Uber legt ein freiwilliges Übernahmeangebot für Delivery Hero vor: 41,50 Euro je Aktie in bar, rund 13 Milliarden Euro Eigenkapitalwert, 127 Prozent über dem unbeeinflussten Kurs. Vorstand und Aufsichtsrat des Berliner Konzerns empfehlen die Annahme einstimmig. Der eigentliche Hebel steckt aber im Kleingedruckten.

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Die Übernahme von Delivery Hero durch Uber ist der größte Deal, den die europäische Plattformökonomie in diesem Jahr gesehen hat. Am 16. Juli 2026 hat der US-Konzern das Barangebot vorgelegt und bewertet den Berliner Lieferdienst damit mit rund 13 Milliarden Euro.[1] Interessant ist weniger die Summe als die Konstruktion dahinter.

Das Wichtigste in Kürze

  • Uber bietet 41,50 Euro je Aktie in bar, ein Aufschlag von rund 127 Prozent auf den unbeeinflussten Dreimonatskurs.
  • Zusammen mit dem Großaktionär Prosus kommt Uber auf etwa 53 Prozent; die Mindestannahmeschwelle liegt bei 50 Prozent plus einer Aktie.
  • Parallel trennt Delivery Hero 14 Märkte ab und verkauft sie für rund 1,4 Milliarden Euro an den Investor SSW Partners.
  • Der Abschluss wird für das zweite Halbjahr 2027 erwartet, vorbehaltlich der Fusionskontrolle.

Warum zahlt Uber 127 Prozent Aufschlag?

Hand greift Papiertüte mit 41,50 EUR Preisschild und Stickern
Uber sichert sich Kontrollmehrheit vor Angebotsbeginn durch Zusage von Prosus, seinen 17-Prozent-Anteil anzudienen

Der Aufschlag kauft keinen Kurs, sondern Kontrolle. Uber hat schon vor dem Angebot 24,77 Prozent direkt und weitere 11,74 Prozent über Finanzinstrumente gehalten. Mit der Zusage von Prosus, seinen Anteil von rund 17 Prozent anzudienen, steht bereits vor Angebotsbeginn eine Mehrheit von etwa 53 Prozent.

Das Angebot hängt damit kaum noch an der Zustimmung der Streubesitzaktionäre. Für Uber entsteht eine Plattform, die Mobilität und Lieferung in 99 Märkten bündelt, mit einem kombinierten Bruttowarenwert von rund 205 Milliarden Euro für 2025.

Der Verkauf an SSW Partners: ein Kartell-Manöver

Delivery Hero verkauft genau dort, wo Uber Eats und die eigenen Marken sich überschneiden. Ein Finanzvehikel von SSW Partners übernimmt 14 Märkte, darunter foodora in Österreich, Tschechien, Norwegen und Schweden sowie Glovo in Polen, Portugal, Rumänien und Spanien.

Der Zuschnitt ist kein Zufall. Überall dort, wo beide Anbieter heute konkurrieren, würde ein Zusammenschluss die nationalen Wettbewerbsbehörden auf den Plan rufen. Der Vorab-Verkauf nimmt dieses Problem vorweg und macht aus einer riskanten Fusionsprüfung eine kalkulierbare.

Die abgetrennten Geschäfte stehen für einen Bruttowarenwert von rund 9,5 Milliarden Euro. SSW zahlt dafür etwa 1,4 Milliarden Euro und wird über Nacht zum eigenständigen Lieferkonzern in vierzehn Ländern.

Uber und Delivery Hero: die Zahlen zum Deal
Wie sich das größte Plattformgeschäft des Jahres zusammensetzt
41,50 €
Barangebot je Aktie
+127 %
Aufschlag auf den unbeeinflussten Dreimonatskurs
~13 Mrd. €
Eigenkapitalwert von Delivery Hero
14 Märkte
vorab an SSW Partners verkauft, für rund 1,4 Mrd. €
99 Märkte
kombinierte Reichweite, rund 205 Mrd. € Bruttowarenwert 2025
2. Halbjahr 2027
erwarteter Abschluss, vorbehaltlich der Fusionskontrolle

Die 127 Prozent Aufschlag zahlt Uber nicht für eine App, sondern für einen Marktanteil, den es sich anders nie genehmigen ließe. Der Verkauf von 14 Ländern ist der Preis, den Brüssel dafür im Voraus kassiert.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Deal für den DACH-Raum?

Für Deutschland ist es vor allem ein Souveränitätsthema. Mit Delivery Hero verliert der DAX einen der wenigen global relevanten Plattformkonzerne an einen US-Eigentümer, während heimische Händler wie Zalando ihre Logistik neu ordnen. Zugleich wechselt foodora Österreich zu einem Finanzinvestor.

Das Paar Delivery Hero und Glovo steht bei der EU-Kommission ohnehin unter Beobachtung. Im Juni 2025 hat Brüssel 329 Millionen Euro Bußgeld gegen beide verhängt, weil sie Märkte aufgeteilt und sich gegenseitig keine Mitarbeiter abgeworben hatten.[2] Ein solcher No-Poach-Fall war für die Kommission damals eine Premiere.

Für Gastronomen und Händler zählt jetzt zweierlei: In den 14 abgetrennten Märkten entscheidet künftig SSW über Konditionen und Provisionen, in den übrigen Ländern setzt Uber die Regeln. Bis zum erwarteten Abschluss im zweiten Halbjahr 2027 bleibt Zeit, Vertragslaufzeiten und Abhängigkeiten zu prüfen. Betriebe, die heute stark von einer einzigen Lieferplattform abhängen, sollten frühzeitig Alternativen aufbauen.

Quellen

[1] Uber: „Uber Announces Acquisition Offer for Delivery Hero“

[2] Europäische Kommission: „329 Millionen Euro Geldbuße für Delivery Hero und Glovo“

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