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Der Satz „Zieh dir was an, sonst erkältest du dich“ holt heute kein Kind mehr vom Bildschirm weg. Viele Jugendliche sehen dort ihren Berufswunsch: Gaming-Influencer steht bei ihnen inzwischen an der Stelle, an der früher Pilot oder Profifußballer standen.

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Wir haben uns die deutschsprachige Szene angesehen und die zwanzig Köpfe herausgesucht, die sie geprägt haben. Die Reihenfolge folgt der Prägekraft, nicht stur der Zahl der Abonnenten. Zu jedem Namen steht, wie viele Menschen ihm auf welcher Plattform folgen, ob er noch aktiv sendet und womit er sein Geld verdient. Der letzte Punkt ist der spannendste, und mit Zocken hat er oft erstaunlich wenig zu tun.

Das Wichtigste vorab

  • Reichweite ist nicht gleich Einfluss. Eine hohe Abonnentenzahl kann ein totes Archiv aus aktiveren Jahren sein. Wirkung haben heute die Kanäle, die regelmäßig senden und eine lebendige Community bewegen.
  • Das Geld kommt selten von der Plattform allein. Werbedeals, eigene Marken und Lizenzen finanzieren die erfolgreichen Karrieren, die Klickvergütung reicht dafür nicht.
  • Die kursierenden Vermögenszahlen sind fast immer Hochrechnungen. Kein Influencer gibt Auskunft über sein Konto, die meisten Summen im Netz sind Schätzungen mit Eigeninteresse.
  • Der Traumberuf hat eine Kehrseite. Plattformabhängigkeit, Dauerproduktion und psychische Belastung gehören zum Geschäft. Auf jeden Paluten kommen Zehntausende, die nichts verdienen.

Die zwanzig prägenden Köpfe der Szene

Gamepad auf einem Siegerpodest mit einem „TOP 20“-Schild auf weißem Hintergrund
Reichweiten deutscher Streamer Juni 2026: Gronkh führt mit 5,04 Mio. YouTube- und 1,79 Mio. Twitch-Followern. Vier Streamer ohne verlässliche Daten nicht aufgeführt

Alle Reichweiten sind gerundet und geben den Stand Juni 2026 wieder. Bei vier Namen ließ sich keine belastbare Zahl aus Primärquellen zuordnen, dort nennen wir bewusst keine.

1. Gronkh (Erik Range)
YouTube ~5,04 Mio. · Twitch ~1,79 Mio. Follower · noch aktiv, reduziertes Pensum

Gronkh gilt als der Mann, der die deutschen Let’s Plays praktisch erfunden hat. Allein zu Minecraft hat er über 1.200 Folgen gedreht. Seine Stimme kennen auch Menschen ohne Bezug zum Gaming, weil er Filmfiguren synchronisiert, unter anderem im Minecraft-Kinofilm. Heute streamt der 49-Jährige seltener, meist freitags. Seit 2010 ist er dabei und tauchte 2025 noch immer in den Twitch-Top-10 auf, in dieser schnelllebigen Szene eine kleine Sensation.

2. Paluten (Patrick Mayer)
YouTube ~5,75 Mio. · zeitweise Twitch · im Rückzug („YouTube-Rente“ seit März 2026)

Paluten betreibt den meistabonnierten deutschsprachigen Gaming-Kanal. Über ein Jahrzehnt hat er fast täglich Minecraft-Videos hochgeladen, oft mit seinem Hausschwein Edgar, das vom Spielobjekt zum Maskottchen einer ganzen Marke geworden ist. Aus der Minecraft-Serie Freedom sind eine zwölfbändige Buchreihe und ein Spiegel-Bestseller hervorgegangen, 2027 kommt ein Animationsfilm ins Kino. Im März 2026 hat er angekündigt, kürzerzutreten, kurz nachdem er zum zweiten Mal Vater geworden war. Paluten zeigt am deutlichsten, wie früh die Cleveren über die Plattform hinausdenken.

