Eine repräsentative Umfrage zeigt eine seltene Einigkeit: 83 Prozent der Hausbesitzer stehen hinter dem Smart Meter. Die Realität im Stromnetz sieht anders aus, denn beim digitalen Zähler hängt Deutschland europaweit hinten. Für Entscheider entsteht daraus eine konkrete Chance, die bislang kaum jemand nutzt.

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Der Smart Meter genießt in deutschen Haushalten mehr Zuspruch als fast jede andere Digitalisierungsmaßnahme, wie eine neue E.ON-Umfrage belegt[1]. Zwischen diesem Wunsch und dem tatsächlichen Ausbau liegen jedoch Jahre. Wir haben nachgesehen, warum der Zähler trotz breiter Zustimmung so selten an der Wand hängt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 83 Prozent der Hausbesitzer befürworten Smart Meter, nur 10 Prozent sehen keinen Nutzen.
  • Ausgestattet sind bislang 5,5 Prozent aller Zählpunkte, damit ist Deutschland EU-Schlusslicht.
  • Der Engpass liegt in der aufwendigen Sicherheitszertifizierung und einer zersplitterten Messstellen-Landschaft.
  • Seit Februar 2025 hat jeder Haushalt ein Anrecht auf den Einbau, gedeckelt auf 20 Euro im Jahr.

Warum wollen 83 Prozent einen digitalen Zähler?

Digitale e-Zähler, in Plastik verpackt und verstaubt, mit einem beschrifteten Pappschild davor
2.000 Hausbesitzer befürworten intelligente Stromzähler primär wegen Kostenersparnis. 50% erwarten niedrigere Rechnungen, 33% wollen Stromverbrauch überwachen, 33% interessieren sich für dynamische Tarife

Die Antworten der von Statista befragten 2.000 Hausbesitzer fallen eindeutig aus. Kostenersparnis treibt die Zustimmung an: Die Hälfte erhofft sich niedrigere Rechnungen durch optimierten Verbrauch, ein Drittel möchte den eigenen Stromfluss überwachen, ein weiteres Drittel reizt der Wechsel auf dynamische Tarife.

Besonders offen zeigen sich Haushalte mit E-Auto, Wärmepumpe oder Batteriespeicher, von denen rund 90 Prozent zustimmen. Genau diese Gruppe wächst rasant, wie die im Juni um 78 Prozent gestiegenen E-Auto-Neuzulassungen zeigen. Zwei Drittel der Befragten halten den digitalen Zähler zudem für einen wichtigen Baustein der Energiewende.

Woran scheitert der Rollout in Deutschland?

Trotz dieser Nachfrage waren nach Angaben der Bundesnetzagentur Ende 2025 erst rund 3,1 Millionen intelligente Messsysteme in Betrieb, also 5,5 Prozent von 56,5 Millionen Zählpunkten. In Dänemark, Schweden und den Niederlanden ist der Smart Meter praktisch flächendeckend verbaut.

Der Hauptengpass ist technisch und hausgemacht: Die deutschen Zähler-Gateways müssen den Sicherheitsstandard Common Criteria EAL4+ erfüllen, vergleichbar mit Online-Banking. Diese hohe Hürde hat Entwicklung und Zulassung um Jahre verzögert, während südeuropäische Länder mit einfacherer Technik längst durchgekommen sind.

Hinzu kommt eine Zersplitterung der Zuständigkeit: 813 grundzuständige Messstellenbetreiber teilen sich die Aufgabe, und 340 von ihnen hatten Ende 2024 noch kein einziges System verbaut. Im März 2026 hat die Bundesnetzagentur deshalb Verfahren gegen 77 säumige Betreiber eröffnet und Zwangsgelder angedroht.

Smart Meter in Deutschland: Wunsch trifft Wirklichkeit
Die Zustimmung ist da, der Einbau nicht. Fünf Zahlen zum stockenden Rollout.
Wunsch
83 %
der Hausbesitzer befürworten den Smart Meter.
Wirklichkeit
5,5 %
aller 56,5 Millionen Zählpunkte sind ausgestattet.
~90 %
Zustimmung bei Besitzern von E-Auto, Wärmepumpe oder Speicher
20 €
gedeckelte Kosten pro Jahr für den Einbau im Haushalt
77
säumige Messstellenbetreiber im Verfahren der Bundesnetzagentur

Der Smart Meter ist kein Technikthema mehr, sondern die Eintrittskarte in flexible Stromtarife. Wird er den Kunden vorenthalten, bremst das die Energiewende genau dort, wo die Menschen längst mitziehen wollen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was können Entscheider und Hausbesitzer jetzt tun?

Das Warten auf den Pflichteinbau lohnt sich nicht mehr. Seit der Novelle des Messstellenbetriebsgesetzes im Februar 2025 kann jeder Haushalt den Einbau aktiv verlangen, unabhängig vom Verbrauch, und zahlt dafür höchstens 20 Euro im Jahr.

Der eigentliche Hebel liegt danach im Tarif: Dynamische Stromtarife, die jeder Anbieter seit 2025 führen muss, funktionieren nur mit dem digitalen Zähler. Ein E-Auto oder eine Wärmepumpe lässt sich damit gezielt in günstige Stunden verschieben, wie unser Ladetarife-Vergleich und der Reichweiten-Rechner vorrechnen.

Für Gewerbe kommt der Netzentgelt-Rabatt nach Paragraf 14a EnWG hinzu. Dass sich Flexibilität am Strommarkt sogar direkt vermarkten lässt, zeigt Viessmann mit Wärmepumpen und Heimspeichern.

Die Empfehlung ist damit klar: nicht auf den Zwangseinbau warten, sondern den Smart Meter jetzt beantragen und mit einem dynamischen Tarif kombinieren. Die Zustimmung ist da, die gesetzliche Grundlage ebenfalls.

Quelle

[1] E.ON: „E.ON Umfrage: 83 Prozent der Hausbesitzer stehen hinter Nutzung von Smart Metern“

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