Tesco zieht 40.000 Server-Workloads von VMware ab und verklagt Broadcom auf über 100 Millionen Pfund. Der Vorwurf lautet missbräuchliche Lizenzpolitik. Was den britischen Händler treibt, betrifft auch den deutschen Mittelstand.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer VMware-Ausstieg von Tesco ist das bislang lauteste Signal gegen Broadcoms Lizenzmodell. Kommt Ihnen das aus der eigenen IT-Budgetplanung bekannt vor? Die Preissprünge nach der Übernahme treffen viele Häuser.
Das Wichtigste in Kürze
- Tesco migriert rund 40.000 Server-Workloads weg von VMware, abgeschlossen frühestens Ende 2027.
- Parallel klagt der Konzern vor dem High Court in London auf über 100 Millionen Pfund.
- Broadcom hat Dauerlizenzen entwertet und Kunden in teure Abo-Bündel gezwungen.
- Tesco beziffert die Aufschläge auf rund 175 Prozent, beim Mainframe-Support sogar 350 Prozent.
Was wirft Tesco Broadcom vor?

Seit der VMware-Übernahme hat Broadcom Dauerlizenzen abgeschafft, das Portfolio auf wenige Pflicht-Bündel reduziert und Mindestabnahmen eingeführt. Ohne Abo gibt es keine vollständigen Sicherheitsupdates mehr. Tesco nennt das Vorgehen missbräuchlich und die Preise grob unangemessen.
Vom Kauf zum Zwangs-Abo. Broadcom übernahm VMware 2023 für rund 53 Milliarden Euro und schnürte das Angebot von 168 Optionen auf vier Bündel zusammen. Ein Minimum von 72 Rechenkernen pro Abo trifft auch kleine Umgebungen, und der Support für bereits bezahlte Dauerlizenzen fällt weg.
Aus Tescos Klageschrift heißt es, Broadcom biete seine Software „auf einer missbräuchlichen, friss oder stirb, langfristigen und gebündelten Grundlage“ an. Die Preiserhöhungen seien „grob unfair und überzogen“.
Warum das den deutschen Mittelstand betrifft

Viele deutsche Mittelständler und Behörden fahren VMware und spüren dieselben Aufschläge, oft 300 bis 600 Prozent. Die EU-Branchenvereinigung CISPE hat im März 2026 Beschwerde bei der Kommission eingereicht. Damit wird aus einem Kostenthema eine Frage der digitalen Souveränität.
Echte Alternativen. Der Markt weicht aus, vor allem auf Proxmox VE mit rund 1,5 Millionen Hosts, dazu Nutanix AHV, Microsoft Hyper-V und Red Hat OpenShift. Ein österreichisches Beispiel zeigt das Gefälle: eine VMware-Mindestlizenz für rund 10.548 Euro im Jahr gegen Proxmox für 1.770 Euro.
Jetzt handeln. Erfassen Sie Lizenzbestand und Vertragsende und starten Sie die Evaluierung 18 Monate vorher. Rechnen Sie die Kosten über fünf Jahre samt Migration, testen Sie früh die Kompatibilität von Backup und Wiederherstellung und prüfen Sie zwei Kandidaten im Pilotbetrieb. Wer die passende Infrastruktur sucht, findet im WordPress-Hosting-Vergleich erste Anhaltspunkte.
Broadcom hat aus einem stabilen Infrastruktur-Standard über Nacht ein Klumpenrisiko gemacht. Der Mittelstand sollte den nächsten Lizenz-Renewal nicht abwarten, sondern jetzt Alternativen testen und die wahren Fünf-Jahres-Kosten rechnen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Tesco macht vor, was vielen bevorsteht. Die Lehre für deutsche IT-Verantwortliche lautet, Abhängigkeiten aktiv zu prüfen, statt auf die nächste Preisrunde zu warten.