3. MontanaBlack (Marcel Eris)
Twitch ~5,76 Mio. Follower · YouTube je ~3 Mio. auf zwei Kanälen · aktiv, Schwerpunkt IRL

Lange war MontanaBlack der größte deutsche Twitch-Streamer, groß geworden mit Fortnite und GTA. Heute spielt „Monte“ weniger und ist häufiger im echten Leben unterwegs. Als er nebenbei einen TikTok-Kanal startete, verriet er im Stream, damit in zwei Monaten 27.000 Euro brutto eingenommen zu haben. Sein wichtigstes Geschäft ist aber der Energydrink Gönrgy. Aus dem Gamer ist ein Getränkeunternehmer geworden, der nebenbei noch streamt.

4. Trymacs (Maximilian Stemmler)
YouTube ~2,86 Mio. · hohe Twitch-Reichweite · sehr aktiv

Trymacs hat mit Tutorials zum Handyspiel Clash Royale angefangen und zählt heute zu den Vielseitigsten der Szene. Sein Markenzeichen sind Pokémon-Karten-Öffnungen vor Publikum, für ein einzelnes seltenes Display hat er schon einmal 40.000 Euro ausgegeben. Mit seiner Pizza-Marke Happy Slice und Deals mit Adidas geht er denselben Weg wie Monte, vom Streamer zur eigenen Marke.

5. Eliasn97 (Elias Nerlich)
Twitch ~2,24 Mio. Follower · YouTube ~1,5 Mio. · sehr aktiv, Spitzenreiter Watchtime 2025

Der frühere Hertha-E-Sportler war 2025 der deutsche Streamer mit den meisten real geschauten Stunden, über 70 Millionen. Er kam über FIFA, hat Minecraft mit elf Jahren Verspätung entdeckt und mit seinem ersten chaotischen Stream prompt etablierte Veteranen überholt. Sein zweites Standbein ist der Fußball. Er ist Mitbetreiber der Icon League, der Influencer-Fußballliga um Toni Kroos, und war der erste Nicht-Sportler, den Adidas zum Markenbotschafter gemacht hat.

6. Papaplatte (Kevin Teller)
Twitch Spitzenreichweite, ~54 Mio. Stunden Watchtime 2025 · sehr aktiv

Kevin Teller hat als Schüler den Kanal SchnitzelTV gegründet und gehört heute zu den größten Variety-Gesichtern. Seine Mischung aus Gaming, Talk und Reaktionen lebt von der Nähe zur Community. Marken wie Telekom und Red Bull buchen ihn gern. Mit seinem Kumpel Reeze betreibt er den Podcast Edeltalk und ist im Wohnmobil auf eine live gestreamte Tour gegangen.

7. HandOfBlood (Maximilian Knabe)
YouTube ~3 Mio. · hohe Twitch-Reichweite, ~20 Mio. Stunden Watchtime 2025 · aktiv

Früher war Maximilian Knabe für aufwendig produzierte Videos bekannt, teils im Kostüm. Heute ist er Unternehmer: Er führt die Esports-Organisation INSTINCT3, hat die Knabe Kola herausgebracht und ein Metal-Label gegründet. Sein 26-Stunden-Techno-Event vor über 50.000 gleichzeitigen Zuschauern hat international Aufsehen erregt. „Hänno“ zeigt, wie weit sich eine Gaming-Marke vom Spielen lösen kann.

8. BastiGHG (Bastian)
Twitch ~2,3 Mio. Follower · großer YouTube-Kanal · täglich aktiv seit 2016

BastiGHG ist der Minecraft-Besessene der Szene. Er streamt seit dem 14. Januar 2016 jeden Tag, Anfang 2026 jährte sich das tägliche Senden zum zehnten Mal. Eine Kuriosität: Sein Gesicht kennt niemand, im Stream sind nur seine Hände auf Maus und Tastatur zu sehen. Hinter ihm arbeitet ein ganzes Team aus Programmierern, Cuttern und Designern, aus dem Solo-Hobby ist längst ein Betrieb geworden.

9. Rewinside (Sebastian Meyer)
YouTube ~3,44 Mio. · Twitch aktiv · aktiv

Rewinside ist Let’s-Player der ersten Stunde und gehört zum Kölner Büro-Kreis um Paluten, der sich selbst „UFO“ (Ultra Fettes Office) nennt. Der gelernte Immobilienkaufmann ist für reichlich Clickbait in den Vorschaubildern und freundschaftliche Beschimpfungen seiner Mitspieler bekannt. Auch er spricht eine Rolle im Minecraft-Film.

