Costco als Anti-Amazon: Der US-Händler führt pro Warenhaus nur rund 4.000 Artikel, Amazon dagegen ein nahezu unbegrenztes Sortiment. Diese bewusste Verknappung ist kein Rückstand, sondern das Herzstück eines Geschäftsmodells, das für den deutschen Handel überraschend viele Lehren bereithält. Aldi treibt die Verknappung auf die Spitze und führt sogar nur rund 1.800 Artikel im Sortiment.

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4.000 Artikel gegen mehr als 300 Millionen: So groß ist der Abstand zwischen einem Costco-Warenhaus und dem Amazon-Katalog. Eine Analyse im Magazin Phenomenal World nennt Costco deshalb das Gegenmodell zur Plattform, weil das Unternehmen spät ins Onlinegeschäft eingestiegen ist und sein Sortiment bewusst klein hält.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Costco-Warenhaus führt etwa 4.000 Artikel, ein Walmart-Supercenter rund 130.000, Amazon praktisch unbegrenzt viele.
  • Costcos Verwaltungs- und Vertriebskosten liegen bei rund 10 Prozent vom Umsatz, während Amazons Zustellkosten laut Analyse etwa 40 Prozent des Nicht-Cloud-Umsatzes verschlingen.
  • Die Fluktuation bei Costco beträgt jährlich 6 Prozent, im Einzelhandel sind 60 Prozent üblich, in Amazon-Lagern sogar 150 Prozent.
  • Für den deutschen Handel liegt die Parallele bei Aldi und Lidl: schmales Sortiment, hohe Einkaufsmacht, schlanke Kosten.

Warum gilt Costco als Anti-Amazon?

Einkaufswagen mit Großpackung
Costco verdient durch Mitgliedsbeiträge statt Produktverkäufe und setzt auf kleines Sortiment und Ladenbesuch, während Amazon auf maximale Auswahl und Heimlieferung setzt

Costco gilt als Anti-Amazon, weil das Unternehmen auf Mitgliedsbeiträge, ein bewusst kleines Sortiment und den Ladenbesuch statt Heimlieferung setzt. Amazon dagegen lebt von maximaler Auswahl und schneller Zustellung nach Hause.

Der Kern liegt im Mitgliedsmodell. Kundschaft zahlt einen Jahresbeitrag, um überhaupt einkaufen zu dürfen, und dieser Beitrag trägt einen Großteil des Gewinns. Costco verdient also weniger an der einzelnen Ware und mehr an der Bindung, weshalb der Konzern die Preise auf die verkauften Güter niedrig halten kann.

Amazon verfolgt das Gegenteil. Prime verspricht Tempo und Bequemlichkeit, treibt damit aber die Logistikkosten in die Höhe. Pikant: Jeff Bezos holte sich die Idee zum Abomodell laut Analyse ausgerechnet beim früheren Costco-Chef Jim Sinegal. Wie stark der Onlinehandel den Einkauf inzwischen umbaut, zeigt der Kurswechsel bei der Otto Group hin zur KI-Suche.

Costco gegen Amazon: zwei Handelslogiken
Wie ein schmales Sortiment schlanke Kosten und eine treue Belegschaft erzeugt.

4.000
Artikel pro Costco-Warenhaus, gegenüber rund 130.000 im Walmart-Supercenter

10 %
Verwaltungs- und Vertriebskosten vom Umsatz, gegenüber rund 40 % bei Amazons Zustellung

6 %
Jährliche Fluktuation bei Costco, gegenüber 60 % im Handel und 150 % in Amazon-Lagern

Stundenlohn im Vergleich (aus US-Dollar umgerechnet)

Walmart
14 €
Amazon
17 €
Costco
19 €

Wie erzeugt das schmale Sortiment die Einkaufsmacht?

Ein kleines Sortiment bündelt die Nachfrage auf wenige Artikel, sodass Costco pro Produkt riesige Mengen abnimmt. Diese Konzentration verschafft dem Händler starke Konditionen und einen extrem schnellen Lagerumschlag.

Ein Warenhaus führt nur etwa 4.000 statt 130.000 Artikel, deshalb verkauft Costco eine Lieferung oft binnen eines Monats komplett. Dieser schnelle Umschlag beschert dem Konzern einen kurzen oder sogar negativen Geldkreislauf, ohne dass der Händler die Zahlungsfristen der Lieferanten überdehnt. Amazon dagegen verhandelt laut Analyse Fristen jenseits der branchenüblichen dreißig Tage und finanziert sich so zinslos über die Lieferanten.

Diese Bündelung kennt der deutsche Handel gut. Aldi und Lidl fahren seit Jahrzehnten schmale Sortimente, ziehen daraus Einkaufsmacht und drücken die Kosten. Dass sich Fokus auszahlt, belegen auch die Baumärkte: Warum Bauhaus, Obi und Hornbach trotz Krise wachsen, hat viel mit klarer Sortimentslogik zu tun. Und dass Discounter längst mehr wollen als Regale, zeigt Lidls Vorstoß, mit STACKIT zum Cloud-Anbieter zu werden.

Welche To-dos ergeben sich für den deutschen Handel?

Deutsche Händler sollten ihr Sortiment gezielt straffen, über Mitglieds- oder Abomodelle nachdenken und Personal langfristig binden. Ein Vollsortiment ohne klaren Fokus verschenkt Einkaufsmacht und bläht die Kosten auf.

Der erste Hebel ist die Straffung. Prüfen Sie, welche Artikel wirklich Umsatz tragen, und trennen Sie sich von Ladenhütern, statt die Regale immer voller zu stopfen. Ein kuratiertes Sortiment bündelt die Nachfrage und stärkt Ihre Position beim Einkauf.

Der deutsche Handel sollte aufhören, Amazons Endlosregal zu kopieren und aus jedem Produkt eine Kaufempfehlung machen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Der zweite Hebel ist die Bindung. Ein Jahresbeitrag oder ein Abomodell schafft planbare Erlöse und Kundentreue, wie Costco und mittlerweile viele Onlinehändler zeigen. Der dritte Hebel betrifft das Personal: Faire Löhne senken die Fluktuation und damit die teuren Kosten für ständiges Anlernen. Wer die passende Software für solche Kundenbindungsprogramme sucht, findet Orientierung darin, welche 10 Fragen Sie vor dem CRM-Kauf stellen sollten.

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