Broadcom hat das VMware-Partnerprogramm für europäische Cloud-Anbieter gekündigt und die Lizenzkosten drastisch erhöht. Jetzt fordern fünf europäische Verbände die EU-Kommission auf, per Eilverfahren einzugreifen. Für deutsche Unternehmen steht dabei mehr auf dem Spiel als ein paar Prozentpunkte.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Streit um die VMware-Lizenzen von Broadcom erreicht Brüssel. Mitte Juli haben sich fünf europäische Cloud- und IT-Anwenderverbände zusammengetan und ein wettbewerbsrechtliches Eilverfahren gefordert. Auslöser ist ein Kostenanstieg, den die Kläger auf über 1.000 Prozent beziffern.
Das Wichtigste in Kürze
- Fünf Verbände, darunter das deutsche VOICE, drängen die EU-Kommission zu einem Eilverfahren gegen Broadcom.
- Kern des Streits sind die Kündigung des VMware-Partnerprogramms und Preissteigerungen von kumuliert über 1.000 Prozent.
- Ein Eilverfahren soll die Kündigung sofort aussetzen, noch bevor das eigentliche Kartellverfahren entschieden ist.
- Deutsche VMware-Kunden sollten ihre Lizenzkosten und Ausstiegsoptionen jetzt prüfen.
Warum kündigt Broadcom das VMware-Partnerprogramm?

Nach der Übernahme von VMware für rund 61 Milliarden US-Dollar (etwa 53 Milliarden Euro, umgerechnet zum Kurs von 0,87 am 15. Juli 2026) hat Broadcom das Geschäftsmodell auf Abonnements und Direktvertrieb umgebaut. Im Januar 2026 hat der Konzern das VMware Cloud Service Provider Program in Europa aufgekündigt[1] und damit fast alle europäischen Anbieter vom Weiterverkauf ausgeschlossen.
Hinzu kommen Zwangsbündelungen, Vorauszahlungen und Mindestabnahmen, die sich am möglichen statt am tatsächlichen Verbrauch bemessen. Das Weiterverkaufsmodell mit weißem Etikett hat Broadcom bereits 2025 gestrichen. In Summe beziffert der Cloud-Verband CISPE die Mehrkosten auf über 1.000 Prozent.
Der eigentliche Mechanismus liegt darin, den Vertriebskanal auszuschalten und die Marge der bestehenden Kundenbasis direkt abzuschöpfen. Betreiber, die VMware im Rechenzentrum einsetzen, kommen kurzfristig kaum heraus und zahlen deshalb fast jeden Preis.
CISPE-Generalsekretär Francisco Mingorance wählt scharfe Worte: Brüssel habe Broadcom einen Blankoscheck ausgestellt, um die Preise zu erhöhen, Kunden einzusperren und sie auszupressen.
Was ein Eilverfahren bewirken soll
Einstweilige Maßnahmen erlauben es der EU-Kommission, ein Verhalten sofort zu stoppen, wenn Dringlichkeit und die Gefahr eines schweren, nicht wiedergutzumachenden Schadens bestehen. Genau darum geht es hier: Ein reguläres Kartellverfahren zieht sich über Jahre, in denen viele europäische Anbieter längst vom Markt verschwunden wären.
Das Instrument ist gegen Broadcom nicht neu. Bereits 2019 hat die Kommission einstweilige Maßnahmen gegen den Konzern im Markt für TV- und Modem-Chipsätze verhängt, zum ersten Mal seit rund 18 Jahren[2]. Die fünf Verbände, neben CISPE die Anwendervereinigungen VOICE aus Deutschland, Beltug aus Belgien, Cigref aus Frankreich und CIO Platform Nederland, verlangen, die Kündigung auszusetzen und ausgeschlossene Anbieter wieder zuzulassen.
Broadcom widerspricht deutlich und verweist darauf, dass CISPE von den großen Hyperscalern mitfinanziert werde; Amazon und Microsoft sind assoziierte Mitglieder. Die Kommission hat den Eingang bestätigt und prüft den Fall nach den üblichen Verfahren.
Der eigentliche Hebel ist nicht das Kartellrecht, sondern die Zeit: Ein reguläres Verfahren dauert Jahre, in denen die europäischen Anbieter längst weg vom Markt wären. Genau deshalb entscheidet das Eilverfahren darüber, ob Brüssel den Wettbewerb noch schützt oder nur noch dokumentiert.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was deutsche Unternehmen jetzt prüfen sollten
Der Fall ist keine ferne Brüsseler Personalie, sondern betrifft unzählige deutsche Rechenzentren, in denen VMware die Grundlage der Virtualisierung bildet. Das Muster ist bekannt: Die EU hat zuletzt auch SAP zur Öffnung seines Wartungsmarkts gezwungen, und der Abschied von VMware läuft längst. Bei Tesco sind 40.000 Server-Workloads umgezogen, Nutanix zählt 30.000 Wechsler.
Entscheider sollten die eigene Lizenzabhängigkeit samt Vertragslaufzeiten offenlegen und die Kosten eines Umzugs zu Alternativen wie Proxmox, OpenStack oder Nutanix durchrechnen, schon als Verhandlungshebel. Ob die Kommission das Eilverfahren gewährt, gibt zugleich den Ton für die gesamte Debatte um digitale Souveränität in Europa vor. Von jeder Eskalation profitieren souveräne Anbieter wie Schwarz Digits.
Quellen
[1] CISPE: „CISPE Files Competition Complaint Against Broadcom, Urges Immediate EU Action“ ↩
[2] Europäische Kommission: „Antitrust: Commission imposes interim measures on Broadcom in TV and modem chipset markets“ ↩
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