segment Automatisierung und Lager wuchs im ersten Quartal 2026 beim Auftragseingang um 17,9 Prozent. Zudem entwickelt Jungheinrich mit dem Start-up Navflex eine Lösung, die Lastwagen autonom be- und entlädt.
Quellen
[1] Jungheinrich AG: „Jungheinrich AG strengthens market position in Australia“ (6. August 2026)
[2] Jungheinrich AG: „Jungheinrich takes a stake in Navflex and develops an autonomous solution for truck loading and unloading“ (23. Juni 2026)
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