Der Ausbau der Stromnetze für KI-Rechenzentren kostet Milliarden, und bisher zahlen alle Netznutzer mit. RWE-Chef Markus Krebber will das ändern: Große Verbraucher sollen sich überproportional beteiligen. Für Netzentgelte und Strompreise im Mittelstand hätte das spürbare Folgen.

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Der Netzausbau für KI-Rechenzentren wird zur teuersten Nebenwirkung des Booms, und die Frage, wer ihn bezahlt, rückt ins Zentrum der deutschen Energiepolitik. RWE-Chef Markus Krebber hat dazu eine klare Antwort gegeben: jene Konzerne, die den Ausbau auslösen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Krebber will große Stromverbraucher „überproportional“ an Netzausbau und Versorgungssicherheit beteiligen.
  • Drei Modelle stehen im Raum: höhere Netzentgelte („Netzentgelt Plus“), eigener Kraftwerksbau und die Übernahme der Anschlusskosten.
  • Hintergrund ist RWEs Doppelrolle: Der Konzern stockt seine Beteiligung am Netzbetreiber Amprion auf und investiert Milliarden ins Übertragungsnetz.
  • Die Bundesnetzagentur arbeitet bereits an einer Reform der Netzentgelte, die Großverbraucher anders belastet.

Warum trifft die KI ausgerechnet das Stromnetz?

Rechnung über Netzausbaukosten und kleiner Serverschrank auf einem Metalltablett
KI-Rechenzentren verursachen massive Stromkonzentrationen an einzelnen Orten und zwingen Netzbetreiber zum Ausbau von Leitungen und Umspannwerken

Rechenzentren sind keine gewöhnlichen Verbraucher. Ein einzelner KI-Campus zieht so viel Leistung wie eine Kleinstadt, punktgenau an einem Standort, der oft weit von der Erzeugung entfernt liegt. Konzentrierte Last zwingt die Netzbetreiber zu neuen Leitungen und Umspannwerken.

Der Bedarf wächst schnell. Deutsche Rechenzentren verbrauchen heute rund 20 Terawattstunden Strom im Jahr, bis 2030 rechnen Bitkom und das Borderstep-Institut mit 25 bis 35 Terawattstunden[2]. Treiber ist die künstliche Intelligenz, deren Rechenlast schon heute nicht am Chip, sondern am Strom hängt.

Warum subventioniert der Mittelstand die Hyperscaler?

Die eigentliche Schieflage steckt im System der Netzentgelte. Die Kosten für neue Leitungen landen bislang in der allgemeinen Umlage, die jeder Netznutzer zahlt. Sozialisiert wird so ein Ausbau, den einzelne Großverbraucher auslösen, wie sich in den USA bereits zeigt, wo Google in Alabama die Stromrechnung der Nachbarn übernimmt.

Krebber nennt das im Kern eine Frage der Verursachung. Große Nachfrager sollten sich „überproportional“ beteiligen, so Krebber gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Als Vorbild dient ihm eine in den USA diskutierte Staffel, das „Netzentgelt Plus“.

Konkret skizziert er drei Wege. Ein Betreiber könnte höhere Entgelte zahlen, die Anschlusskosten selbst tragen oder gleich eigene Erzeugung errichten: neben ein 500-Megawatt-Rechenzentrum ein 500-Megawatt-Kraftwerk. Eigenversorgung entlastet dann das öffentliche Netz, ein Muster, das etwa Chevron für Microsoft bereits vormacht.

KI-Strom: Wer den Ausbau bezahlt
Rechenzentren, Netzentgelte und RWEs Doppelrolle im Netz
35
Terawattstunden Rechenzentrums-Strom in Deutschland bis 2030, heute rund 20
55 %
Beteiligung von RWE am Netzbetreiber Amprion, dazu 6,5 Mrd. Euro Netzinvestition bis 2030
100.000
Kilowattstunden Jahresverbrauch: ab hier greift der neue Kapazitätspreis

Krebbers drei Modelle der Kostenbeteiligung

Netzentgelt Plus
Große Verbraucher zahlen höhere Netzentgelte, Vorbild ist eine in den USA diskutierte Staffel.
Eigenes Kraftwerk
Neben ein 500-Megawatt-Rechenzentrum baut der Betreiber ein 500-Megawatt-Kraftwerk.
Anschlusskosten
Der Betreiber trägt die Kosten der Netzanbindung selbst oder errichtet sie und übergibt sie.

Die Rechnung für den KI-Boom lag bisher unsichtbar auf der Stromrechnung jedes Handwerksbetriebs. Krebbers Vorstoß macht sie sichtbar, und genau deshalb wird er politisch.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was heißt das für den Mittelstand?

Die Debatte ist längst regulatorisch unterlegt. Die Bundesnetzagentur arbeitet an der Reform der Netzentgeltsystematik und will Verbraucher ab 100.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch künftig über einen Kapazitätspreis abrechnen statt über den bisherigen Leistungspreis[1]. Konsultiert wird der Entwurf im Sommer, die Rahmenfestlegung ist für Ende 2026 geplant. Wie sich die Netzentgelte-Reform 2026 auf einzelne Anschlüsse auswirkt, entscheidet sich in diesen Monaten.

RWE selbst hat sich strategisch positioniert. Der Konzern stockt seine Beteiligung am Übertragungsnetzbetreiber Amprion auf 55 Prozent auf und will bis Ende des Jahrzehnts rund 6,5 Milliarden Euro ins Netz stecken, das seit Jahren als Engpass der Energiewende gilt. Doppelrolle heißt hier: RWE verdient am Ausbau, den es politisch mitgestaltet.

Für Entscheider im Mittelstand lohnt der genaue Blick auf die eigene Anschlussleistung. Betriebe über 100.000 Kilowattstunden sollten die Umstellung auf den Kapazitätspreis jetzt durchrechnen und ihre Lastspitzen prüfen, bevor die neue Systematik greift. Kalkulierbar bleibt der Strompreis nur mit früher Planung.

Quellen

[1] Bundesnetzagentur: „Bundesnetzagentur stellt aktuelle Überlegungen zur Reform der Netzentgeltsystematik Strom vor“

[2] Bitkom: „Rechenzentren in Deutschland: KI treibt das Wachstum“

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