Starbucks nimmt seine Softwarekosten ins Visier und baut Anwendungen von Microsoft und IBM mit KI-Hilfe selbst nach. Rund 348 Millionen Euro fließen bei dem Konzern jährlich in Software. Der Fall stellt die alte Frage „selbst bauen oder einkaufen“ neu.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBei Starbucks soll KI-Software künftig ersetzen, was der Kaffeekonzern bisher bei Microsoft und IBM lizenziert hat. Technikchef Anand Varadarajan sieht bei jährlich rund 348 Millionen Euro Softwareausgaben (400 Millionen US-Dollar, umgerechnet zum Kurs von 0,87 am 10. Juli 2026) klare Sparpotenziale. Ein internes Konzeptpapier nennt bereits konkrete Programme.
Das Wichtigste in Kürze
- Starbucks baut Ersatz für Microsofts Bestandsführung und IBMs Wartungssoftware selbst, mit KI-Unterstützung beim Programmieren.
- Rund 348 Mio. Euro gibt der Konzern jährlich für Software aus; erste Eigenlösungen sollen bis Ende 2027 laufen.
- KI-Codierhilfen senken die Baukosten so weit, dass sich die Rechnung „selbst bauen statt lizenzieren“ dreht.
- Für den Mittelstand zählt kein Kahlschlag, sondern die Frage, welche Software Commodity ist und welche echten Vorsprung bringt.
Was ersetzt Starbucks konkret?

Starbucks baut Ersatz für Microsofts Bestandsführung (Dynamics 365) und IBMs Wartungstool (Tririga), teils auch für das Kassensystem von Oracle. Erste Anwendungen sollen bis Ende 2027 in Betrieb gehen, sofern die Tests halten.
Das Technikteam soll sein Budget im Geschäftsjahr bis Ende September um rund 26 Millionen Euro drücken, davon etwa 8,7 Millionen Euro bei Softwarelizenzen und 11,3 Millionen Euro bei externen Dienstleistern.[1] Der Umbau gehört zu einem Sparprogramm über 1,74 Milliarden Euro, in dessen Zug seit Anfang 2025 etwa 2.300 Bürostellen weggefallen sind. Beim Nachbau des IBM-Werkzeugs hat KI-gestütztes Programmieren die entscheidende Rolle gespielt.
Warum rechnet sich der Eigenbau plötzlich?
KI-gestütztes Programmieren senkt die Kosten für maßgeschneiderte Standardsoftware so stark, dass sich der Eigenbau bei austauschbaren Anwendungen wie Inventar oder Wartung lohnt. Der Lizenzvorteil schrumpft überall dort, wo Software kein Differenzierungsmerkmal mehr ist.
Den größten Teil der Arbeit an solchen Werkzeugen macht immer gleicher Code für Datenbanken, Eingabemasken, Schnittstellen und Berichte aus. Genau diesen Teil schreiben KI-Agenten heute günstig, wie autonome Coding-Systeme zeigen, und die Kosten pro Rechenschritt bleiben der einzige echte Hebel. Die Ironie: Den eigenen KI-Assistenten „Green Dot Assist“ betreibt Starbucks weiter auf Microsofts Azure-OpenAI-Plattform, tauscht also die Anwendung aus, nicht die Abhängigkeit von der KI-Schicht darunter.
Wie der Kaffeekonzern sein Software-Budget umbaut. Alle Beträge umgerechnet zum Kurs 0,87, Stand 10.07.2026.
Der eigentliche Hebel ist nicht Starbucks gegen Microsoft, sondern die neue Rechnung hinter jeder Softwarelizenz. Sobald eine KI den Standardkram selbst schreibt, muss jeder Einkäufer neu begründen, warum er ihn noch mietet.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für den deutschen Mittelstand?
Für DACH-Entscheider lohnt kein Kahlschlag, sondern ein Kassensturz: Welche Lizenz ist austauschbare Commodity, welche bringt echten Vorsprung? Eigenbau verschiebt Abhängigkeit und Haftung ins eigene Haus, Wartung und Sicherheit inklusive.
Klarna hat den radikalen Weg 2025 vorgemacht und Teile davon später zurückgenommen, was die Grenzen des Ansatzes zeigt. Ein Eigenbau verlagert Pflege, Datenschutz und die Vorgaben aus NIS2 ins eigene Haus, während europäische Anbieter wie Schwarz Digits zugleich um die Cloud-Souveränität werben. Prüfen Sie deshalb jeden großen Softwarevertrag vor der Verlängerung darauf, ob die Anwendung reiner Standard ist und ob ein KI-gestützter Eigenbau die Lizenz wirklich schlägt.
Quelle
[1] Bloomberg: „Starbucks Taps AI to Cut Reliance on Microsoft, IBM Software“ ↩
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