Frankreichs Wettbewerbsbehörde nähert sich dem Ende ihrer Untersuchung gegen Nvidia. Im Zentrum steht die Software CUDA, die den Chipkonzern zum Torwächter des gesamten KI-Marktes macht. Für europäische Entscheider steht hier auf dem Spiel, wie abhängig ihre KI-Infrastruktur künftig bleibt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Kartellverfahren gegen Nvidia in Frankreich steht kurz vor dem Abschluss, wie Generalberichterstatter Umberto Berkani vor Journalisten bestätigt hat. Damit erreicht der erste große europäische Regulierungstest für den Marktführer bei KI-Chips eine entscheidende Phase. Ob daraus eine Strafe wird, hängt an einer einzigen Software-Schicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Frankreichs Autorité de la concurrence hat ihre seit 2023 laufende Untersuchung gegen Nvidia nach eigenen Angaben fast abgeschlossen.
- Kern des Vorwurfs ist die Abhängigkeit der KI-Branche von Nvidias proprietärer Software CUDA sowie Beteiligungen an Cloud-Anbietern.
- Nvidia hält über 70 Prozent des Marktes für KI-Beschleuniger; bei einem Machtmissbrauch drohen bis zu 10 Prozent des Weltumsatzes als Strafe.
- Parallele Verfahren laufen in den USA, der EU und China.
Worum geht es im Verfahren?

Die Autorité de la concurrence untersucht Nvidia seit einer Razzia in den französischen Büros im Jahr 2023, zunächst im Rahmen einer Branchenprüfung zum Cloud-Computing. Aus dieser Prüfung wurde ein eigenes Kartell-Dossier allein zum Chiphersteller.
Das Ende der Untersuchung bedeutet noch keine Strafe. Die Ermittler entscheiden zunächst, ob sie eine förmliche Beschwerdemitteilung verschicken. Erst danach darf Nvidia antworten, bevor das Kollegium der Behörde ein Urteil fällt.
Warum ist CUDA das eigentliche Problem?
Nvidias Marktmacht ruht nicht allein auf schneller Hardware, sondern auf CUDA. Diese proprietäre Software-Plattform ist bis heute das einzige Werkzeug, das voll mit den GPUs harmoniert, die für das Training großer KI-Modelle gebraucht werden.[1]
Über fast zwanzig Jahre haben Entwickler ihre Bibliotheken und Optimierungen auf CUDA aufgebaut. Ein Wechsel zu Alternativen wie AMDs ROCm bedeutet, diesen Code neu zu schreiben und neu zu testen. Genau diese Wechselkosten sichern Nvidias Vorsprung, unabhängig vom nächsten Chip.
Die Behörde stört sich zusätzlich an Nvidias Beteiligungen an Cloud-Anbietern wie CoreWeave. Solche Investitionen können den Markt weiter verengen, wenn der Chiplieferant zugleich Miteigentümer seiner größten Abnehmer wird.
Nicht die Chips machen Nvidia unangreifbar, sondern die Software darüber. Ein Kartellurteil, das CUDA öffnet, träfe den Konzern härter als jede Milliardenstrafe.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für europäische Entscheider?
Frankreich ist mit dem Verfahren der erste große europäische Prüfstein für Nvidia. Parallel ermitteln die US-Behörden DOJ und FTC, die EU-Kommission und Chinas Wettbewerbsaufsicht. Aus einer nationalen Untersuchung wird so ein globaler Zangenangriff.
Für den deutschsprachigen Raum liegt die Brisanz in der Abhängigkeit. Deutsche Cloud-Ambitionen und die KI-Pläne von SAP laufen fast vollständig auf Nvidia-Hardware, während Europa zugleich um eigene Fertigungskapazitäten ringt.
Entscheider sollten jetzt ihr Klumpenrisiko beim GPU-Einkauf bewerten, Alternativen wie AMD-Beschleuniger oder Cloud-TPUs testen und Verträge auf Ausstiegsklauseln prüfen. Fällt in Paris eine Beschwerdemitteilung, entsteht ein Präzedenzfall für die ganze EU, und niemand sollte darauf warten.
Quelle
[1] Autorité de la concurrence: „Generative artificial intelligence: the Autorité issues its opinion on the competitive functioning of the sector“ ↩
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