Zalando hat seine Logistikverträge mit Ceva Logistics für Deutschland, die Niederlande und Polen bis mindestens 2030 verlängert. Zehn Tage zuvor hatte der Modehändler das Aus für das eigene Logistikzentrum Erfurt bekanntgegeben. Beide Entscheidungen gehören zusammen.

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Seit 2009 betreibt Ceva Logistics Standorte für Zalando, seit dem 17. Juli 2026 laufen die gemeinsamen Logistikverträge bis mindestens 2030.[1] Die Laufzeit trägt die Nachricht, nicht die Verlängerung an sich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ceva übernimmt für Zalando weiterhin Fulfillment, Retourenbearbeitung und Wareneingang in Deutschland, den Niederlanden und Polen.
  • Die Verträge laufen bis mindestens 2030, die Zusammenarbeit besteht seit 2009.
  • Zeitgleich dünnt Zalando das eigene Netz aus und schließt den Standort Erfurt.
  • Lange Laufzeiten sind die Gegenleistung für Automatisierung, die der Dienstleister finanziert.

Was steht in den neuen Verträgen?

Zwei Karton-Lagerhallen: links geschlossen mit Zettel, rechts gebucht bis 2030 mit Schild
Ceva behält Fulfillment, Retouren und Wareneingang in drei Märkten, darunter das Fulfillment-Zentrum Rotterdam

Fulfillment, Retouren und Wareneingang bleiben in drei Märkten bei Ceva, darunter das große Fulfillment-Zentrum in Rotterdam. Zalando bedient rund 62 Millionen aktive Kundinnen und Kunden in 29 Märkten.

Ceva gehört zur französischen CMA CGM und hat im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 18,3 Milliarden US-Dollar erzielt, umgerechnet rund 15,9 Milliarden Euro. Neil Bennett, Vice President Logistics Operations bei Zalando, sagt dazu: „Unsere Partnerschaft mit Ceva war ein wichtiger Wegbereiter für Zalandos Wachstum.“

Warum gibt Zalando eigene Fläche auf und mietet fremde?

Saisonspitzen sind der Kern der Rechnung. Modehandel schwankt zwischen Weihnachtsgeschäft und Sommerloch erheblich, und Retouren erzeugen einen zweiten Warenstrom zurück ins Lager. Eine eigene Halle muss für die Spitze ausgelegt sein und steht im Tal teuer leer.

Fixkosten werden so zu variablen Kosten. Genau diesen Schritt hat Zalando bereits vollzogen, als das Unternehmen nach der Übernahme von About You das Logistikzentrum Erfurt aufgegeben hat.

Vertragsdauer ist dabei die harte Währung. Förderanlagen, Sortertechnik und Robotik amortisieren sich erst über mehrere Jahre; ein Einjahresvertrag trägt keine solche Investition. Mit der Bindung bis 2030 kauft Zalando Automatisierung ein, die in der eigenen Bilanz nie auftauchen wird.

Muster zeigt sich im gesamten Handel. Ceconomy hat Saturn zum Showroom umgebaut, Hornbach verkauft inzwischen über Galaxus. Der Handel gibt die physische Ausführung ab und behält die Kundenschnittstelle.

Wie profitabel dieses Ausführungsgeschäft für die Gegenseite ist, hat zuletzt DHL mit einer angehobenen Prognose gezeigt.

Die Vertragslaufzeit ist bei Logistikverträgen die eigentliche Verhandlungsmasse. Fünf Jahre Bindung kaufen eine Automatisierung ein, die in der eigenen Bilanz nie gestanden hätte.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zalando und Ceva: die Eckdaten der Verlängerung
Wie lange der Modehändler sein Fulfillment außer Haus gebucht hat, und in welchem Umfang.
2030
Mindestlaufzeit der neuen Verträge
2009
Beginn der Zusammenarbeit beider Unternehmen
3
Märkte: Deutschland, Niederlande, Polen
62 Mio.
aktive Kundinnen und Kunden in 29 Märkten

Eigenes Netz

Der Standort Erfurt wird nach der Übernahme von About You aufgegeben. Eigene Fläche bindet Kapital und steht außerhalb der Saisonspitze leer.

Fremdes Netz

Fulfillment, Retouren und Wareneingang laufen bis mindestens 2030 über Ceva. Die lange Bindung finanziert die Automatisierung beim Dienstleister.

Was heißt das für den deutschen Onlinehandel?

Retouren sind seit wenigen Tagen mehr als ein Kostenposten. Am 18. Juli ist das EU-Vernichtungsverbot für unverkaufte Kleidung und Schuhe in Kraft getreten. Retourenbearbeitung wird damit zur Nachweispflicht, und diese Pflicht wandert nicht mit dem Dienstleistungsvertrag zum Dienstleister.

Konzentration ist die zweite Kehrseite. Ceva gehört zur Reederei CMA CGM, sodass Lager, Wareneingang und ein Teil der Seefracht in einer Konzernstruktur zusammenlaufen. Wächst die Abhängigkeit, sinkt der Verhandlungsspielraum bei der nächsten Verlängerung.

Für kleinere Händler folgen daraus zwei Punkte:

  • Vertragslaufzeit bewusst als Verhandlungsmasse einsetzen, statt nur über den Stückpreis zu sprechen. Automatisierungszusagen gehören messbar in den Vertrag.
  • Die Nachweispflicht für unverkaufte Ware vertraglich verankern, inklusive Datenübergabe durch den Logistikpartner.

Prüfen Sie im nächsten Logistikgespräch deshalb zuerst, welche Investition Ihr Dienstleister für welche Laufzeit tatsächlich zusagt. Ohne diese Kopplung verlängern Sie nur einen Mietvertrag.

Quelle

[1] Ceva Logistics: „CEVA Logistics extends strategic logistics relationship with Zalando across Europe“

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