Der Speicherhersteller Micron hebt seine US-Investitionen auf 217,5 Milliarden Euro an und reagiert auf den Speicherhunger der KI-Rechenzentren. Für europäische Anbieter zählt vor allem, was fehlt: eine eigene Speicherfertigung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMicron pumpt bis 2035 rund 217,5 Milliarden Euro in seine US-Werke[1], umgerechnet aus 250 Milliarden Dollar zum Kurs vom 9. Juli 2026. Angekündigt hat der Konzern die Aufstockung zeitgleich mit dem ersten Betonguss am Neubau in New York. Nicht der Rechenchip, der Speicher ist zum Engpass der KI geworden.
Das Wichtigste in Kürze
- 217,5 Milliarden Euro fließen bis 2035 in Fabriken und Forschung in den USA, gut 43,5 Milliarden Euro mehr als im alten Plan.
- Treiber ist HBM, ein gestapelter Speicher, dessen Kapazität für 2026 bereits ausverkauft ist.
- Die DRAM-Preise sind allein im ersten Quartal 2026 um rund 90 Prozent gestiegen.
- Europa fertigt praktisch keinen Speicher und hängt komplett an drei außereuropäischen Konzernen.
Warum steckt Micron 217 Milliarden Euro in Speicherchips?

Micron erhöht seine US-Investition von rund 174 auf 217,5 Milliarden Euro bis 2035, weil die KI-Rechenzentren mehr Speicher verlangen, als die Branche liefern kann. Das Geld fließt in bis zu vier Fabriken in New York, zwei in Idaho und den Ausbau in Virginia.
Den Löwenanteil trägt der Neubau bei Clay im Bundesstaat New York, mit bis zu vier Fabriken die größte Privatinvestition in der Geschichte des Bundesstaats. Der erste Betonguss ist ein Quartal früher als geplant erfolgt. Landesweit sollen rund 90.000 Stellen entstehen.
Der Flaschenhals sitzt beim Speicher. Große KI-Modelle wachsen jährlich etwa um das Zehnfache, und ihre Bandbreite bremst das Training stärker als die reine Rechenleistung der GPU. Selbst Hyperscaler wie Meta lassen deshalb eigene KI-Chips fertigen, doch ohne schnellen Arbeitsspeicher läuft keiner davon.
Was treibt die Speicherpreise so stark?
Samsung, SK Hynix und Micron lenken fast ihre gesamte Fertigung in die margenstarke KI-Variante HBM. Für gewöhnlichen Arbeitsspeicher bleibt zu wenig Kapazität, weshalb die DRAM-Preise allein im ersten Quartal 2026 um rund 90 Prozent geklettert sind.
HBM, kurz für High Bandwidth Memory, stapelt Speicherchips in die Höhe und erreicht Datenraten, die klassischer DRAM nicht schafft. Die Marge liegt drei- bis fünffach höher, entsprechend verschieben die Hersteller ihre Linien. Vom Boom profitieren auch die Ausrüster, deren Auftragsbücher sich füllen.
Für Käufer von PCs, Smartphones und Autos verteuert diese Knappheit jede Speicherzeile. Wie heikel die Marktmacht der drei Konzerne ist, zeigt eine Sammelklage in den USA, die den Herstellern Preisabsprachen vorwirft.
Europas Anteil an der weltweiten Speicherfertigung liegt nahe null. Der Kontinent bezieht DRAM und HBM praktisch vollständig aus Asien und den USA.
Lange starrten Rechenzentrums-Planer auf die GPU. Den Engpass liefert 2026 der Arbeitsspeicher, und den kontrollieren drei Konzerne außerhalb Europas.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Europa?
Europa fertigt praktisch keinen Speicher und hängt bei DRAM und HBM vollständig an den drei Konzernen. Der EU Chips Act zielt auf Logikchips, etwa das Dresdner TSMC-Werk, und lässt die Speicherlücke offen.
Wertmäßig stammen weniger als zehn Prozent der Chips weltweit aus der EU, bei Speicher liegt der Anteil nahe null. Erste europäische Ansätze wie die Substrat-Fertigung von Fraunhofer und PVA TePla bleiben Nischen. Das Chips-Act-Ziel von 20 Prozent bis 2030 dürfte nach aktuellen Prognosen eher bei knapp zwölf Prozent landen.
Für Entscheider im DACH-Raum heißt das konkret: Speicher früh und langfristig einkaufen und die Budgets auf steigende RAM- und Serverpreise einstellen. Bei KI-Projekten gehören die Hardware-Lieferzeiten von Anfang an in die Planung. Auf europäische Alternativen zu warten, hilft kurzfristig nicht, denn Microns 217,5 Milliarden Euro fließen nach Amerika, kein Cent nach Europa.
Quelle
[1] Micron: „U.S. Expansion“ ↩
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