Deutsche Post und DHL wollen Pakete über 23 Kilogramm gesetzlich verbieten lassen. Für Onlinehändler mit schwerer Ware wäre das ein Einschnitt in die Versandkalkulation. Der Vorstoß trifft ausgerechnet die Sortimente, die vom Onlineboom am stärksten profitiert haben.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin gesetzliches Paketlimit von 23 Kilogramm steht wieder auf der Agenda: Die Deutsche Post hat die Forderung mit dem Start einer bundesweiten Gesundheitsinitiative für ihre Zustellteams verknüpft. Was nach reinem Arbeitsschutz klingt, verändert im Kern die Ökonomie des schweren Versands.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Deutsche Post fordert ein gesetzliches Höchstgewicht von 23 Kilogramm pro Paket, heute sind 31,5 Kilogramm erlaubt.
- Parallel läuft das Ergonomieprogramm Ergo² nach zweijährigem Pilot an rund 150 Standorten an.
- Onlinehändlern mit Möbeln, Werkzeug oder Geräten drohen Paketsplitting und höhere Versandkosten.
- Ein fester 23-Kilogramm-Wert bräche mit dem bisherigen Prinzip der Gefährdungsbeurteilung.
Warum verknüpft die Post Gesundheitsschutz mit einem Gewichtslimit?

Zwei Baustellen verbindet die Post zu einer Botschaft. Nach einer zweijährigen Pilotphase rollt die Deutsche Post ihr Trainings- und Präventionsprogramm Ergo² bundesweit an rund 150 Standorten aus, mit Physiotherapeuten und Sportwissenschaftlern, die die Zustellteams direkt am Arbeitsplatz in ergonomischen Bewegungsabläufen und Sturzprävention schulen.[1]
Parallel drängt der Konzern auf ein gesetzliches Höchstgewicht von 23 Kilogramm pro Paket. Heute liegt die Obergrenze für Standardpakete bei 31,5 Kilogramm. Das steigende Paketvolumen mache aus jedem Hebevorgang ein dauerhaftes Gesundheitsrisiko, so die Argumentation des Konzerns, der zuletzt seine Jahresprognose angehoben hat.
Was bedeutet das Limit für Onlinehändler?
Ein 23-Kilogramm-Limit verlagert jede schwerere Sendung von der Paketzustellung in die teurere Spedition oder erzwingt die Aufteilung in mehrere Pakete. Betroffen sind vor allem Shops für Möbel, Werkzeug, Sportgeräte, Baustoffe und größere Haushaltsgeräte.
Aus einer Sendung werden zwei, mit doppeltem Verpackungsmaterial, zusätzlichen Etiketten und mehr Aufwand in Kommissionierung und Lager. Händler, die heute an der 31,5-Kilogramm-Grenze kalkulieren, müssen Sortiment, Verpackung und Preise neu ordnen.
Gerade der hybride Möbelhandel und die großen E-Commerce-Plattformen leben von genau diesen sperrigen Warengruppen.
Was die Deutsche Post fordert und woran der Wert hängt.
Warum 23 Kilogramm? Die international genutzte NIOSH-Hebeformel setzt genau 23 Kilogramm als sichere Lastkonstante an, das Gewicht, das unter idealen Bedingungen für 90 Prozent der Männer und 75 Prozent der Frauen als hebbar gilt.
Ein festes Kilolimit ist kein reines Logistikthema, sondern eine stille Preisreform für den halben Onlinehandel. Händler mit schwerer Ware sollten ihre Versanddaten jetzt durchrechnen, nicht erst, wenn das Gesetz steht.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Warum ausgerechnet 23 Kilogramm?
Der Wert ist kein Zufall: Die international etablierte NIOSH-Hebeformel setzt 23 Kilogramm als Lastkonstante an, also das Gewicht, das unter idealen Bedingungen für 90 Prozent der Männer und 75 Prozent der Frauen sicher hebbar ist.[2]
Bisher kennt das deutsche Arbeitsschutzrecht keine feste Kilogrenze. Die Lastenhandhabungsverordnung schreibt Gefährdungsbeurteilungen vor, keine starren Werte. Ein gesetzliches Verbot wäre deshalb ein Systemwechsel, kein bloßer Zahlendreh.
Neu ist die Forderung nicht. Seit Anfang 2025 verlangt Paragraf 73 des Postgesetzes die Kennzeichnung schwerer Pakete und eine Zwei-Personen-Zustellung oberhalb von 20 Kilogramm.[3] Ein Entwurf für eine feste 23-Kilogramm-Grenze ist im Januar 2025 im Wirtschaftsausschuss des Bundestags gescheitert.
Zeit zur Vorbereitung bleibt, solange kein Gesetz gilt. Onlinehändler sollten den Anteil ihrer Sendungen über 23 Kilogramm ermitteln, den Speditionsversand als Alternative kalkulieren und ihre Produktverpackungen auf Teilbarkeit prüfen. Wie stark der Arbeitsschutz Betriebe schon heute bindet, zeigt der Überblick zum Arbeitsschutzgesetz.
FAQ: 23 statt 31,5 Kilogramm: DHL drängt auf ein gesetzliches Paketlimit
Wie schwer darf ein Paket bei DHL aktuell maximal sein?
Standardpakete dürfen in Deutschland bis zu 31,5 Kilogramm wiegen. Erst darüber greift der Sperrgut- oder Speditionsversand. Die von der Deutschen Post geforderte 23-Kilogramm-Grenze ist bislang keine gesetzliche Vorgabe, sondern ein politischer Vorschlag.
Gilt die 23-Kilogramm-Grenze für Pakete schon?
Nein, die 23-Kilogramm-Grenze ist eine Forderung der Deutschen Post und kein geltendes Recht. Ein entsprechender Gesetzentwurf ist Anfang 2025 im Bundestag gescheitert. Ob und wann eine feste Grenze kommt, ist offen.
Müssen schwere Pakete von zwei Personen zugestellt werden?
Seit Januar 2025 schreibt das Postgesetz für Pakete über 20 Kilogramm eine Zwei-Personen-Zustellung vor, sofern kein geeignetes technisches Hilfsmittel bereitsteht. Zusätzlich gilt eine Kennzeichnungspflicht für Pakete mit erhöhtem Gewicht.
Was ist das Ergo²-Programm der Deutschen Post?
Ergo² ist ein Trainings- und Präventionsprogramm für Zustellteams. Physiotherapeuten und Sportwissenschaftler schulen ergonomische Bewegungsabläufe und Sturzprävention direkt am Arbeitsplatz. Nach zwei Jahren Pilotbetrieb läuft es an rund 150 Standorten.
Quellen
[1] DHL Group: „Deutsche Post startet umfangreiche Gesundheitsinitiative für Zustell-Teams“ ↩
[2] CCOHS: „NIOSH Lifting Equation: Calculating the Recommended Weight Limit“ ↩
[3] Bundesamt für Justiz: „§ 73 Postgesetz: Vorgaben für Pakete mit erhöhtem Gewicht“ ↩
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