10. GermanLetsPlay (Manuel)
YouTube ~3,75 Mio. · aktiv

GermanLetsPlay ist ein reiner YouTube-Let’s-Player aus Palutens Freundeskreis, dem „Freedom Squad“. Er spielt Minecraft und Simulatoren und zeigt seit 2021 statt seines Gesichts eine animierte 3D-Figur, die seine Mimik nachbildet. Seine Karriere beruht fast komplett auf dem Archivmodell von YouTube.

11. Zombey (Michael)
YouTube ~2,15 Mio. · gelegentlich Twitch · aktiv

Zombey, ebenfalls Freedom Squad, ist an lila Anzug, Zylinder und Monokel zu erkennen. Der klassische Let’s-Player hat eine kleinere, aber sehr treue Community und über die Jahre ein eigenes albernes Insider-Vokabular gepflegt. Seine Reichweite liegt unter der Spitze, die Bindung seiner Zuschauer ist dafür felsenfest.

12. Dner (Felix von der Laden)
YouTube ~3,2 Mio. · aktiv, kaum noch Gaming

Dner ist ein ehrlicher Grenzfall. Er kam aus dem Gaming und dreht heute fast nur noch Lifestyle- und Autovideos. Nach unserer Definition zählt er kaum mehr als Gaming-Influencer. Wir führen ihn als Beispiel dafür, dass „aus dem Gaming kommen“ und „Gaming-Influencer sein“ zwei verschiedene Dinge sind.

13. ungespielt (Simon Unge)
YouTube ~3,55 Mio. · aktiv, kaum noch Gaming

Simon Unge ist der zweite Grenzfall. Groß geworden ist er mit Gaming, heute zeigt er überwiegend Vlogs und Reallife-Inhalte, oft aus dem Ausland. Wie Dner steht er für ein verbreitetes Muster: Irgendwann wird die Person größer als das Spiel, und das Spiel verschwindet.

14. PietSmiet (Team um Peter Smits)
Twitch ~855.000 Follower · großer YouTube-Kanal · täglich aktiv

„Fünf spieleverrückte Teilzeit-Bekloppte“, so beschreibt sich das Team um Peter Smits selbst. PietSmiet hat das Kollektiv-Format geprägt: gemeinsam spielen, Spielshows, Kochvideos. Heute gehört die Gruppe zum Webedia-Netzwerk und ist damit ein seltenes Beispiel für eine industriell organisierte Gaming-Marke. Das Team-Modell verteilt nebenbei das Risiko, das Solo-Creator allein tragen.

15. Sturmwaffel (Nils)
YouTube ~2,03 Mio. · Twitch aktiv · aktiv

Sturmwaffel ist Variety-Let’s-Player aus dem UFO-Kreis und für seinen trockenen Humor bekannt. Seine Karriere verläuft solide und langlebig, ohne Skandal-Schlagzeilen. Er steht für das stabile Mittelfeld der Szene, das nicht polarisiert und deshalb oft übersehen wird.

16. Standart Skill (Marcel Wenig)
Reichweite aus Primärquellen nicht sauber verifizierbar · aktiv

Marcel Wenig ist der Spezialist für FIFA und EA FC. Um ihn hat sich eine riesige, extrem genrespezifische Fußballspiel-Community gebildet, ein eigener Kosmos, den Außenstehende selten kennen und der treu ist wie kaum ein anderer. Eine belastbare, aktuelle Followerzahl ließ sich aus den gängigen Trackern nicht eindeutig zuordnen, deshalb nennen wir bewusst keine.

17. Trilluxe (Christian Stenzel)
Reichweite aus Primärquellen nicht sauber verifizierbar · aktiv

Christian Stenzel ist im Counter-Strike-Umfeld groß geworden und heute breiter mit Variety unterwegs. Er vertritt die shooter- und esportsnahe Ecke der Szene, die technischer und wettkampforientierter tickt als die Minecraft-Fraktion.

18. Maxim
Reichweite aus Primärquellen nicht sauber verifizierbar · sehr aktiv

Maxim streamt Variety und Just Chatting für eine große junge Community und ist eng mit dem Umfeld von Papaplatte verbunden. Er steht für die neue Twitch-Generation, die weniger über ein Spiel als über die eigene Persönlichkeit funktioniert.

