Die Otto Group platzierte nach eigenen Angaben einen Schuldschein über mehr als 300 Millionen Euro, deutlich mehr als der Handelskonzern zunächst angepeilt hatte. Das Hamburger Unternehmen trägt weder ein öffentliches Rating noch eine Börsennotierung. Genau diese Lücke füllt der Schuldschein, mit dem sich frisches Kapital ohne Prospekt und ohne Ratingagentur beschaffen lässt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Mehr als 300 Millionen Euro frisches Kapital, platziert über ein Schuldscheindarlehen statt über Anleihe oder Börse.
- Die Otto Group hat kein öffentliches Rating, der Schuldschein verlangt keins.
- Als Geldgeber treten vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken auf, die Verlässlichkeit über Wachstum stellen.
- Das Geld stützt den Umbau vom Katalogversender zur Plattform, während der Konzernumsatz auf 13,8 Milliarden Euro sinkt.
Warum wählt Otto den Schuldschein statt die Börse?

Die Otto Group gehört den Nachfahren des Gründers Werner Otto und bleibt bewusst privat. Ein Börsengang würde Kontrolle und harte Transparenzpflichten kosten, eine öffentliche Anleihe ein Rating samt laufender Prüfung. Andere Konzerne greifen für frisches Kapital dennoch zur großen Anleihe, wie zuletzt Fresenius mit einer Milliardenemission.
Der Schuldschein umgeht beides. Ein Bankenkonsortium reicht das Darlehen an institutionelle Geldgeber weiter, ganz ohne Prospekt, Börsenzulassung und Ratingagentur. Für einen Konzern mit verlässlichen Zahlungsströmen ist das die günstigere Finanzierung als eine gehandelte Anleihe.
Wie funktioniert der Markt ohne Rating?
Den deutschen Schuldscheinmarkt tragen vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken, dazu kommen ausländische Geschäftsbanken. Bei der Emission im August 2025 zeichneten mehr als 30 Investoren, arrangiert von DZ Bank, ING, LBBW und UniCredit.[2] Diese Häuser prüfen die Bonität selbst und halten die Papiere meist bis zur Fälligkeit.
Bemerkenswert ist die Nachfrage vor dem Hintergrund der Zahlen. Der Konzernumsatz sank im Geschäftsjahr 2025/26 auf 13,8 Milliarden Euro, nach 14,9 Milliarden ein Jahr zuvor.[1] Trotzdem übersteigt das Interesse der Geldgeber das Angebot. Verlässliche Rückzahlung schlägt am Schuldscheinmarkt reines Wachstum. Ein Familienkonzern mit langer Historie liefert genau das.
Ein Schuldschein über 300 Millionen Euro ohne jedes Rating ist kein Notnagel, sondern das Kernstück deutscher Familienfinanzierung. Otto zeigt, dass Sparkassen einem Händler mehr zutrauen als manche Ratingagentur.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für den deutschen Mittelstand?
Als einer der größten Onlinehändler Europas steht die Otto Group für einen Finanzierungsweg, den auch kleinere Firmen nutzen. Unter den 20 größten E-Commerce-Giganten Deutschlands finden sich viele Namen, die Kapital ohne Börsengang aufnehmen.
Das frische Geld stützt einen teuren Umbau. Die Gruppe verlagert ihr Geschäft vom Katalogerbe zur Plattform und stellt die Suche zunehmend auf KI-Systeme um. Für Geschäftsführer im Mittelstand liegt die Lehre auf der Hand: Eine saubere Zahlungshistorie und ein früher Draht zu Sparkassen und Landesbanken öffnen den Schuldscheinmarkt oft schneller als der Weg über eine Ratingagentur.
Was ist ein Schuldscheindarlehen?
Ein Schuldscheindarlehen ist ein privat platzierter Kredit zwischen einem Unternehmen und meist institutionellen Geldgebern wie Sparkassen. Es braucht keinen Börsenprospekt und kein Rating, wird nicht an der Börse gehandelt und läuft in festen Tranchen mit unterschiedlichen Laufzeiten.
Warum nutzt die Otto Group keinen Börsengang und kein Rating?
Die Otto Group gehört der Gründerfamilie und bleibt bewusst privat. Ein Börsengang würde Kontrolle und Transparenzpflichten kosten, ein Rating eine laufende Prüfung durch eine Agentur. Der Schuldschein liefert Kapital ohne beides und passt so zum familiengeführten Konzern.
Wofür verwendet die Otto Group das frische Kapital?
Das Unternehmen nennt allgemeine Geschäftszwecke. In der Praxis stützt das Geld den Umbau vom klassischen Versandhandel zur digitalen Plattform, während der Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2025/26 auf 13,8 Milliarden Euro zurückging.
Quellen
[1] Otto Group: Geschäftszahlen 2025/26
[2] Otto Group: „Otto Group completes successful transaction on the Schuldschein market“ (14. August 2025)
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