Modehäuser schließen Filialen, Elektronikmärkte kämpfen um jeden Kunden und die Innenstädte veröden. Doch die großen deutschen Baumarktketten melden dagegen weiter steigende Umsätze. Hornbach, Obi und Bauhaus wachsen und gewinnen Marktanteile, ausgerechnet in einer Phase, in der die Konsumlaune der Deutschen am Boden liegt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Hornbach steigert Umsatz und Marktanteile in Deutschland und Europa, trotz schwacher Baukonjunktur
- Sanierungs- und Renovierungsbedarf im Wohnungsbestand bleibt konjunkturunabhängig hoch
- Omnichannel-Integration mit Click and Collect verschiebt Marktanteile von kleinen zu großen Ketten
- Konsumenten verlagern Ausgaben von großen Anschaffungen hin zu kleineren Heimprojekten
Warum trotzt der Baumarkt der Konsumflaute?

Der Mechanismus dahinter ist strukturell, nicht konjunkturell. Wohneigentum in Deutschland ist langlebig, Neubau bleibt teuer, und Eigentümer stecken ihr Geld deshalb in Instandhaltung statt in einen Neubau. Diese Sanierungsnachfrage entkoppelt sich weitgehend vom allgemeinen Konjunkturzyklus. Wer sein Bad nicht mehr aufschieben kann, kauft die Fliesen auch in der Rezession.
Hinzu kommt ein zweiter Effekt: Bei wirtschaftlicher Unsicherheit verschieben Haushalte ihr Budget von großen Anschaffungen wie Möbeln oder Reisen hin zu kleineren, projektbezogenen Ausgaben fürs eigene Zuhause. Von dieser Verschiebung profitieren Baumärkte mit ihrem breiten Sortiment aus Garten, Deko und Renovierungsbedarf überproportional.
Während Mode- und Elektronikhändler Filialen schließen, wachsen Hornbach, Obi und Bauhaus weiter. Die Gründe sind strukturell – nicht konjunkturell.
Sanierungszwang statt Neubau
Neubau bleibt teuer, Wohneigentum ist langlebig. Eigentümer stecken ihr Geld in Instandhaltung statt in einen Neubau – unabhängig vom Konjunkturzyklus. Wer sein Bad erneuern muss, tut das auch in der Rezession.
Budget-Verschiebung im Haushalt
Bei Unsicherheit verschieben Haushalte ihr Geld von großen Anschaffungen wie Möbeln oder Reisen hin zu kleinen Heimprojekten. Davon profitiert das breite Baumarkt-Sortiment überproportional.
Die Marktkonsolidierung ist der dritte Erfolgsfaktor: Digital integrierte Ketten gewinnen Marktanteile von kleineren, rein stationären Wettbewerbern – unabhängig vom Branchenwachstum.
„Baumärkte beweisen gerade, dass Krisenresistenz keine Frage der Branche ist, sondern der Frage, ob das Geschäftsmodell Grundbedarf oder Luxus bedient.“
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web-
Machen Sie Sortiments- und Bestandsdaten filialübergreifend digital verfügbar, statt sie in Insellösungen zu belassen?
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Investieren Sie in echte Omnichannel-Infrastruktur mit Click and Collect, statt nur einen Webshop zu betreiben?
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Bedient Ihr Geschäftsmodell strukturell krisenresistente Nachfrage, oder hängt es an diskretionären Konsumausgaben?
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Haben Sie Preisangabenverordnung und DSGVO-konforme Datenverzahnung zwischen Online- und Filialkonten sauber gelöst?
Der dritte und für Handelsentscheider entscheidende Faktor ist die Marktkonsolidierung. Ketten wie Hornbach haben ihre Omnichannel-Infrastruktur konsequent ausgebaut: Der Filialbestand ist online sichtbar, Click and Collect funktioniert reibungslos, Same-Day-Verfügbarkeit wird zum Standard. Das nimmt kleineren, rein stationären Baumarkt-Wettbewerbern Marktanteile ab, selbst wenn der Gesamtmarkt stagniert oder schrumpft.
Dieses Muster ist keine Ausnahme, sondern branchentypisch. Mode, Elektronik und Möbelhäuser leiden unter der Konsumflaute, Baumarktketten zeigen seit Jahren eine Sonderkonjunktur. Vergleichbare Widerstandskraft zeigen Lebensmittel-Discounter und Drogeriemärkte, die ebenfalls über Sortimentsbreite und Omnichannel-Fähigkeit dem allgemeinen Handelstrend entgegenwirken. Größere, digital integrierte Ketten gewinnen überall auf Kosten kleinerer, rein stationärer Anbieter. Wie stark diese digitale Reife regional variiert, zeigt der Bitkom-Länderindex 2026 deutlich.
Lässt sich das Modell auf andere Branchen übertragen?
Für Entscheider in Möbel-, Elektronik- oder Gartenhandel stellt sich die zentrale Frage: Lässt sich das Baumarkt-Erfolgsmodell aus breitem Sortiment, hoher Omnichannel-Reife und Filialnetz als Abholpunkt übertragen? Regulatorisch müssen dabei die Preisangabenverordnung im Omnichannel-Handel und die DSGVO-konforme Verzahnung von Online- und Filialdaten bei Kundenkonten sauber gelöst werden, sobald Bestandsdaten filialübergreifend verfügbar gemacht werden. Wer seine Standorte digital vernetzt steuern will, findet in unserem Beitrag zur standortübergreifenden Überwachung von Werken passende Ansätze.
Konkret bedeutet das für Handelsentscheider: Sortiments- und Bestandsdaten filialübergreifend digital verfügbar machen, in echte Omnichannel-Infrastruktur investieren statt nur in einen Webshop, und die eigene Marktposition ehrlich prüfen. Bedient das Geschäftsmodell strukturell krisenresistente Nachfrage, oder hängt es an diskretionären Konsumausgaben? Wer wie im Mittelstand ohnehin schon mit Fachkräftemangel kämpft, sollte diese Transformation zudem nicht allein auf Technik reduzieren. Auch personelle Ressourcen entscheiden, wie schnell sich ungenutztes Fachkräftepotenzial heben lässt.
Der Baumarkt-Boom zeigt vor allem eines: Digitalisierung im stationären Handel ist kein Kostenfaktor mehr, sondern der Unterschied zwischen Wachstum und Verdrängung. Wie stark KI und Automatisierung diesen Umbau derzeit tatsächlich befeuern, zeigt die Bitkom-KI-Studie 2026 mit ihrer nüchternen Einordnung. Und wer als Selbstständiger im Handel unterwegs ist, findet in unserem Beitrag zum Selbstständigen-Gehalt weitere wirtschaftliche Einordnung.
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