19. Reeze
Reichweite aus Primärquellen nicht sauber verifizierbar · sehr aktiv

Reeze ist Podcast- und Tourpartner von Papaplatte (Edeltalk, Edeltour). An ihm lässt sich ablesen, wie Reichweite in dieser Szene durch Kollaboration entsteht: Gewachsen ist er durch gemeinsame Sendungen mit den Größeren.

20. Tanzverbot (Kilian Heinrichs)
Twitch ~800.000 Follower · YouTube-Nebenkanäle aktiv · seit Mitte 2025 nicht mehr live

Kilian Heinrichs hat in Spitzen über 150.000 gleichzeitige Zuschauer erreicht. Seit Mitte 2025 sendet er auf seinen Hauptkanälen nicht mehr live und hat offen über psychische Belastungen gesprochen. Statt der großen Twitch-Einnahmen lädt er lieber kuriose Beschwerde-Videos auf Nebenkanälen hoch, etwa eine „Ansage an die Telekom“ wegen lahmen Internets. Sein Rückzug erinnert daran, dass hinter den Zahlen Menschen stecken.

Die größten Reichweiten der deutschen Gaming-Szene
Gerundete Follower- und Abonnentenzahlen, Stand Juni 2026
Twitch
5,76 Mio. Follower

MontanaBlack, lange der größte deutsche Twitch-Streamer.

YouTube
5,75 Mio. Abonnenten

Paluten, der meistabonnierte deutschsprachige Gaming-Kanal.

Plattformen
5,04 und 1,79 Mio.

Gronkh auf YouTube und Twitch, dabei seit 2010.

Watchtime 2025
über 70 Mio. Stunden

Eliasn97, der deutsche Spitzenreiter bei real geschauten Stunden.

Die Followerzahl misst das Archiv, die Watchtime zeigt, wer heute wirklich geschaut wird.

Womit verdienen die ihr Geld?

Weißes Sparschwein mit orangefarbenem Headset und Preisschild mit der Aufschrift Werbedeal
Werbedeals und eigene Marken bringen mehr ein als die Klickvergütung.

Die kurze Antwort: selten mit dem, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Die Klickvergütung zahlt die Miete, reich werden die Großen auf anderem Weg.

EinnahmequelleFunktionsweiseWer stark darauf setzt
YouTube-WerbungVergütung pro 1.000 Aufrufe, stark schwankendreine Let’s-Player
Twitch-Subs und Bitsbezahlte Abos und Spenden, Plattform behält 30 bis 50 %Live-Streamer
WerbedealsMarke zahlt für Integration, der größte Hebelfast alle Großen
Eigene MarkenGetränke, Pizza, ModeMontanaBlack, Trymacs
Lizenzen und MedienBücher, Filme, TVPaluten
Esports und Ligeneigene Teams und WettbewerbeEliasn97, HandOfBlood

Den größten Hebel bieten die Werbedeals. Marken buchen die bekannten Namen der Szene oft nicht direkt, sondern über Agenturen, die passende Creator auswählen, Honorare verhandeln und die Kampagne auswerten; wie sich die Anbieter unterscheiden, zeigt der Vergleich der Influencer-Agenturen.

Ganz oben hört ein Creator auf, Angestellter des Algorithmus zu sein, und wird Unternehmer. Genau dieser Schritt trennt die zwanzig Namen dieser Liste von den Zehntausenden, die täglich senden und nie davon leben können.

Womit Gaming-Influencer ihr Geld verdienen
Die wichtigsten Einnahmequellen der deutschsprachigen Szene
Plattform
YouTube-Werbung

Vergütung je 1.000 Aufrufe, stark schwankend nach Thema und Jahreszeit.

Live
Subs und Bits

Bezahlte Abos und Spenden, Twitch behält 30 bis 50 Prozent.

Hebel
Werbedeals

Marken zahlen für Integrationen, die größte Einnahmequelle der Spitze.

Unternehmen
Eigene Marken

Gönrgy von MontanaBlack, Happy Slice von Trymacs.

Fast alle Großen setzen auf Werbedeals, die Spitze baut zusätzlich eigene Marken auf.

