Der Baumarktkonzern Hornbach bietet seine Produkte ab sofort auf dem Schweizer Marktplatz Galaxus an, obwohl er längst einen eigenen Onlineshop betreibt. Für Entscheider im Handel ist der Schritt mehr als eine Randnotiz aus der Schweiz. Der Vorgang zeigt, wie sich die Kräfteverhältnisse im Onlinehandel gerade verschieben.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund 200 Sanitärprodukte hat Hornbach seit Anfang Juli 2026 auf den Marktplatz von Galaxus gestellt, vom Wasserhahn bis zum Duschsystem. Der Baumarktriese liefert die Ware, die Kundschaft aber gehört dem Schweizer Onlinewarenhaus. Genau dieser Tausch, Reichweite gegen Nähe zum Kunden, wird für immer mehr Händler zur strategischen Grundsatzfrage.
Das Wichtigste in Kürze
- Hornbach startet mit rund 200 Eigenmarken-Sanitärprodukten auf dem Galaxus-Marktplatz.
- Bei Galaxus haben sich die Verkäufe von Bau- und Gartenprodukten in fünf Jahren fast vervierfacht, die von Sanitärware sogar versechsfacht.
- Galaxus, Tochter der Migros, hat 2025 mit rund 2,3 Milliarden Franken Zalando als beliebtesten Onlineshop der Schweiz überholt.
- Für deutsche Händler stellt sich dieselbe Frage: eigener Shop, fremder Marktplatz oder beides?
Warum verkauft Hornbach beim Konkurrenten?

Ein eigener Onlineshop bringt volle Marge und volle Datenhoheit, aber nur die eigene Reichweite. Ein Marktplatz dreht das Verhältnis um: fremde Laufkundschaft im Tausch gegen Provision, und der Kunde bleibt eine Armlänge entfernt.
Hornbach nimmt diesen Tausch bewusst an. „Mit Galaxus erreichen wir Menschen, die vielleicht noch nie in einem Hornbach-Markt waren“, sagt Alban Bislimi, E-Commerce Manager bei Hornbach.[1]
Für Galaxus schließt der Zugang eine Sortimentslücke, ohne eigenes Lager und Kapital zu binden. Dieser Mechanismus verstärkt sich selbst: mehr Anbieter, mehr Auswahl, mehr Besucher, wieder mehr Anbieter. Genau daran ist die Migros-Tochter in fünf Jahren zur Nummer eins gewachsen.
Was die Zahlen über den Schweizer Handel verraten
Der Schritt trifft einen Nerv. Bei Galaxus haben sich die Verkäufe von Bau- und Gartenprodukten binnen fünf Jahren fast vervierfacht, Sanitärware hat sogar um das Sechsfache zugelegt.
„Unsere Farbauswahl ist noch beschränkt, Hornbach könnte unser Angebot deutlich bunter machen“, sagt Darius Affolter, der bei Galaxus die Händler-Partnerschaften verantwortet. Über tausend Händler in der Schweiz und Deutschland speisen den Marktplatz bereits.
Das Muster ist nicht neu. 2025 hat Galaxus mit rund 2,3 Milliarden Franken (etwa 2,4 Milliarden Euro) Zalando als beliebtesten Onlineshop der Schweiz überholt, wie unsere Analyse zu Galaxus und dem Marktplatz-Modell zeigt.
Eigener Shop und Marktplatz sind längst keine Gegner mehr. Entscheidend ist, beide Kanäle zu bespielen, ohne sich von einer einzigen Plattform abhängig zu machen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was deutsche Händler daraus mitnehmen
Für den deutschen Mittelstand ist die Lehre handfest. Online-Wachstum ist ohne Marktplätze kaum zu haben: Allein Amazon steht für rund 17 Prozent des deutschen E-Commerce-Umsatzes, dahinter reihen sich Otto und Ebay als Plattformen ein.
Zwei Hebel entscheiden über den Nutzen: die Provision im Verhältnis zur eigenen Marge und die Frage, wem die Kundendaten gehören. Dazu kommt das Klumpenrisiko, sobald eine einzige Plattform den Löwenanteil des Umsatzes trägt.
Kleinere Shops fahren deshalb oft zweigleisig: Sichtbarkeit über den Marktplatz, Stammkundschaft über den eigenen Kanal. Wie sich eine Nischen-Strategie gegen Amazon aufbauen lässt und was die größten E-Commerce-Player Deutschlands anders machen, zeigt der Blick auf die Branche.
Hornbachs Auftritt bei Galaxus ist deshalb kein Schweizer Sonderfall, sondern eine Blaupause. Prüfen Sie, welche Ihrer Produkte auf einem Marktplatz neue Käuferschichten erreichen, und halten Sie zugleich einen eigenen Kanal, der Ihnen die Kundenbeziehung sichert.
Quelle
[1] Galaxus: „Hornbach neuer Marktplatzhändler bei Galaxus“ ↩
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