Ein Logging-Fehler im KI-Coding-Agenten Codex schrieb in 21 Tagen 37 Terabyte auf die lokale SSD. Hochgerechnet sind das 640 Terabyte im Jahr, genug, um die Lebensdauer einer üblichen SSD in Monaten aufzubrauchen. Der Fall zeigt ein unterschätztes Risiko von KI-Agenten auf der eigenen Hardware.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKI-Coding-Agenten wie Codex laufen oft tagelang im Hintergrund, und genau dort entstand ein teurer Fehler. Kennen Sie das Gefühl, dass ein Programm im Leerlauf verdächtig aktiv wirkt? Bei Codex schrieb ein Logging-Bug unbemerkt Terabyte um Terabyte auf die SSD.
Das Wichtigste in Kürze
- 37 Terabyte in 21 Tagen: Ein SQLite-Log von Codex schrieb dauerhaft Daten, ohne dass die Datei wuchs.
- 640 Terabyte im Jahr: Das entspricht der gesamten garantierten Schreibmenge einer üblichen SSD.
- Ursache: Das Log lief auf der höchsten Stufe und ignorierte die übliche Drossel.
- Fix: Zwei Korrekturen vom 22. Juni 2026 entfernen rund 85 Prozent der Logs.
Warum schreibt ein KI-Agent 640 Terabyte?

Schuld ist kein Endlos-Prompt, sondern eine Logging-Fehlkonfiguration. Codex protokollierte auf der lautesten Stufe alles, auch rohe Protokolldaten, und ignorierte die übliche Drossel über die Umgebungsvariable. So entstand ein Dauerstrom an Schreibvorgängen, der die SSD ohne Nutzen belastet.
Der Mechanismus ist heimtückisch, weil die Datenbank gar nicht wächst. Codex fügte in 15 Sekunden über 36.000 Zeilen ein und löschte sie gleich wieder, ein ständiger Kreislauf aus Schreiben und Aufräumen. Eine übliche Consumer-SSD verträgt rund 600 Terabyte an Schreibmenge. Der Bug verbraucht diese Reserve in weniger als einem Jahr.
Der Vorfall passt in ein größeres Bild. KI-Agenten richten lokal Schaden an, wenn Grenzen fehlen. Ein Agent löschte bei Replit eine Produktivdatenbank, ein anderer verschlang in elf Tagen unbemerkt eine Cloud-Rechnung von 47.000 Dollar. Den Datenbank-Fall haben wir im Beitrag dazu aufgearbeitet, wie ein KI-Agent eine Produktivdatenbank löschte. Codex ist die Hardware-Variante desselben Musters.
Was sollten Teams jetzt tun?

Halten Sie Ihre Agent-Tools aktuell und überwachen Sie die Schreibmenge der SSD. Lagern Sie Log- und Cache-Verzeichnisse auf flüchtigen Speicher aus, setzen Sie Ressourcenlimits und vergeben Sie nur die nötigen Rechte. So bleibt ein Fehler dieser Art folgenlos.
Der Bug fiel nur auf, weil ein Nutzer die SMART-Werte seiner SSD prüfte. Nehmen Sie diese Werte ins Monitoring auf, gerade auf Entwickler- und Build-Maschinen. Ein Agent gehört in eine Sandbox mit eigenem Schreibbereich, sensible Aktionen verlangen eine Freigabe. Wie schnell Routine zur Sorglosigkeit wird, zeigt unser Beitrag zur Permission Fatigue, und die Kostenkontrolle haben wir im Fall Microsoft stoppt Claude Code beleuchtet.
Ein KI-Agent ist kein braver Praktikant, der nichts kaputt macht. Ohne Grenzen für Schreibrechte, Ressourcen und Kosten verschleißt er im Zweifel die Hardware, während alle nur auf den Code schauen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Aktualisieren Sie Codex auf die jüngste Version und prüfen Sie die Schreibmenge Ihrer Entwicklerrechner. Ein wenig Monitoring schützt vor stillem Hardwareverschleiß, der erst auffällt, wenn die SSD am Ende ist.