Ströer bündelt sein Bewegtbild-Inventar zu einer eigenen Produktkategorie und zielt offen auf die Werbebudgets des linearen Fernsehens. Für Marketing-Entscheider verschiebt sich damit die Frage, wo Reichweite künftig am günstigsten entsteht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDOOH Video heißt die Produktkategorie, mit der Ströer seit dem 13. Juli 2026 Full-Motion-Werbung auf großen öffentlichen Screens getrennt vermarktet.[1] Der Außenwerber verkauft Bewegtbild im öffentlichen Raum nicht mehr als Anhängsel zum digitalen Plakat, sondern als eigenständiges Produkt neben TV und Online-Video.
Das Wichtigste in Kürze
- Neue Kategorie: Ströer trennt seine Full-Motion-Screens vom klassischen Digital-out-of-Home und vermarktet sie als eigenes Bewegtbild-Produkt.
- Reichweite: rund 2,8 Milliarden Kontakte pro Woche, etwa 45 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren.
- Stoßrichtung: Bewegtbild-Budgets, die bislang ins Fernsehen fließen, sollen teilweise auf die Straße wandern.
- Mittelstands-Vorteil: kontextuelle Werbung ohne personenbezogene Daten, programmatisch und regional buchbar.
Was genau ist an DOOH Video neu?

Vier Bedingungen. Unter DOOH Video fasst Ströer jene Screens zusammen, die echtes Full Motion statt animierter Standbilder zeigen, im Warten oder Gehen wahrgenommen werden statt im Vorbeifahren, auf großen öffentlichen Flächen mit hoher Sichtbarkeit hängen und 3D-Effekte darstellen können. Diese Trennung grenzt hochwertiges Bewegtbild-Inventar von der Masse kleiner Roadside-Displays ab.
Vertrieblicher Kern. Der eigentliche Schritt ist weniger technisch als vertrieblich. Erst als klar abgegrenzte Kategorie wird Bewegtbild für Mediaplaner mit Fernsehen und Online-Video vergleichbar und lässt sich programmatisch, also in Echtzeit und automatisiert, einkaufen. „Mit DOOH Video führen wir die größte strukturelle Produktinnovation seit der Digitalisierung der Außenwerbung ein“, sagt Ströer-Vorstandschef Udo Müller.
Warum kommt die eigene Kategorie gerade jetzt?
Bröckelnde TV-Reichweite. Das lineare Fernsehen verliert seine jüngeren Zuschauer schneller, als sich klassische Reichweite nachkaufen lässt. Werbungtreibende suchen deshalb Bewegtbild-Flächen außerhalb des Wohnzimmers, und der öffentliche Raum ist der einzige Ort, an dem Full Motion eine wartende oder gehende Zielgruppe erreicht, statt an einem vorbeifahrenden Auto zu verpuffen.
Geteilte Sichtbarkeit. Ein großer Screen am Bahnhof erzeugt etwas, das ein Werbebanner auf dem privaten Smartphone nicht leisten kann: gemeinsame, sichtbare Aufmerksamkeit vieler Menschen am selben Ort. Diese soziale Bestätigung wirkt als Vertrauensanker für Marken und ist der strukturelle Grund, warum Ströer Bewegtbild aus der Anonymität des Displays heraushebt.
DOOH Video ist keine neue Werbefläche, sondern der Versuch, das lineare Fernsehen dort einzuholen, wo es seine jungen Zuschauer längst verloren hat: auf der Straße.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Marketing-Entscheider im DACH-Raum?
Werbung ohne Cookie. Bewegtbild im öffentlichen Raum kommt ohne personenbezogene Daten aus und braucht weder Einwilligungsbanner noch Tracking. Ohne Drittanbieter-Cookie und unter der DSGVO wird kontextuelle Reichweite so zum planbaren, rechtlich unkomplizierten Kanal, gerade für mittelständische Marken mit dünner Datenbasis.
Aufmerksamkeit als Währung. Der Erfolg misst sich hier nicht in Klicks, sondern in Reichweite und Werbeerinnerung. Ein von mscience begleiteter Kampagnentest für die Bayer-Marke Priorin hat im Zusammenspiel von TV und Public Video plus 11 Prozentpunkte Werbeerinnerung und plus 23 Prozentpunkte gestützte Markenbekanntheit gegenüber Fernsehen allein gebracht.[2] Regional gebuchte Screens schließen dort TV-Lücken, wo lineare Reichweite in den Großstädten unter dem Bundesschnitt liegt.
Konkrete Schritte. Bewegtbild-Planer behandeln DOOH Video ab sofort am besten als eigene Zeile im Media-Plan, machen ihre TV- oder YouTube-Kreation ohne Ton für Full-Motion-Screens tauglich und setzen regionale Buchungen dort, wo die Kernzielgruppe wartet und geht. Kleinere Budgets testen den Kanal programmatisch mit einer messbaren Marken-Kennzahl statt mit einem Klickziel.
Quellen
[1] Ströer: „Ströer launcht mit DOOH Video neue Produktkategorie“ ↩
[2] Ströer Public Video: „DOOH durch Ströer Public Video: Leistungslücken von TV-Kampagnen schließen“ ↩
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