Microsoft sichert sich für seine KI-Rechenzentren 20 Jahre Strom direkt von Chevron. Das Gaskraftwerk in West-Texas liefert 2,67 Gigawatt und hängt nicht am öffentlichen Netz. Der Deal zeigt, wie der KI-Stromhunger die Energiewirtschaft umbaut, und wo Deutschland ins Hintertreffen gerät.

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Der Stromhunger der KI-Rechenzentren erreicht eine neue Größenordnung, und Microsoft reagiert mit einem 20-Jahres-Vertrag. Stellen Sie sich ein Kraftwerk vor, das eine Kleinstadt versorgen könnte und doch nur eine einzige Serverhalle speist. Genau das baut Chevron im Permian Basin.

Das Wichtigste in Kürze

  • 2,67 Gigawatt: Das Gaskraftwerk versorgt allein Microsofts KI-Rechenzentrum, rechnerisch der Bedarf von rund 2 Millionen Haushalten.
  • Ohne Netz: Die Anlage läuft autark, ein großer Batteriespeicher sichert die Versorgung.
  • 6,1 Milliarden Euro: So viel kostet allein die erste Phase, Start der Stromlieferung Ende 2028.
  • DACH: In Frankfurt sind große Neuanschlüsse teils erst Mitte der 2030er möglich.

Warum kauft Microsoft Strom direkt beim Ölkonzern?

CEE-Stecker mit Kugelhahn verbunden, daran hängt ein Anhänger mit Text „20 Jahre“
KI-Rechenzentren bauen Gaskraftwerke am Standort, um Gigawatt-Leistung ohne jahrelange Netzanschluss-Wartezeiten zu sichern

KI-Rechenzentren brauchen rund um die Uhr Gigawatt-Leistung, die öffentliche Netze nicht schnell genug bereitstellen. Ein eigenes Gaskraftwerk direkt am Standort umgeht jahrelange Wartezeiten und sichert 20 Jahre lang feste Mengen und Preise.

Der Engpass ist nicht das Geld, sondern der Netzanschluss. In den USA dauern neue Anschlüsse oft Jahre, also baut Chevron das Kraftwerk gleich neben die Rechenzentren und koppelt es vom Netz ab. Erdgas liefert dabei die konstante Grundlast, die Wind und Sonne allein nicht halten. Eine Anmerkung gehört dazu: Von Klimaneutralität ist keine Rede, denn der Deal setzt auf Abgasreinigung, nicht auf CO2-Abscheidung.

Der Vertrag reiht sich in eine ganze Welle ein. Microsoft holt das Kernkraftwerk Three Mile Island zurück ans Netz, Amazon kaufte einen Rechenzentrums-Campus neben einem Reaktor, und Meta finanziert in Louisiana bis zu zehn Gaskraftwerke. Wie sehr die KI den Energiemarkt aufmischt, zeigt auch unser Beitrag dazu, wie KI den Uranpreis treibt.

Was bedeutet das für Deutschland?

Bauzaun trennt Steckdose von Stecker, Schild „ANSCHLUSS IN BEARBEITUNG“ davor, weißer Hintergrund
In Deutschland bremst der Netzanschluss neue Rechenzentren.

Der Standort entscheidet sich am Strom. Texas genehmigt 2,67 Gigawatt autark in einem Jahr, während in Frankfurt große Neuanschlüsse teils erst Mitte der 2030er möglich sind. Hoher Industriestrompreis und langsamer Netzausbau bremsen den Rechenzentrumsstandort Deutschland.

Der deutsche Industriestrom kostet rund 23 Cent je Kilowattstunde, in Schweden ist es weniger als die Hälfte. Die Branche will die KI-Kapazität hierzulande bis 2030 von 530 auf 2.020 Megawatt vervierfachen, doch die Projekte scheitern an der Netzkapazität, nicht an Investoren. Weltweit dürfte KI 2030 fast doppelt so viel Strom verbrauchen wie ganz Deutschland. Den Vergleich vertiefen unsere Analysen zum Stromverbrauch der KI und zu den größten Rechenzentren Deutschlands.

Über KI-Souveränität lässt sich nur reden, wenn zuerst Strom und Netzanschlüsse stimmen. Solange in Texas ein Gigawatt schneller steht als in Frankfurt ein Hausanschluss, wandert die Rechenleistung dorthin, wo der Strom fließt.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Prüfen Sie bei jeder KI-Strategie auch die Strom- und Standortfrage. Für rechenintensive Workloads lohnt der Blick auf Länder mit günstiger Energie, bevor der Netzanschluss zum Flaschenhals wird.

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