Eine aktuelle Studie zeichnet ein klares Bild: Der deutsche Mittelstand nutzt Künstliche Intelligenz längst produktiv, scheitert aber an der Integration in die eigenen Kernprozesse. Genau in dieser Lücke entscheidet sich, ob aus dem Pilotprojekt echter Geschäftswert wird.

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KI im Mittelstand ist keine Zukunftsfrage mehr, sondern Alltag: Gut drei von vier Unternehmen setzen die Technik bereits produktiv ein. Nur ein Viertel hat sie fest in die Kernprozesse eingebaut, der große Rest bleibt in Insellösungen hängen. Damit verpufft ein Teil des Nutzens, bevor er im Geschäftsergebnis ankommt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 76 Prozent der befragten Unternehmen setzen KI produktiv ein, aber nur 26 Prozent haben sie vollständig in ihre Kernprozesse integriert.
  • Die größten Bremsen sind IT-Sicherheit (38 Prozent), Kosten (28 Prozent) und fehlendes Know-how (25 Prozent).
  • 16 Prozent berichten von unkontrollierter Schatten-KI außerhalb der IT-Governance.
  • Anbieter wie Cancom positionieren souveräne KI „Made in Germany“ als Antwort auf Datenschutz- und Compliance-Bedenken.

Warum bleibt die KI im Pilotstadium stecken?

Kleine Roboterfigur auf kaputter Brücke, Schild
76 % der Mittelunternehmen nutzen KI produktiv, aber nur 26 % haben sie in Kernprozesse integriert. Fast die Hälfte betreibt KI isoliert in Silos

Eine Untersuchung des Analystenhauses techconsult im Auftrag von Cancom und ServiceNow bringt die Integrationslücke auf Zahlen[1]: 76 Prozent der Unternehmen mit 500 bis 2.000 Beschäftigten nutzen KI produktiv, doch nur 26 Prozent haben sie voll in ihre Kernprozesse eingebaut. Fast die Hälfte betreibt die Technik in isolierten Silos.

Der eigentliche Engpass ist selten das Modell, sondern die unscheinbare Grundlagenarbeit dahinter: Datenanbindung, Rechteverwaltung, Protokollierung und Freigaben. Sobald eine KI in einen Kernprozess eingreift, berührt sie sensible Daten und löst Aktionen aus. Genau deshalb steht die IT-Sicherheit mit 38 Prozent ganz oben auf der Sorgenliste.

Ein Teil der Anwendungen läuft zudem an der IT vorbei: 16 Prozent berichten von unkontrollierter Schatten-KI. Das Muster erinnert an die Schatten-IT der Cloud-Jahre, als Fachabteilungen eigene Dienste buchten, lange bevor die Governance nachzog.

Was blockiert die Skalierung konkret?

Neben der Sicherheit nennen die Befragten Kosten (28 Prozent), fehlendes Know-how (25 Prozent), Datensouveränität (23 Prozent) und regulatorische Unsicherheit (22 Prozent). Auffällig: 28 Prozent verlangen von ihren IT-Dienstleistern ausdrücklich nachweisbare Compliance-Fähigkeit. Wie stark die laufenden Token-Kosten ins Gewicht fallen, treibt gerade viele Rechenexempel um.

Die nächste Stufe steht schon bereit. 21 Prozent setzen agentische KI ein oder testen sie, weitere 36 Prozent planen den Start binnen zwölf Monaten. Solche Agenten handeln selbstständig, und damit verschiebt sich die Sicherheitsfrage von der reinen Datenausgabe zur eigenständigen Ausführung. Wie schnell aus Assistenz eigenes Handeln wird, zeigen Konzerne, die bereits eigene KI-Werkzeuge an die Stelle von Standardsoftware setzen.

KI ist im Mittelstand angekommen. Über den Nutzen entscheidet aber nicht der Zugang zum Modell, sondern die Frage, ob ein Unternehmen die Technik sicher in seine Kernprozesse einbindet.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
KI im Mittelstand: genutzt, aber nicht integriert

Befragung von Unternehmen mit 500 bis 2.000 Beschäftigten in Deutschland, 2026

76 %
nutzen KI bereits produktiv
26 %
haben KI voll in Kernprozesse integriert
49 %
betreiben KI in isolierten Silos
16 %
berichten von unkontrollierter Schatten-KI

Was die Skalierung am stärksten bremst

IT-Sicherheit und Risiko38 %
Kosten und Budget28 %
Fehlendes Know-how25 %
Datensouveränität23 %

Was bedeutet das für Entscheider im DACH-Raum?

Für deutschsprachige Entscheider verschärft der EU AI Act die Anforderungen. Für viele Hochrisiko-Anwendungen greifen die Pflichten stufenweise ab 2026, dazu gehören Dokumentation, menschliche Aufsicht und klare Verantwortlichkeiten. Parallel bleibt die DSGVO der Maßstab dafür, wo Daten liegen dürfen.

Anbieter reagieren mit dem Versprechen souveräner KI „Made in Germany“. Cancom ist als erstes Großunternehmen dem KI Bundesverband beigetreten und wirbt für Datenplattformen, die europäischen Datenschutz- und Compliance-Regeln folgen[2]. Ähnlich positioniert sich die Schwarz-Gruppe mit ihrer Cloud-Sparte.

Der erste Schritt ist unspektakulär: Schatten-KI sichtbar machen und bestehende Anwendungsfälle nach dem AI Act einordnen. Danach lohnt sich eine gemeinsame Daten- und Governance-Schicht statt vieler Insellösungen. Bei der Wahl eines Dienstleisters gehört nachweisbare Compliance-Fähigkeit zur Bedingung, nicht zur Kür.

Quellen

[1] Cancom und ServiceNow: Studie „AI zwischen Vision und Umsetzung“ (techconsult, 2026)

[2] Cancom: „Cancom tritt dem KI Bundesverband bei“

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