Xiaomi hat mit HyperOS 4 sein erstes KI-Betriebssystem vorgestellt, komplett in Rust neu geschrieben und ohne den alten MIUI-Code. Der Assistent MiMo fasst Dokumente zusammen und übersetzt Sprachen, ohne dafür die Cloud zu brauchen. Im Oktober erreicht das System Millionen Xiaomi-Handys in Europa, während Apple Intelligence hier weiter fehlt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 13. August hat Xiaomi HyperOS 4 in China enthüllt und die Beta gestartet.[1] Der Konzern nennt das System sein erstes AIOS, ein von Grund auf auf künstliche Intelligenz ausgelegtes Betriebssystem. Hinter der Neufassung steckt mehr als ein frisches Design.
Das Wichtigste in Kürze
- Xiaomi hat HyperOS 4 am 13. August 2026 in China vorgestellt, international startet das System im Oktober.
- Assistent MiMo, Agent Miclaw und der Sprachassistent Super Xiao Ai 2.0 rechnen auf dem Gerät, ohne Cloud.
- Der Unterbau ist neu in Rust geschrieben, der MIUI-Altcode fällt weg, das System läuft laut Xiaomi 40 Prozent flüssiger.
- Für EU-Nutzer wandert Rechenlast vom Server aufs Handy, was DSGVO und KI-Verordnung berührt.
Was macht HyperOS 4 zum ersten AIOS von Xiaomi?

Xiaomi rückt die KI ins Zentrum des Systems. Der Assistent MiMo fasst Dokumente zusammen und übersetzt Sprachen, der Agent Miclaw erledigt mehrschrittige Aufgaben, der Sprachassistent Super Xiao Ai 2.0 steuert Apps per Zuruf. Alle drei rechnen direkt auf dem Gerät, ohne Umweg über die Cloud. Technisch setzt HyperOS 4 auf Android 17 und bekommt eine neue Optik im Glas-Look.
Die Beta läuft zuerst auf der Xiaomi-17-Reihe und dem Redmi K90, die kommende Xiaomi-18-Serie bringt das System ab Werk mit. Schon bei der reinen Rechengeschwindigkeit seiner Sprachmodelle hatte der Konzern vorgelegt, jetzt zielt er auf das Betriebssystem selbst.
Warum schreibt Xiaomi das Betriebssystem in Rust neu?
Der eigentliche Kraftakt steckt unter der Oberfläche. Xiaomi hat den Unterbau komplett in Rust und Flutter neu geschrieben und den über zehn Jahre gewachsenen MIUI-Code entfernt. Die Codebasis schrumpft dabei laut Xiaomi von rund 80 auf etwa 40 Millionen Zeilen.
Rust gilt als speichersicher und schließt eine ganze Klasse von Programmierfehlern aus, die sonst Abstürze und Sicherheitslücken verursachen. Der schlanke Unterbau senkt zugleich den Speicherverbrauch im Leerlauf um 25 bis 30 Prozent. Genau diesen frei werdenden Speicher brauchen die lokalen KI-Modelle, denn Rechnen auf dem Gerät ist hungrig. Dieselbe Rechnung steckte schon hinter Adobes Griff nach On-Device-KI und Apples Umbau.
Xiaomi baut die KI nicht mehr auf das Handy drauf, sondern das Handy um die KI herum. Die Rechenleistung wandert ins Gerät und bringt die Datenschutzfrage gleich mit.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet die KI-Offensive für Nutzer in der EU?
Für den europäischen Markt zählt der Oktober-Termin. Xiaomi gehört zu den größten Smartphone-Anbietern in Deutschland, Millionen Geräte bekommen das KI-System dann per Update. Weil die Modelle lokal rechnen, verlassen Sprachnotizen, Übersetzungen und Fotobearbeitungen das Gerät seltener, was der Datensparsamkeit der DSGVO entgegenkommt.
Zugleich verlangt Artikel 50 der EU-KI-Verordnung, KI-erzeugte oder bearbeitete Inhalte zu kennzeichnen, was auch für die Bildwerkzeuge von HyperOS 4 gilt. Der Zeitpunkt ist pikant, denn Apple Intelligence fehlt in der EU weiter, während Apple die Funktion in China längst mit Alibabas Qwen ausliefert. Einen laufenden Überblick über den Stand der KI-Entwicklung bündelt unsere Themenseite.
Für IT-Verantwortliche lohnt ein zweiter Blick vor dem Flottenrollout. Der systemnahe Agent Miclaw greift tief ins Gerät ein, deshalb gehören seine Berechtigungen und die Update-Politik vor dem Einsatz auf den Prüfstand.
Quelle
[1] Xiaomi: „Xiaomi HyperOS“ (offizielle Produktseite)
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