Zalando schließt sein ältestes Logistikzentrum in Erfurt und streicht rund 2.100 Stellen. Hinter dem Aus steht kein Nachfrageeinbruch, sondern die Bündelung des Netzwerks nach der Übernahme von About You. Der Fall zeigt, wie teuer ein Standortabbau im deutschen Mitbestimmungsrecht ausfällt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Logistikzentrum Erfurt beschäftigt rund 2.700 Menschen und gehört zu den größten Arbeitgebern Thüringens. Ende September 2026 macht Zalando den Standort dicht. Am 9. Juli hat eine Einigungsstelle den Sozialplan festgezurrt, nachdem sich Vorstand und Betriebsrat monatelang nicht einigen konnten.
Das Wichtigste in Kürze
- Zalando schließt zum Ende September 2026 sein 2012 eröffnetes Logistikzentrum in Erfurt, den ältesten Knoten im eigenen Netzwerk.
- Rund 2.100 verbliebene Beschäftigte verlieren die Stelle; das Volumen übernehmen die Zentren Mönchengladbach, Lahr und ein Neubau in Gießen.
- Auslöser ist die Zusammenlegung des kombinierten Netzes von Zalando und About You, nicht ein schwächelndes Geschäft.
- Der per Einigungsstelle verhängte Sozialplan summiert sich laut Branchenberichten auf rund 80 Mio. Euro; eine Transfergesellschaft hat der Konzern abgelehnt.
Warum trifft es ausgerechnet Erfurt?

Nach dem Umbau betreibt Zalando 14 Fulfillment-Zentren in sieben Ländern[1]. Erfurt ist der älteste und am wenigsten automatisierte Standort; Zalando hat das Zentrum 2012 als erstes großes Werk eröffnet.
Mit der Übernahme von About You im Juli 2025 hat der Konzern ein zweites, teils extern betriebenes Logistiknetz geerbt. Doppelte Kapazitäten treiben die Fixkosten in die Höhe, ohne den Kunden schneller zu beliefern. Statt den Altbau nachzurüsten, verlagert Zalando das Volumen auf modernere Häuser und einen Neubau in Gießen.
Parallel sinkt der Bedarf an eigener Fläche, weil immer mehr Ware über Partner des Marktplatzes direkt verschickt wird. Wie stark dieses Modell den Handel verschiebt, zeigt der Fall Galaxus, der Zalando in der Schweiz überholt hat.
Was bedeutet die Schließung für die Beschäftigten?
Rund 2.100 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Eine Einigungsstelle hat am 9. Juli 2026 einen Sozialplan von etwa 80 Mio. Euro festgesetzt, nachdem die Verhandlungen über einen Interessenausgleich gescheitert waren.
Zur Ankündigung im Januar umfasste der Standort rund 2.700 Stellen; bis zum Sozialplan sind davon etwa 2.100 übrig geblieben, 1.800 unbefristet und 300 befristet. Eine Transfergesellschaft, die den Übergang in neue Jobs organisiert hätte, hat der Vorstand abgelehnt.
Verdi-Sekretär Matthias Adorf nennt die Schließung einen „schweren Schlag“ für die Region Erfurt und wirft dem Management vor, die Pläne bis nach dem Weihnachtsgeschäft zurückgehalten zu haben.
Der Sozialplan über 80 Millionen Euro ist der Preis, den die deutsche Mitbestimmung einer Schließung abverlangt. Diesen Posten muss jeder einpreisen, der eine Übernahme durchrechnet.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Welche Lehren zieht die Handelsbranche daraus?
Standortschließungen nach Zukäufen folgen in Deutschland einem festen Ablauf aus dem Betriebsverfassungsgesetz. Den Interessenausgleich kann niemand erzwingen, den Sozialplan aber per Einigungsstelle verhängen, was die Kosten früh kalkulierbar macht.
Paragraf 111 des Betriebsverfassungsgesetzes stuft eine Werksschließung dieser Größe als Betriebsänderung ein und verlangt beide Instrumente. Über die Höhe des Sozialplans entscheidet notfalls die Einigungsstelle, den Interessenausgleich kann sie nur versuchen. Genau diese Asymmetrie erklärt, warum Zalando zwar zahlt, aber ohne Transfergesellschaft davonkommt.
Der Fall reiht sich in eine größere Konsolidierung ein. Nach jedem Zukauf wiederholt sich das Muster aus überlappenden Netzen und teurem Rückbau, ob bei der Bündelung von Paketmengen, von der DHL derzeit profitiert, oder bei Übernahmen wie JD.com und MediaMarkt.
Für Entscheider heißt das konkret: Bei jeder Übernahme mit doppelten Standorten gehören Sozialplan und Abfindungen in die erste Modellrechnung, nicht in die Fußnote. Die eigentliche Integrationsarbeit beginnt erst nach dem Closing, sobald zwei gewachsene Netze zu einem werden.
Quelle
[1] Zalando SE: „Zalando reshapes logistics network, creating more value for customers and partners“ ↩
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