Lufthansa Cargo hat am Frankfurter Flughafen den ersten Bauabschnitt des Frachtzentrums LCCevo hochgefahren. Ein 42 Meter hohes, weitgehend menschenleeres Hochregallager verdoppelt die Lagerkapazität. Für die Luftfracht beginnt damit der Umstieg von Muskelkraft auf Maschinenlogik.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer neue Frachthub von Lufthansa Cargo kostet rund 600 Millionen Euro und stapelt Fracht künftig 42 Meter in die Höhe. Ende Juni 2026 hat der Frachtführer den ersten Bauabschnitt planmäßig in Betrieb genommen.[1] Hinter der Summe steckt die Annahme, dass Automatisierung knappe Flächen und fehlendes Personal ausgleicht.
Das Wichtigste in Kürze
- 600 Millionen Euro fließen bis 2030 in den Umbau des Lufthansa Cargo Centers in Frankfurt.
- Das vollautomatische Hochregallager misst 42 Meter, bietet knapp 3.000 Stellplätze auf 13 Etagen und schafft über 300 Ein- und Auslagerungen pro Stunde.
- Bauphase ALPHA erstreckt sich über rund 80.000 Quadratmeter und verdoppelt die Kapazität.
- Photovoltaik auf 19.000 Quadratmetern Dach und Wärmerückgewinnung senken den Energieverbrauch.
Was steckt hinter dem 600-Millionen-Projekt LCCevo?

Lufthansa Cargo baut das Lufthansa Cargo Center bis 2030 zum nach eigenem Anspruch modernsten Luftfrachthub Europas um. Der erste Abschnitt namens ALPHA umfasst rund 80.000 Quadratmeter, etwa elf Fußballfelder. Zwei weitere Phasen, BRAVO und CHARLIE, folgen in den kommenden Jahren.
„Mit der Inbetriebnahme von Bauphase ALPHA wird eine Vision zur Wirklichkeit“, sagt Ashwin Bhat, CEO von Lufthansa Cargo. Der Umbau läuft im laufenden Betrieb, rund um die Uhr. Frankfurt ist Deutschlands größter Frachtflughafen, und jede Stunde Stillstand kostet Anschluss an Hubs wie Amsterdam, Paris oder Leipzig.
Wie funktioniert ein vollautomatisches Frachtlager?
Das Herzstück ist ein 42 Meter hohes Hochregallager mit knapp 3.000 Stellplätzen auf 13 Etagen. Regalbediengeräte lagern die Frachtpaletten vollautomatisch ein und aus, mehr als 300 Mal pro Stunde. Ein separates Palettenlager kühlt temperaturempfindliche Ware wie Medikamente und Frischwaren.
Die Höhe ist kein Selbstzweck. Flächen am Flughafen sind teuer und knapp, also wächst das Lager nach oben statt in die Breite. Amazon zeigt im E-Commerce seit Jahren, wie weit sich die Lagerlogistik automatisieren lässt, und Zulieferer wie Kion übertragen dieses Prinzip gerade vom Gabelstapler auf ganze Lagerhallen.
Sensorik und Materialflusssteuerung verknüpfen Wareneingang, Zwischenlager und Abflug zu einem durchgehenden Ablauf. So wandert eine Palette vom Flugzeug bis ins Regalfach ohne manuellen Zwischengriff.
ALPHA
In Betrieb seit Ende Juni 2026. Hochregallager und Palettenlager auf rund 80.000 Quadratmetern.
BRAVO
Geplant. Nächster Bauabschnitt in den kommenden Jahren.
CHARLIE
Geplant. Abschluss zum Zielbild des modernsten Luftfrachthubs Europas.
19.000 Quadratmeter Photovoltaik auf dem Dach, dazu Wärmerückgewinnung und begrünte Dächer drücken Energieverbrauch und Emissionen.
Ein 42-Meter-Regal, das sich selbst befüllt, wirkt spektakulär. Der eigentliche Treiber sind Personalmangel und teure Flughafenflächen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet die Frachtautomatisierung für den Standort Deutschland?
Für die deutsche Exportwirtschaft hängt viel an schneller Luftfracht. Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori nennt moderne Infrastruktur die Grundlage für Wachstum und gute Arbeitsplätze. Automatisierung entlastet Beschäftigte von schwerer körperlicher Arbeit und mildert den Fachkräftemangel in der Logistik.
Zugleich verschiebt die Technik die Jobprofile vom Palettenschieben zur Anlagensteuerung. Dass Automatisierung eher Tätigkeiten verdrängt als Materialkosten, zeigt sich quer durch die Branche. Auf der Laderampe testet auch Jungheinrich autonome Roboter, und der breitere Robotik-Trend 2026 erreicht nun die Frachthallen.
Der Nachhaltigkeitshebel ist beträchtlich: Photovoltaik auf 19.000 Quadratmetern Dach, Wärmerückgewinnung und begrünte Dächer drücken den Energieverbrauch spürbar.
Für Entscheider in Handel und Industrie lohnt der Blick auf die eigene Lieferkette. Bei der Planung neuer Lagerprozesse gehören Automatisierungsstufe und Energiekonzept von Anfang an zusammen.
Quelle
[1] Lufthansa Cargo AG: „Lufthansa Cargo bringt ersten Bauabschnitt ihres hochmodernen Luftfracht-Hubs planmäßig in Betrieb“ ↩
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