Die Sache mit den Vermögenszahlen

Ein oranges Fragezeichen steht auf einem Sockel mit dem Wort
Exakte Vermögensangaben zu Influencern sind Hochrechnungen.

Eine Suche nach „Paluten Vermögen“ liefert sofort eine exakte Summe: drei Millionen, siebzigtausend im Monat. Die Angabe wirkt seriös, ist aber geraten. Private Vermögen werden in Deutschland nicht veröffentlicht, und kein Influencer legt seine Kontostände offen.

Die Zahlen entstehen, indem Schätzseiten sichtbare Größen wie Aufrufe mit angenommenen Werbepreisen multiplizieren. Steuern, Personal, Produktionskosten und Agenturanteile fehlen dabei komplett. Hinter vielen Seiten steckt zudem Eigeninteresse, weil Begriffe wie „Vermögen“ viele Klicks ziehen und Klicks Werbegeld bringen. Solche Artikel wollen nicht informieren, sondern vom Sog des Themas profitieren. Seriös ist nur die Größenordnung, und die ergibt sich aus belegbarer Reichweite, nicht aus dem Kontoauszug.

Traumberuf? Die Kehrseite

Weißer Gamecontroller balanciert auf orangefarbener Schnur, Anhänger mit „PLAN B“
Ohne Plan B bleibt der Traumberuf ein Drahtseilakt.

Drei Dinge erzählt kein Hochglanz-Porträt. Das Erste ist die Plattformabhängigkeit: Ein Kanal auf YouTube oder Twitch steht auf fremdem Grund, und eine geänderte Regel kann eine Existenz über Nacht entwerten.

Hinzu kommt die Produktionslast. BastiGHG streamt seit zehn Jahren täglich, Palutens „YouTube-Rente“ und der Rückzug von Tanzverbot sind keine Zufälle.

Bleibt der größte Denkfehler, der Survivorship Bias. Sichtbar sind nur die zwanzig Namen dieser Liste, unsichtbar bleiben die Zehntausenden, die nie eine vierstellige Zuschauerzahl erreichen. Wer den Traum ernst nimmt, behandelt ihn wie jede riskante Selbstständigkeit, mit einem Plan B.

Wer seinem Kind den Berufswunsch Gaming-Influencer ausreden will, hat schon verloren. Wer ihm beibringt, dass hinter Gönrgy und Happy Slice ein Unternehmen mit Steuern und Plattformrisiko steckt, hat etwas fürs Leben gewonnen.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Glossar

Weißes Buch mit orangem Titel
Die wichtigsten Begriffe der Gaming-Szene von Let’s Play bis Watchtime.

Let’s Play: Ein kommentiertes Durchspielen eines Videospiels, oft als fortlaufende Serie, gilt als Urform des deutschen Gaming-Contents.

Streamer: Ein Streamer sendet live, meist auf Twitch. Anders als beim YouTuber lebt das Format vom Moment der Übertragung.

Follower: Ein Follower ist eine kostenlose, dauerhafte Verbindung zu einem Kanal. Der Wert sammelt sich an und sagt wenig über die aktuelle Aktivität aus.

Sub (Subscription): Ein Sub ist ein bezahltes, monatlich kündbares Abonnement auf Twitch und damit die ehrlichere Kennzahl für ein laufendes Geschäft.

Bits: Mit dieser virtuellen Twitch-Währung unterstützen Zuschauer Streamer direkt.

CPM: Der Tausender-Kontaktpreis gibt an, wie viel Werbung pro 1.000 Aufrufe einbringt. Der Wert schwankt stark nach Thema und Jahreszeit.

AdSense: Über Googles Werbevergütung werden YouTube-Aufrufe zu Geld.

Affiliate: Beim Provisionsmodell verlinkt der Creator Produkte und erhält einen Anteil am Verkauf.

Brand Deal: Die bezahlte Markenkooperation ist mit Abstand der größte Einnahmehebel der Spitze.

IRL-Stream: Die Abkürzung steht für „In Real Life“, also einen Stream außerhalb von Spielen, etwa unterwegs oder im Alltag.

Variety-Streaming: Statt eines festen Spiels wechseln die Inhalte bunt, oft mit hohem Talk-Anteil.

