Bosch bringt vorausschauende Wartung dorthin, wo bisher kein Flottensystem lief: in den Fuhrpark des Handwerkers, des Pflegedienstes, des Paketzustellers. Der neue Vehicle Care Assistant meldet der Werkstatt den Wartungsbedarf, bevor ein Fahrzeug liegen bleibt.

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Vernetztes Flottenmanagement galt lange als Sache großer Logistiker mit dreistelligen Fuhrparks. Bosch verschiebt diese Grenze nach unten und richtet den Dienst an Betriebe mit drei bis 100 Fahrzeugen, also an den klassischen Mittelstand.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bosch startet mit dem Vehicle Care Assistant ein vernetztes Flottenmanagement für Betriebe mit drei bis 100 Fahrzeugen.
  • Kilometerstand, Reifendruck, Serviceintervalle und Warnmeldungen laufen per OBD-Dongle oder eingebauter Konnektivität an die Bosch-Car-Service-Werkstatt.
  • Verfügbar seit Juni 2026 in sieben europäischen Ländern, weitere sollen folgen.
  • Ab 12. September 2026 verschärft der EU Data Act die Pflicht, Fahrzeugdaten für unabhängige Dienstleister zugänglich zu machen.

Vorausschau statt Panne: Was der Vehicle Care Assistant kann

Modell-Lieferwagen mit Stethoskop und Werkstatt-Notiz auf weißem Hintergrund
Vehicle Care Assistant verbindet Fahrzeuge kleiner Unternehmen digital mit ihrer Bosch-Car-Service-Werkstatt

Kleine Betriebe sind täglich auf ihre Fahrzeuge angewiesen, leisten sich aber kein professionelles Flottensystem. Genau diese Lücke schließt der Vehicle Care Assistant[1], eine Software, die Fahrzeuge kleiner und mittlerer Unternehmen mit ihrer festen Bosch-Car-Service-Werkstatt verbindet.

„Viele kleinere Unternehmen sind täglich auf ihre Fahrzeuge angewiesen, verfügen aber nicht über die Ressourcen für professionelle Flottenmanagement-Systeme“, sagt Elena Orti, Projektleiterin bei Bosch. Aus Kilometerstand, Reifendruck, Serviceintervallen und Warnmeldungen erkennt die Werkstatt den Wartungsbedarf früh und plant Termine, bevor ein Ausfall die Tour sprengt.

Für die Werkstatt entsteht daraus planbarer Umsatz statt hektischer Notreparatur. Vergleichbare Ansätze kennt der Markt längst aus dem Pkw-Segment, etwa aus dem Feld der digitalen Kfz-Services, doch die Kleinflotte blieb bisher ausgespart.

Wie die Daten ohne Umweg über den Autobauer zur Werkstatt kommen

Die Fahrzeugdaten erreichen die Werkstatt über die eingebaute Konnektivität des Fahrzeugs oder über einen aufgesteckten OBD-Dongle. Dieser kleine Stecker im Diagnose-Port ist der eigentliche Kniff, denn er liest die Daten direkt aus dem Fahrzeug aus, unabhängig vom Backend des Herstellers.

Genau dort verläuft seit Jahren eine Machtfrage. Autohersteller sammeln Telematikdaten traditionell in ihrer eigenen Cloud und entscheiden selbst, wer sie nutzen darf. Bosch umgeht diesen Flaschenhals als unabhängiger Zulieferer und stellt die Daten der freien Werkstatt bereit.

Fahrzeugdaten werden so zur Plattform, ein Muster, das sich quer durch die Branche zieht. Mercedes verwandelt seine Flotte in ein Sensornetz für die Straße, und CLAAS zieht Landmaschinen in die Datenplattform CLAAS connect. Der Vehicle Care Assistant überträgt dieses Prinzip auf den Werkstattwagen.

Vernetzte Wartung war zehn Jahre lang ein Versprechen für Großflotten. Bosch macht daraus ein Werkzeug für den Elektriker mit vier Transportern, und der eigentliche Wert steckt nicht im Sensor, sondern in der Frage, wer die Daten am Ende auslesen darf.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Bosch Vehicle Care Assistant in Zahlen
Vorausschauende Wartung für kleine und mittlere Fuhrparks
3-100
Fahrzeuge pro Betrieb
Zielgruppe: Handwerk, Liefer- und Pflegedienste ohne eigenes Flottensystem
7
Länder seit Juni 2026
Deutschland, Frankreich, Dänemark, Finnland, Niederlande, Spanien, UK
4
Fahrzeugdaten live
Kilometerstand, Reifendruck, Serviceintervalle und Warnmeldungen
12.09.2026
EU Data Act greift
Design-Pflicht: Hersteller müssen Fahrzeugdaten zugänglich machen

Was der EU Data Act für Ihre Fahrzeugdaten bedeutet

Genau diese Frage beantwortet der EU Data Act neu. Seit dem 12. September 2025 ist die Verordnung in Kraft, ab dem 12. September 2026 greifen die Design-Pflichten: Vernetzte Produkte müssen so gebaut sein, dass Nutzer und beauftragte Dritte an die erzeugten Daten kommen.

Für Fahrzeuge heißt das konkret: Hersteller müssen Roh- und aufbereitete Daten zugänglich machen, für den Halter kostenlos, für Dienstleister wie Werkstätten oder Versicherer zu fairen Konditionen. Den Zugriff freigeben muss allerdings der Fahrzeughalter selbst, und für Standort- oder Fahrverhaltensdaten gilt zusätzlich die DSGVO.

Drei Punkte gehören deshalb auf die Agenda jedes Fuhrparkverantwortlichen: klären, welche Daten das eigene Fahrzeug überhaupt sendet; die Einwilligung sauber dokumentieren; und einen Anbieter wählen, der nicht in einen Hersteller-Lock-in führt. Wie schnell Regulierung inzwischen ins Cockpit greift, zeigt auch die neue Fahrerkamera-Pflicht für EU-Neuwagen.

Verfügbar ist der Vehicle Care Assistant seit Juni 2026 in Deutschland, Frankreich, Dänemark, Finnland, den Niederlanden, Spanien und dem Vereinigten Königreich, weitere Märkte sollen folgen. Betriebe mit kleinem Fuhrpark prüfen am besten jetzt, welche ihrer Fahrzeuge die Datenfreigabe technisch schon beherrschen und wer sie auslesen darf.

Quelle

[1] Bosch Media Service: „Bosch Vehicle Care Assistant: Digital and plannable maintenance management for small and medium-sized company fleets“

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