Kontron entwickelt seine 5G-Module in Berlin und fertigt sie in Düsseldorf. Der Konzern bezeichnet sich damit als weltweit einzigen Anbieter, der 5G-Module komplett in Europa entwickelt und baut. Für vernetzte Fahrzeuge und die Industrie wird die Herkunft des Funkmoduls zur strategischen Frage.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund 218 Millionen Euro umfasst der Auftrag, mit dem ein Automobilzulieferer Anfang 2025 bei Kontron 5G-Module bestellt hat. 2026 läuft die Serienfertigung an, komplett aus europäischer Produktion. Dahinter steckt mehr als ein einzelner Auftrag: eine Wette auf technologische Souveränität in einem Markt, den bislang Asien beherrscht.
Das Wichtigste in Kürze
- Entwicklung in Berlin, Fertigung in Düsseldorf: Kontron beziffert die europäische Wertschöpfung auf rund 80 Prozent.
- Ein Automobilzulieferer hat 2025 5G-Module für rund 218 Millionen Euro bestellt, die Serienfertigung läuft 2026 an.
- Das Industriemodul IB17M-W erreicht seit März 2026 bis zu 4,9 Gbit/s im Download und bedient Bahn, Luftfahrt und Fabrik.
- Kontron selbst steht unter einem Pflichtangebot der Foxconn-Tochter Ennoconn, die Souveränität des Zulieferers bleibt also fragil.
Warum baut Kontron seine 5G-Module komplett in Europa?

Kontron entwickelt die Module in Berlin und montiert sie in Düsseldorf, statt die Fertigung wie die meisten Wettbewerber nach Asien zu vergeben. Der Konzern bezeichnet sich als weltweit einzigen Anbieter mit kompletter europäischer 5G-Modulfertigung.
Der eigentliche Bruch mit der Branche liegt nicht im Chip, sondern eine Ebene darüber. Das Funkmodul verbindet Prozessor, Antenne und Mobilfunknetz und stammt bislang fast immer aus Asien, wo Anbieter wie Quectel und Fibocom den Markt beherrschen. Kontron zieht Entwicklung und Endmontage nun nach Deutschland.
Wie weit die eigene Fertigung reicht, zeigt das Industriemodul IB17M-W, das seit März 2026 in Serie läuft.[1] Das Modul funkt nach dem Standard 3GPP Release 17 und schafft bis zu 4,9 Gbit/s im Download, ausgelegt für Bahn, Luftfahrt und Fabrikhallen. Die europäische Wertschöpfung beziffert Kontron auf rund 80 Prozent.[3]
Was hat das mit vernetzten Autos zu tun?
Für vernetzte und autonome Fahrzeuge liefert Kontron sogenannte Network Access Devices, das Funkmodul im Auto. Ein Automobilzulieferer hat solche 5G-Module 2025 für rund 218 Millionen Euro geordert, die Serienfertigung startet 2026.
Ein Network Access Device steuert die Kommunikation von Fahrzeug zu Fahrzeug und von Fahrzeug zu Infrastruktur, etwa für Warnungen vor Gefahrenstellen oder Updates über Mobilfunk. Den Auftrag über sieben Jahre hat Kontron im Februar 2025 gemeldet.[2] Bis 2030 taxiert der Konzern den Markt für solche Auto-Module auf mehr als 8,7 Milliarden Euro.
Ein Funkmodul aus Berlin und Düsseldorf ist teurer als eines aus Shenzhen. In sicherheitskritischen Fahrzeugen zahlt sich genau diese Kontrolle über Lieferkette und Firmware am Ende aus.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für deutsche Entscheider?
Die Herkunft des Funkmoduls wird zur Compliance-Frage. Vernetzte Fahrzeuge unterliegen der UN-Regelung R155 und dem EU Cyber Resilience Act, die eine überprüfbare Lieferkette für sicherheitskritische Software verlangen.
Kontron reiht sich in eine Bewegung ein, die halbe Wertschöpfungsketten zurück nach Europa holt. Infineon drängt TSMC zu einer zweiten Chipfabrik, Fraunhofer und PVA TePla starten eine eigene Substrat-Kleinserie, Intel steckt Milliarden in irische Werke. Der Unterschied bei Kontron sitzt eine Ebene höher, beim fertigen Kommunikationsmodul statt beim Rohchip.
Für Flottenbetreiber zählt dabei mehr als Standortpolitik. Ein Funkmodul mit Zugriff auf Fahrzeugdaten und Steuerbefehle ist ein Einfallstor, dessen Firmware-Herkunft Aufsichtsbehörden zunehmend interessiert. Wie ernst die Branche das nimmt, zeigt der Trend, KI und Vernetzung direkt ins Steuergerät zu verlagern.
Die Pointe liefert Kontron selbst. Der Zulieferer steht unter einem Pflichtangebot der Foxconn-Tochter Ennoconn und ist damit ein europäischer Souveränitäts-Champion mit taiwanesischem Großaktionär. Prüfen Sie bei kritischen Funk- und IoT-Komponenten deshalb nicht nur das Herkunftsland der Fertigung, sondern auch, wer den Hersteller kontrolliert und wie lange Firmware-Updates garantiert sind.
Quellen
[1] Kontron: „Kontron 5G M.2 module IB17M-W now available in series production“ ↩
[2] Kontron: „Kontron sichert sich einen Vertrag mit einem führenden Zulieferer der Automobilbranche“ ↩
[3] Kontron: „Kontron AG etabliert 5G-Modulproduktion in Europa“ ↩
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