Watchtime: Die Summe der real geschauten Stunden gilt als belastbarste Kennzahl für echte Aktivität.

Parasoziale Beziehung: So heißt das einseitige Nähegefühl von Zuschauern zu einem Creator, auf dem die Bindung beruht.

Survivorship Bias: Der Denkfehler besteht darin, nur die Erfolgreichen zu sehen und die vielen Gescheiterten zu übersehen.

Diversifizierung: Die Verteilung der Einnahmen auf mehrere Standbeine senkt das Plattformrisiko.

Häufige Fragen

Oranges Fragezeichen, Gamecontroller und FAQ-Schild auf weißem Hintergrund
Antworten auf häufige Fragen zu Gaming-Influencern.

Ab wann ist man Gaming-Influencer?

Sobald Games der regelmäßige Hauptinhalt sind und kein seltener Nebenschauplatz. Reichweite allein genügt nicht: Ein Promi mit einem Minecraft-Video im Jahr fällt nicht darunter, ein täglich sendender Minecraft-Streamer schon.

Wie viel verdient ein Gaming-Influencer wirklich?

Seriös lässt sich nur die Größenordnung schätzen. Die kursierenden exakten Summen sind Hochrechnungen ohne Einblick in Kosten und Steuern. Verlässlich ist nur, dass das große Geld aus Werbedeals und eigenen Marken kommt, nicht aus der Plattformvergütung.

Warum sagt die Followerzahl so wenig aus?

Die Followerzahl ist ein Archivwert, der sich über Jahre ansammelt und selten schrumpft. Aktivität zeigen Watchtime und gleichzeitige Zuschauer, bezahltes Engagement zeigen die Subs.

Wie kommen Gaming-Influencer an Werbedeals?

Kleinere Kanäle werden oft direkt von Marken angefragt. Die großen Namen arbeiten häufig mit Agenturen zusammen, die Kooperationen vermitteln und Honorare aushandeln. Den Preis bestimmen Reichweite, Watchtime und die Passung zwischen Community und Marke.

Ist Gaming-Influencer ein realistischer Berufswunsch?

Möglich, aber riskant. Auf jeden bekannten Namen kommen Zehntausende, die nichts verdienen. Ein ernsthafter Versuch braucht deshalb die Haltung einer Selbstständigkeit: einen Plan B, betriebswirtschaftliches Denken und den Blick auf die Plattformabhängigkeit.

Zählt MrBeast als Gaming-Influencer?

Nach reiner Reichweite stünde er an der Spitze, nach unserer Definition nicht. Sein Gaming-Kanal spielt in seinem Angebot kaum eine Rolle. MrBeast ist ein Reichweiten-Phänomen, das auch mal spielt, aber kein Gaming-Influencer.

Quellen

  • Comicschau: „Die größten Twitch-Streamer aus Deutschland 2025“ (Datenbasis SullyGnome), https://www.comicschau.de/news/groesste-twitch-streamer-deutschland-2025-rekorde-704068/
  • SocialCounts: Live-Abonnentenzahlen Paluten, https://socialcounts.org/youtube-live-subscriber-count/UCOzqhzAIw4JTJIMkDTfLnkg
  • Social Blade: YouTube-Statistik Gronkh, https://socialblade.com/youtube/handle/gronkh
  • TwitchTracker: Kanalstatistik Gronkh, https://twitchtracker.com/gronkh/statistics
  • StreamsCharts: Kanalstatistik MontanaBlack88, https://streamscharts.com/channels/montanablack88
  • CraftControl: Steckbrief Eliasn97, https://craftcontrol.de/influencer/steckbrief/eliasn97-vom-e-sportler-zum-1-deutschen-twitch-streamer/
  • Kolsquare: „Die Top 14 deutschen Streamer auf YouTube“, https://www.kolsquare.com/de/top-influencers/die-top-14-deutschen-streamer-auf-youtube
  • mein-mmo.de: Berichterstattung zu Tanzverbot, https://mein-mmo.de/en/tanzverbot-forgoes-the-big-money-on-twitch-withdraws-to-youtube-excites-fans,1568438/
  • en.wikipedia.org: MrBeast (500-Mio.-Meilenstein, Stand Juni 2026), https://en.wikipedia.org/wiki/MrBeast
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