CLAAS zieht seine Berliner Software-Tochter 365FarmNet in die eigene Plattform CLAAS connect ein und führt damit rund 100.000 Nutzerkonten in einem System zusammen. Für Landwirte und Lohnunternehmer verschiebt sich die Frage vom besten Mähdrescher zur Kontrolle über die Ackerdaten.

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Die Datenplattform CLAAS connect wächst 2026 zum zentralen Betriebssystem des Landmaschinenbauers heran. Zum November verschwindet die Marke 365FarmNet, deren Berliner Team die Funktionen künftig unter dem Dach von CLAAS connect global ausrollt. Aus einem Hersteller von Erntetechnik wird damit Schritt für Schritt ein Anbieter von Farm-Software.

Das Wichtigste in Kürze

  • 365FarmNet geht bis November 2026 vollständig in CLAAS connect auf, die eigene Marke entfällt.
  • Rund 100.000 registrierte Nutzer wechseln auf die in über 50 Ländern verfügbare Plattform.
  • Neue Funktionen teilen Maschinendaten herstellerübergreifend und dokumentieren Feldarbeiten automatisch.
  • Seit dem 12. September 2025 gibt der EU Data Act Landwirten ein Recht auf ihre Maschinendaten.

Warum verschwindet 365FarmNet?

Grüner Schlüssel mit Anhänger
CLAAS bündelt Aussaat, Düngung und Flottenmanagement in einer Software, um Kunden langfristig zu binden

Hinter der Integration steckt ein Geschäftsmodell-Wechsel. CLAAS verkauft nicht mehr nur Mähdrescher und Feldhäcksler, sondern bindet Kunden über eine Software, die Aussaat, Düngung und Flotte an einem Ort bündelt. Je mehr Betriebe ihre Daten dort pflegen, desto schwerer fällt der Wechsel zu einem anderen Anbieter.

Die Berliner Entwickler von 365FarmNet haben über Jahre eine herstellerneutrale Farm-Management-Software aufgebaut. Diese Kompetenz hebt CLAAS jetzt auf die eigene Plattform und skaliert sie in über 50 Länder[1]. Ab Herbst 2026 entfallen zudem die jährlichen Lizenzkosten für Machine connect. Die Basis wird kostenlos, das Geld verdient die Plattform an Daten und Zusatzdiensten. Dasselbe Muster verfolgt im Handel Schwarz Digits mit einer eigenen Cloud.

Was bringt die neue Plattform Landwirten?

Der praktische Nutzen liegt im gemischten Fuhrpark. Mit der Funktion Machine Sharing tauschen Betriebe und Lohnunternehmer ihre Maschinendaten künftig automatisch aus und sehen die gesamte Flotte in Echtzeit.

Bis Ende 2026 erfasst CLAAS connect auch Fremdfabrikate. GPS-Ortung per Smartphone und Bluetooth-iBeacons visualisieren Maschinen unabhängig von Marke und Baujahr. Eine Partnerschaft mit dem Telematik-Spezialisten Exatrek bindet Telemetriedaten weiterer Hersteller an.

Die Dokumentation läuft danach weitgehend von selbst. Das System erkennt Arbeiten wie Säen, Düngen oder Pflanzenschutz und erzeugt daraus Berichte samt Buchungsvorschlägen. Betriebe, die bisher Stunden mit Nachträgen verbracht haben, sparen handfeste Bürozeit.

CLAAS connect: Aus vielen Konten wird eine Plattform
Die wichtigsten Zahlen hinter der Integration von 365FarmNet und dem neuen Datenrecht der Landwirte.
100.000
registrierte Nutzer
von 365FarmNet, vor allem in Deutschland, Frankreich, Polen und der Schweiz.
50+
Länder
in denen CLAAS connect als Plattform bereits verfügbar ist.
0 €
Lizenzverlängerung
Ab Herbst 2026 entfallen die jährlichen Kosten für Machine connect.

Der Fahrplan bis November 2026

12. September 2025
Der EU Data Act gilt. Landwirte erhalten ein Recht auf die Daten ihrer vernetzten Maschinen.
Herbst 2026
Die jährlichen Lizenzkosten für Machine connect entfallen, für bestehende und neue Maschinen.
November 2026
365FarmNet geht vollständig in CLAAS connect auf, die eigene Marke entfällt.

Nicht der beste Mähdrescher entscheidet über die Kundenbindung, sondern die Plattform, auf der die Erntedaten liegen. Genau deshalb ist der EU Data Act für Landwirte mehr wert als jeder Rabatt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Wem gehören die Daten auf dem Acker?

Die Machtfrage klärt seit Kurzem die EU. Seit dem 12. September 2025 gilt der Data Act, der Nutzern vernetzter Produkte den Zugriff auf ihre Maschinendaten sichert[2]. Landwirte dürfen Verbrauch, Fahrspuren oder Erntemengen einsehen und an Dritte weitergeben.

Für Plattformbetreiber bedeutet das Offenheit unter Zwang. Aus diesem Grund betont CLAAS die herstellerübergreifenden Funktionen und die Partnerschaft mit Exatrek. Ein lange abgeschottetes System wie das John Deere Operations Center wäre unter der neuen Verordnung angreifbar. Wie schwer die Abhängigkeit von einem Anbieter wiegt, zeigt auch Microsofts Abkehr von OpenAI in den eigenen Apps.

Für Betriebe lohnt der prüfende Blick auf die Verträge. Klären Sie vor der Migration, welche Daten sich exportieren lassen und wer sonst Zugriff erhält. Die Musterklauseln des Bundeslandwirtschaftsministeriums geben dafür eine belastbare Vorlage.

Quellen

[1] CLAAS: „CLAAS skaliert Farm Management Made in Berlin global und integriert 365FarmNet in die CLAAS Organisation“

[2] Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: „Neue EU-Datenverordnung: Praktische Hilfestellung für Hersteller und Nutzer smarter Landmaschinen“

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