Ceconomy dampft die Marke Saturn auf 27 deutsche Filialen ein und lässt sie ab 2027 als Showroom in den MediaMarkt-Filialen weiterleben. Hinter dem Umbau steht eine harte Kostenrechnung im margenschwachen Elektronikhandel. Für den stationären Handel liefert der Konzern damit eine Blaupause, die über zwei Marken hinausreicht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenCeconomy, die Muttergesellschaft von MediaMarkt und Saturn, hat die Zahl der deutschen Saturn-Filialen seit Anfang 2025 von über 90 auf 27 gedrückt. Seit dem 1. Juli 2026 führt der frühere Finanzchef Remko Rijnders den Konzern[1] und macht aus dem Schrumpfkurs jetzt ein Programm.
Das Wichtigste in Kürze
- Saturn fällt von über 90 auf 27 deutsche Filialen; ab 2027 zieht die Marke als Showroom in ausgewählte MediaMarkt-Standorte ein.
- Jede Umwandlung einer Saturn- in eine MediaMarkt-Filiale hat zuletzt rund 10 % mehr Umsatz am Standort gebracht.
- Ceconomy peilt bis 2028/29 ein bereinigtes EBIT von 800 Mio. € an, gut 60 % über dem erwarteten Wert für 2025/26.
- Der Umbau läuft parallel zur Übernahme durch den chinesischen Onlinehändler JD.com.
Warum verschwindet Saturn in den MediaMarkt-Filialen?

Zwei Vollsortiment-Marken in derselben Stadt kosten doppelt Miete und Personal, während die Handelsmarge im Elektronikgeschäft bei wenigen Prozent liegt. Genau diese Doppelstruktur räumt Ceconomy jetzt ab.
Die Rechnung dahinter ist unbequem konkret: Nach jeder Umwandlung einer Saturn- in eine MediaMarkt-Filiale hat Ceconomy zuletzt rund 10 % mehr Umsatz am selben Standort gemeldet. Weniger, aber größere und besser gelegene Läden bringen mehr als zwei konkurrierende Schilder an derselben Straße.
Der Online-Verkauf drückt seit Jahren auf die Verkaufsfläche im Elektronikgeschäft, erst über Amazon, künftig verstärkt über den neuen Eigentümer JD.com. Ein Händler, der die Kundschaft an den Onlinehandel verliert, braucht keine zwei Filialnetze mehr. Gefragt sind Standorte, die als Erlebnis funktionieren.
Was bringt der Umbau finanziell?
Ceconomy peilt bis zum Geschäftsjahr 2028/29 ein bereinigtes EBIT von 800 Mio. € an, ein Plus von rund 60 % gegenüber den erwarteten 500 Mio. € für 2025/26. Der Konzernumsatz soll dabei auf etwa 24 Mrd. € klettern.
Saturn selbst verschwindet nicht, sondern wandert als kuratierter Showroom in ausgewählte MediaMarkt-Flächen. Ab 2027 soll die Zweitmarke dort Technik-Trends, Gaming und Premium-Geräte für eine kaufkräftigere Zielgruppe bündeln.
Ceconomy verabschiedet sich nicht von Saturn, sondern von der teuersten Idee des Elektronikhandels: zwei Schilder für dieselbe Ware. Der Showroom im MediaMarkt ist der ehrlichere Umgang mit einer Fläche, die online längst zur Nebensache geworden ist.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Ab 2027 zieht Saturn als kuratierter Showroom in ausgewählte MediaMarkt-Filialen ein, statt als eigenständige Kette weiterzulaufen.
Was heißt das für den stationären Handel?
Der Showroom im Laden ist kein Ceconomy-Original. Vom Apple-Store bis zu den Umbauten von Galeria zieht sich der Wandel von der Vollsortiment-Fläche zum inszenierten Erlebnisraum durch den ganzen Handel, wie auch der Aufstieg reiner Marktplätze bei Galaxus und Zalando zeigt.
Für Händler im DACH-Raum steckt darin eine klare Frage: Welche Standorte tragen sich noch als Verkaufsfläche, und welche funktionieren nur noch als Bühne für eine Marke, die den Umsatz online macht? Ohne eine saubere Sortierung in Erlebnisanker und Abholpunkte zahlen Ketten doppelt Miete für halbe Frequenz.
Für die Kundschaft ändert sich zunächst wenig, für Vermieter und Beschäftigte an den 27 Saturn-Standorten dafür umso mehr. Behalten Sie die Umwandlungsquote im Blick, denn diese Kennzahl zeigt früher als jede Bilanz, ob die Rechnung von Rijnders aufgeht.
Quelle
[1] CECONOMY: „CECONOMY stärkt die Führung von MediaMarktSaturn“ ↩
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