Uber will Delivery Hero für rund zehn Milliarden Euro übernehmen und legt dafür die eigene Europa-Expansion still. Fünf von sieben geplanten Uber-Eats-Starts liegen auf Eis. Für Händler und Gastronomen im DACH-Raum verschiebt sich das Kräfteverhältnis der Plattformen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDelivery Hero steht vor der größten Zäsur seiner Geschichte. Der US-Konzern Uber kontrolliert Anfang Juli 2026 bereits rund 37 Prozent am Berliner Lieferdienst und friert zeitgleich seine eigene Expansion in Europa ein. Statt neuer Märkte zählt nur noch der Kauf.
Das Wichtigste in Kürze
- Uber bietet 33 Euro je Aktie und bewertet Delivery Hero mit rund zehn Milliarden Euro (Stand Mai 2026).
- Der Uber-Anteil am Berliner Konzern liegt Anfang Juli bei etwa 37 Prozent.
- Fünf von sieben für 2026 geplanten Uber-Eats-Märkten in Europa liegen vorerst auf Eis.
- Mitgründer und Chef Niklas Östberg gibt seinen Posten bis spätestens 31. März 2027 ab.
Warum bremst Uber die eigene Expansion?

Uber spart sich Investitionen in Märkte, die es über die Übernahme ohnehin bald besitzt. Neue Uber-Eats-Starts in Österreich, Norwegen oder Griechenland träfen dort direkt auf die Marken des Kaufobjekts und würden die Kartellprüfung zusätzlich erschweren.
Gegenüber der Financial Times hat Uber den Rückzug mit dem großen Erfolg der jüngsten Starts in Finnland und Dänemark begründet. Der eigentliche Grund liegt tiefer: Eigene Strukturen dort aufzubauen, wo Delivery Hero mit foodpanda längst präsent ist, hieße Kapital im Wettbewerb gegen den eigenen künftigen Besitz zu verbrennen.
Ursprünglich sollte Uber Eats 2026 in sieben europäische Länder expandieren und über drei Jahre rund 870 Millionen Euro zusätzliche Buchungen bringen. Delivery Hero hat das Gebot von 33 Euro je Aktie offiziell bestätigt[1]. Fünf dieser Starts sind nun gestrichen.
Uber kauft sich nicht in einen Markt ein, sondern aus dem Wettbewerb heraus. Für europäische Gastronomen schrumpft damit die Zahl der Plattformen, mit denen sie über Provisionen überhaupt noch verhandeln können.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Die Konsolidierung folgt einem Muster
Der Fall ist kein Ausreißer, sondern der nächste Schritt einer Konsolidierungswelle. DoorDash hat 2025 den finnischen Anbieter Wolt übernommen, Just Eat Takeaway und Grubhub sind verschmolzen, die Wachstumsjagd der Lieferdienste weicht dem Zwang zur Profitabilität. Auch im übrigen Handel ballt sich Marktmacht bei wenigen Plattformen, wie der Kontrast von Costco und Amazon oder der Preisdruck durch Temu und Shein zeigt.
Aus dem Kauf erwartet Uber Synergien von rund 1,4 Milliarden Euro und den Ausbau zur westlichen Super-App, die Fahrten, Essen und Abos unter einem Login bündelt. Größe senkt Kosten und erhöht zugleich die Abhängigkeit aller, die auf die Plattform angewiesen sind.
Was bedeutet das für den DACH-Raum?
Ein US-Konzern übernimmt einen Berliner Tech-Pionier und bündelt Bestelldaten, Preissetzung und Reichweite im Liefermarkt. Für Restaurants und Onlinehändler wächst die Abhängigkeit von wenigen Plattformen, für die Kartellbehörden der Prüfaufwand.
Delivery Hero, einst im DAX notiert, ist eines der wenigen deutschen Plattform-Schwergewichte mit globaler Reichweite. Eine Übernahme durch Uber dürften Bundeskartellamt und EU-Kommission genau prüfen, zumal Brüssel zuletzt hart gegen marktbeherrschende Digitalkonzerne vorgegangen ist, etwa mit der Rekordstrafe von 4,1 Milliarden Euro gegen Google.
Die praktische Lehre für Händler und Gastronomen: Je stärker wenige Plattformen den Zugang zum Kunden kontrollieren, desto wichtiger wird ein eigener Bestellkanal. Ein rechtssicherer eigener Shop senkt Provisionslast und Abhängigkeit, wie unser Überblick über die teuren Fallstricke beim Onlineshop zeigt. Dieselbe Machtfrage steckt hinter der Debatte, ob KI-Commerce die Onlineshops entmachtet.
Quelle
[1] Delivery Hero SE: „Delivery Hero welcomes further investment from Uber“ ↩