Zalando meldet für das zweite Quartal 21 Prozent mehr Umsatz und schickt die eigene Aktie trotzdem nach unten. Der Grund steht nicht im Wachstum, sondern in der operativen Marge, die auf 6 Prozent fällt. Die frisch übernommene Schwester About You erklärt beide Zahlen auf einmal.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenZalando bleibt Europas größte Modeplattform, doch das zweite Quartal 2026 zeigt die Kehrseite der Einkaufstour. Der Konzern wächst zweistellig, den Schub liefert aber die Übernahme von About You. Je verkauftem Euro verdient das Unternehmen weniger als vor einem Jahr.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Bruttowarenwert steigt um 20,7 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro, der Umsatz um 20,8 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro.
- Das bereinigte EBIT legt nur um 10 Prozent auf 205 Millionen Euro zu, die operative Marge sinkt um 0,5 Punkte auf 6,0 Prozent.
- About You steuert erst gut 10 Millionen Euro an Synergien bei und drückt die Marge, weil die Tochter unrentabler arbeitet.
- Für 2026 engt Zalando die EBIT-Prognose auf 680 bis 720 Millionen Euro ein und zielt auf die untere Hälfte des Wachstumskorridors.
Zalando enttäuscht trotz Rekordumsatz

Rekord und Rücksetzer fallen bei Zalando im zweiten Quartal zusammen. Der Bruttowarenwert klettert um 20,7 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro, der Umsatz um 20,8 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro.[1] Analysten hatten mit mehr gerechnet. Die Aktie gab nach der Zahlenvorlage deutlich nach.
Zweistelliges Wachstum klingt nach Stärke, verdeckt aber die eigentliche Nachricht. Ein großer Teil des Zuwachses stammt nicht aus eigener Kraft, sondern aus der erstmaligen Vollkonsolidierung von About You. Ohne diesen Zukauf bliebe von den 20 Prozent nur ein einstelliges organisches Plus.
About You verwässert Zalandos Marge
Teuer erkauftes Wachstum hat einen Preis, den die Marge zahlt. About You arbeitet noch nicht auf Zalandos Rentabilitätsniveau, deshalb sinkt die operative Marge des Konzerns um 0,5 Punkte auf 6,0 Prozent, obwohl das bereinigte EBIT auf 205 Millionen Euro steigt.
Schmale Synergien stehen dem gegenüber. Die Integration bringt bislang gut 10 Millionen Euro, ein kleiner Betrag gegen die Verwässerung. Für das Gesamtjahr engt Zalando die EBIT-Spanne auf 680 bis 720 Millionen Euro ein. Das obere Ende der alten Prognose fällt damit weg.
Zwanzig Prozent mehr Umsatz beeindrucken nur so lange, bis man sieht, dass jeder dritte Euro aus dem Zukauf kommt und weniger Gewinn abwirft. Zalando muss die Marge zurückholen, statt die Wachstumsrate zu feiern.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Der Haken an den 20 Prozent
About You steuert erst gut 10 Millionen Euro an Synergien bei, arbeitet aber unter Zalandos Rentabilität. Für 2026 engt der Konzern die Prognose auf ein bereinigtes EBIT von 680 bis 720 Millionen Euro ein und peilt das Wachstum in der unteren Hälfte der Spanne von 12 bis 17 Prozent an.
Was Online-Händler aus dem Zalando-Quartal lernen
Plattform schlägt Zukauf, das zeigt der Vergleich mit der Konkurrenz. Ceconomy steigert seinen Gewinn seit vierzehn Quartalen schneller als den Umsatz, weil Marktplatz, Logistikdienste und Retail Media höhere Margen tragen als der reine Warenverkauf. In der Schweiz hat der Marktplatz Galaxus Zalando bereits überholt. Genau diesen Hebel liefert eine Übernahme nicht automatisch mit.
Preisdruck von unten verschärft die Lage zusätzlich. Shein und Temu drücken die Preise im Modehandel, während Brüssel den Billigimporteuren mit dem Digital-Services-Act und einer Subventionsprüfung gegen Temu zusetzt. Für europäische Händler entsteht daraus eine Chance, sofern sie sauber kalkulieren statt Umsatz um jeden Preis zu kaufen.
Marge vor Größe lautet die Lehre für jeden Online-Händler. Vor dem nächsten Zukauf gehört die Verwässerung an den Anfang der Rechnung. Die operative Marge bleibt die ehrlichere Kennzahl als jeder Rekord beim Bruttowarenwert.
Quelle
[1] Zalando SE: „Zwischenmitteilung zum zweiten Quartal 2026“
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