Rund 300 Millionen Euro im Jahr hat Siemens Energy dafür gezahlt, den Namen der früheren Mutter zu tragen. Damit ist bald Schluss: Der Konzern tritt künftig als Omterra auf. Der Markenwechsel ist keine Marketinglaune, sondern das Ende einer Rechnung, die mit jedem Erfolgsjahr teurer geworden ist.

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Omterra heißt der Konzern, der seit der Abspaltung von Siemens 2020 als Siemens Energy firmiert. Angekündigt hat er die Marke am 14. Juli 2026, zusammen mit Siemens Gamesa unter demselben Dach[1]. Die eigentliche Nachricht steckt nicht im Kunstwort, sondern in der Zahl, die in der Mitteilung fehlt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Siemens Energy und Siemens Gamesa treten künftig gemeinsam als Omterra auf.
  • Die Namenslizenz kostet 1,2 Prozent vom Umsatz, zuletzt rund 300 Millionen Euro im Jahr.
  • Der Umbau startet 2026 und dauert etwa 18 Monate.
  • Für Entscheider zählt weniger das Logo als die digitale Auffindbarkeit der neuen Marke.

Warum kostet ein Firmenname 300 Millionen Euro im Jahr?

Edelstahlplatte mit Gravur, Maulschlüssel und Post-it mit Kündigungsnotiz
Siemens Energy zahlt 1,2 Prozent Umsatzgebühr für die Markennutzung, zuletzt etwa 300 Millionen Euro. Die Lizenz läuft zehn Jahre

Die Gebühr hängt am Umsatz: 1,2 Prozent zahlt der Konzern für die Markenlizenz, zuletzt rund 300 Millionen Euro. Je besser das Geschäft läuft, desto teurer wird der geliehene Name.

Bei der Abspaltung hat sich Siemens Energy den Namen der Mutter für zehn Jahre gesichert, gegen eine umsatzabhängige Gebühr. Das Handelsblatt beziffert sie auf 1,2 Prozent der Erlöse, gerechnet ohne Siemens Gamesa und Dresser-Rand[2].

Diese Konstruktion hat eine unbequeme Logik. Im Geschäftsjahr 2025 hat der Konzern 39,1 Milliarden Euro umgesetzt und 1,685 Milliarden Euro Nettogewinn ausgewiesen[3]. Die Namensmiete verschlingt damit rund ein Sechstel des Gewinns, und sie wächst mit jedem guten Jahr.

Was hat der Boom mit dem Namenswechsel zu tun?

Der Ausstieg kommt aus der Stärke heraus: Ein Konzern mit Rekordauftragsbestand trägt die Kosten eines Markenwechsels leichter als einer in der Krise. Auslaufen würde die Lizenz zum Ende des Jahrzehnts ohnehin.

Vorstandschef Christian Bruch begründet den Schritt mit der eigenen Verfassung: „Heute ist unser Unternehmen strategisch, operativ und finanziell gut positioniert. Wir haben das Vertrauen unserer Kunden und Kapitalmarktteilnehmer gewonnen.“[1] Mit Omterra verschwindet auch die Windkraftmarke Siemens Gamesa, deren Turbinen in den Offshore-Parks stehen, um deren Ausbau EnBW gerade mit der Bundesregierung ringt.

Damit steht der Konzern nicht allein. Continental hat seine Autoelektronik im September 2025 als Aumovio an die Börse gebracht, ebenfalls ein Kunstwort, und sich die Lizenzfrage von Tag eins gespart[4]. Der Mutterkonzern hat danach ContiTech für vier Milliarden Euro verkauft. Jede Abspaltung steht vor derselben Wahl: geliehene Reputation gegen laufende Gebühr, oder ein eigener Name, den zunächst niemand kennt.

Ein Konzernname ist keine Deko, sondern eine Bilanzposition. Siemens Energy hat zehn Jahre lang Vertrauen gemietet und kauft sich jetzt frei, solange die Kasse voll ist.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was der Name Siemens gekostet hat
Aus Siemens Energy wird Omterra: die Zahlen hinter dem Markenwechsel
300 Mio. €
Markenlizenz an Siemens im Geschäftsjahr 2024/25
1,2 %
des Umsatzes als Gebühr, ohne Siemens Gamesa und Dresser-Rand
39,1 Mrd. €
Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2025, Nettogewinn 1,685 Mrd. €
18 Monate
geplante Übergangsphase bis zur fertigen Marke Omterra

Vom Ableger zur eigenen Marke

1
2020: Abspaltung
Siemens Energy geht an die Börse und mietet den Namen der Mutter auf Zeit.
2
14. Juli 2026: Omterra
Siemens Energy und Siemens Gamesa treten künftig unter einer gemeinsamen Marke auf.
3
Ende des Jahrzehnts
Die Markenlizenz wäre ohnehin ausgelaufen, eine Verlängerung ist nicht vorgesehen.
Die Gebühr hängt am Umsatz. Ein Rekordjahr macht deshalb auch den geliehenen Namen teurer, und genau diese Rechnung beendet der Konzern jetzt.

Was kostet ein Markenwechsel digital?

Teuer wird nicht das Logo, sondern die Auffindbarkeit: Domains, Weiterleitungen, Markenrechte in über 90 Ländern und Suchsysteme, die den Namen Omterra noch gar nicht kennen.

Eine Marke, die seit 2020 im Netz Spuren hinterlassen hat, zieht nicht einfach um. Verweise, Fachartikel und Datenbankeinträge zeigen weiter auf die alte Domain, und jede fehlende Weiterleitung kostet Sichtbarkeit. Genau darin liegt die Kernaufgabe strategischer Markenführung.

Neu ist die KI-Ebene. Sprachmodelle haben Omterra nicht in ihren Trainingsdaten, sie kennen nur Siemens Energy. Bis Antwortmaschinen die neue Entität sicher zuordnen, vergehen Monate, und genau diese Lücke schließt Generative Engine Optimization.

Für Entscheider, die selbst umfirmieren, folgen daraus vier Pflichtaufgaben:

  • Alte URLs dauerhaft per 301-Weiterleitung auf die neuen Ziele führen, nicht nur die Startseite.
  • Die Entität überall gleich schreiben: Impressum, Handelsregister, Wikidata, Branchenverzeichnisse.
  • Den alten Namen als Brücke mitführen, etwa in der Form „Omterra, früher Siemens Energy“.
  • Die Sichtbarkeit in KI-Antworten getrennt von den klassischen Rankings messen.

Der Konzern verschafft sich Luft in der Bilanz, während sein Markt an Rohstoffen wie Kupfer und am Netzausbau hängt, bei dem RWE die Rechenzentren beteiligen will. Prüfen Sie bei der eigenen Marke, was ein Namenswechsel an Weiterleitungen und Einträgen nach sich zieht, bevor das neue Logo steht.

Quellen

[1] Siemens Energy: „Siemens Energy begins preparations for the launch of an independent brand“ (14.07.2026)

[2] Handelsblatt: Bericht zur Höhe der Markenlizenz (1,2 Prozent des Umsatzes, rund 300 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2024/25), 14.07.2026

[3] Siemens Energy: Geschäftsbericht 2025

[4] Continental: Spin-off Automotive (Aumovio)

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