Katrin Lehmann verlässt Mercedes-Benz zum 1. September 2026, nach gut zwei Jahren als Group-CIO. Der Abgang kommt wenige Monate, nachdem der Konzern die IT im Vorstand einem anderen Ressort zugeordnet hat. Für IT-Entscheider steckt die eigentliche Nachricht deshalb nicht in der Personalie, sondern im Organigramm.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund 90.000 Beschäftigte hat die scheidende Mercedes-CIO Katrin Lehmann in den vergangenen zwei Jahren mit Microsoft Copilot ausgestattet. Zum 1. September gibt sie den Posten auf eigenen Wunsch ab. Eine Nachfolge steht noch nicht fest, der Konzern sondiert intern wie extern.
Das Wichtigste in Kürze
- Group-CIO Katrin Lehmann verlässt Mercedes-Benz zum 1. September 2026 auf eigenen Wunsch.
- Den Posten hat sie erst im April 2024 von Jan Brecht übernommen, davor hat sie bei SAP gearbeitet.
- Im Frühjahr 2026 ist die Konzern-IT aus dem Ressort des Vorstandsvorsitzenden Ola Källenius herausgelöst und mit dem Personalbereich zum Ressort „People & Enterprise Tech“ verschmolzen worden.
- Damit berichtet die IT nicht mehr an den Konzernchef, sondern an Vorständin Britta Seeger.
Warum geht die IT-Chefin nach nur zwei Jahren?

Lehmann geht auf eigenen Wunsch, Gründe nennt Mercedes-Benz nicht. Auffällig bleibt die zeitliche Nähe zum Vorstandsumbau: Seit dem Frühjahr berichtet die Konzern-IT nicht mehr an den Vorstandsvorsitzenden, sondern an das Personalressort.
Den Posten hat Lehmann im April 2024 von Jan Brecht übernommen, der den Konzern nach sieben Jahren verlassen hatte. Ihre Amtszeit bleibt damit auffällig kurz. Zuvor hat sie bei SAP gearbeitet und ist 2023 als Bereichsleiterin für die Vertriebs- und Marketing-IT zu Mercedes gewechselt.
In ihre Zeit fallen das Stabilitätsprogramm „Rock-Solid Operations“, der konzernweite Copilot-Rollout und der Aufbau einer gemeinsamen Organisation für KI, Daten und Cybersicherheit. Mercedes beschreibt sie als hoch angesehene Managerin, die die IT zum Treiber der Transformation gemacht habe.
Was verrät die neue Berichtslinie über die Konzern-IT?
Die IT sitzt seit dem Frühjahr 2026 gemeinsam mit dem Personalbereich im Vorstandsressort „People & Enterprise Tech“ von Britta Seeger[1]. Der direkte Draht zum Vorstandsvorsitzenden ist damit gekappt.
Für die Bündelung spricht einiges. KI-Werkzeuge am Arbeitsplatz sind nach § 87 Betriebsverfassungsgesetz mitbestimmungspflichtig, Personal und IT müssen bei einem Rollout auf 90.000 Beschäftigte ohnehin eng zusammenarbeiten. Källenius gewinnt zugleich Freiraum im Tagesgeschäft.
Der Preis dieser Bündelung zeigt sich beim Budget. IT-Ausgaben konkurrieren jetzt im selben Ressort mit Personalkosten, und ausgerechnet dieses Ressort steht unter Sparzwang: Mercedes verlagert seinen Fünf-Milliarden-Sparkurs auf die Belegschaft. Wird die IT als Kostenstelle neben der Lohnbuchhaltung geführt, müssen ihre Verantwortlichen jede Investition anders begründen, als wenn sie neben der Produktentwicklung sitzen.
Der Weg der Konzern-IT durch das Organigramm
Die Berichtslinie eines CIO ist kein Organigramm-Detail, sondern die Antwort auf die Frage, ob IT im Konzern Produkt oder Verwaltung ist. Mercedes hat diese Frage beantwortet, und die CIO hat die Konsequenz gezogen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was Mittelständler daraus mitnehmen
Zwei CIO-Abgänge in gut zwei Jahren sind kein Sonderfall von Mercedes. Die deutsche Autoindustrie ringt seit Jahren damit, Software als Kernkompetenz zu verankern statt als Zulieferung einzukaufen. Bei BMW schlägt dasselbe Muster inzwischen auf die Verkaufszahlen durch: Das eigentliche Problem in China heißt nicht Preis, sondern Software.
An wen berichtet Ihr IT-Leiter? Sitzt die IT unter der Geschäftsführung, gilt sie als Wertschöpfung. Hängt sie unter Verwaltung, Finanzen oder Personal, gilt sie als Kostenblock. Diese Zuordnung entscheidet über das Tempo, lange bevor es um einzelne Werkzeuge geht. Genau daran scheitern viele Projekte: 76 Prozent der Mittelständler nutzen KI, nur 26 Prozent haben sie integriert.
Zwei Dinge lohnen sich jetzt:
- Prüfen Sie, ob Ihre IT-Roadmap und Ihre Personalplanung im selben Gremium entschieden werden. Falls ja, klären Sie, wessen Budget im Zweifel gewinnt.
- Halten Sie strategische Plattformentscheidungen aus der Effizienzlogik heraus. Wie ein souveräner Anbieterwechsel aussieht, zeigt der Fall Kärcher, das Microsoft gekippt hat.
Bevor Sie das nächste KI-Werkzeug ausrollen, klären Sie die Berichtslinie. Ein Überblick über die verfügbaren Sprachmodelle hilft bei der Werkzeugwahl, die Machtfrage im Organigramm beantwortet er nicht.
Quelle
[1] Mercedes-Benz Group: „Britta Seeger, Vorstandsmitglied People & Enterprise Tech“ ↩
Mehr Newshunger?
- Präsenzpflicht statt Homeoffice: Wie Mercedes seinen Fünf-Milliarden-Sparkurs auf die Belegschaft verlagert
- Minus 30 Prozent in China: BMWs eigentliches Problem heißt nicht Preis, sondern Software
- Kärcher kippt Microsoft: Was deutsche Mittelständler vom Wechsel lernen können
- Erst die Lacke, dann die Agrarsparte: Wie BASF seinen Konzern neu ordnet
- KI im Mittelstand: 76 Prozent nutzen sie, 26 Prozent haben sie integriert
- Wie Schwarz Digits AWS und Azure angreift