Pinduoduo hat den Eintrag „Schnellstens morgen da“ Anfang August ganz nach oben auf die Startseite geholt.[1] Bislang tauchte die Zustelloption nur versteckt auf einzelnen Produktseiten auf. Der Schritt zielt mitten in das Revier von Meituan und JD, die den Markt für Sofortlieferungen bislang unter sich aufteilen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Pinduoduo macht den Tag-danach-Versand zur zentralen Startseiten-Funktion und dringt so in den Instant-Retail-Markt ein.
- Der Kampf um die schnelle Zustellung kostete Meituan, Alibaba und JD 2025 zusammen über 28 Milliarden Euro.
- Statt eigener Fahrerflotten nutzt Pinduoduo bestehende Lager und verspricht bei Verspätung nur einen Gutschein von rund 39 Cent.
- Für Europa liefert der Fall eine Lehre über die Ökonomie der Schnelllieferung, von Delivery Hero bis zum Gorillas-Kollaps.
Warum greift Pinduoduo erst jetzt an?

Der billigere Einstieg kommt spät und bewusst. Pinduoduo hielt sich aus dem offenen Subventionskrieg heraus, den JD Anfang 2025 mit seinem Vorstoß ins Essensgeschäft entfachte. Der Konzern verankert „Schnellstens morgen da“ nun als feste Kachel auf der Startseite, zunächst für Getränke, Frischware und Alltagsprodukte. Die Abdeckung reicht inzwischen über fast alle Regionen des Landes. Kommt eine Bestellung zu spät, gibt es einen Gutschein ohne Mindestbestellwert. Damit rückt Pinduoduo an Meituan und JD heran, ohne deren teures Spiel mitzuspielen.
Wie umgeht der Tag-danach-Versand die Subventionsfalle?
Geduld statt Tempo ist der eigentliche Hebel. Die echte Sofortlieferung binnen 30 Minuten verlangt ein dichtes Netz aus Mikrolagern und ein stehendes Fahrerheer, das sich nur mit Dauersubventionen auslasten lässt. Genau daran verbrannten die Wettbewerber ihr Geld: Meituan rutschte im dritten Quartal 2025 mit rund 2,1 Milliarden Euro in den ersten Quartalsverlust seit drei Jahren, JD meldete für denselben Zeitraum einen operativen Verlust von rund 2,0 Milliarden Euro.[2] Pinduoduo bündelt stattdessen bestehende Lager mit Logistikpartnern und liefert einen Tag später. Der Aufpreis für Eile entfällt, das Fahrerrisiko trägt der Partner. So verkauft der Konzern nicht Geschwindigkeit, sondern planbare Zustellung zum Kampfpreis.
Nicht die schnellste Lieferung gewinnt den chinesischen Handel, sondern die günstigste, die noch Geld verdient. Pinduoduos Verzicht auf Tempo ist genau die Lektion, die Europas ausgeblutete Lieferbranche braucht.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was lernt Europa aus Chinas Lieferkrieg?
Die europäische Lehre liegt in denselben Zahlen. Der 10-Minuten-Boom aus der Pandemiezeit kostete Gorillas, Getir und Flink Milliarden, bis Getir sich 2024 aus den meisten Märkten zurückzog und die Überlebenden auf größere Warenkörbe und längere Lieferfenster umschwenkten. Delivery Hero aus Berlin schreibt erst schwarze Zahlen, seit der Konzern die reine Geschwindigkeit gegen planbare Effizienz getauscht hat. Pinduoduos Tag-danach-Modell folgt derselben Logik. Für den europäischen Handel heißt das zweierlei: Sofortlieferung bleibt ein Zuschussgeschäft für dichte Innenstädte, während der planbare Next-Day-Versand die tragfähige Massenlösung ist. Zugleich wächst der Druck aus China weiter, denn Pinduoduos Schwester Temu bringt dasselbe Billigkalkül längst nach Europa, wo Brüssel bereits mit dem Subventions- und Digitalrecht gegenhält.
30-Minuten-Sofortlieferung
Eigenes Netz aus Mikrolagern und ein stehendes Fahrerheer, das nur mit Dauersubventionen ausgelastet bleibt.
Pinduoduos Tag-danach-Versand
Bestehende Lager mit Logistikpartnern, Zustellung einen Tag später, kein eigenes Fahrerheer und kaum Subvention.
Marge vor Stoppuhr lautet die Konsequenz. Händler in Europa fahren besser, wenn sie die 30-Minuten-Zustellung auf wenige dichte Lagen begrenzen und das Gros der Bestellungen über einen planbaren, günstigen Next-Day-Versand abwickeln, wie ihn Pinduoduo gerade zum Standard erhebt.
Quellen
[1] Sina Finance: „Pinduoduo bringt den Kerneinstieg ‚Schnellstens morgen da‘“
[2] The Paper (澎湃新闻): „Der Liefer-Krieg hat über 220 Milliarden Yuan verbrannt“
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