Alibaba versieht sein meistgenutztes offenes KI-Modell mit einem Preisschild: Große kommerzielle Nutzer des nächsten Qwen-Modells sollen künftig einen Teil ihres Umsatzes abtreten. Vorbild ist Moonshots Kimi K3, das ab rund 17 Millionen Euro Jahresumsatz eine Beteiligung von bis zu 30 Prozent verlangt. Für europäische Firmen, die Qwen im eigenen Rechenzentrum betreiben, verschiebt der Schritt die Kalkulation.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Über 700 Millionen Mal wurde die Qwen-Familie auf Hugging Face heruntergeladen, mehr als jedes andere offene Modell.[1] Genau diese Reichweite will Alibaba nun zu Geld machen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen berichtet, plant der Konzern eine Umsatzbeteiligung für die größten kommerziellen Anwender.

Das Wichtigste in Kürze

  • Alibaba will große kommerzielle Nutzer des nächsten offenen Qwen-Modells an einer Umsatzbeteiligung beteiligen; der Eigenbetrieb kleiner Anwender bleibt frei.
  • Vorbild ist Moonshots Kimi K3: Ab rund 17 Millionen Euro Jahresumsatz greift eine Beteiligung von bis zu 30 Prozent.
  • Qwen ist mit über 700 Millionen Downloads die meistgenutzte offene Modellfamilie und Basis für mehr als 100.000 abgeleitete Modelle.
  • Verlangt die Lizenz Geld, entfällt womöglich die Open-Source-Ausnahme der EU-KI-Verordnung für kommerzielle Qwen-Nutzer.

Was ändert Alibaba am Geschäftsmodell von Qwen?

Schloss mit Textgravur und Anhänger mit „30%“ auf weißem Hintergrund
Alibaba monetarisiert sein KI-Modell Qwen künftig auch bei Open-Source-Nutzung und verlangt Gebühren von hochvolumigen Anbietern

Bisher verdiente Alibaba an Qwen nur dort, wo Kunden die Modelle über die eigene Cloud-Plattform Model Studio nutzten. Den Betrieb der offenen Gewichte im eigenen Rechenzentrum ließ der Konzern kostenlos zu. Mit der nächsten Version, Qwen3.8-Max, endet diese Großzügigkeit.

Laut dem Reuters-Bericht sollen Anbieter, die mit dem Modell hohe Umsätze erzielen, künftig einen Umsatzanteil abführen. Die genaue Quote steht noch nicht fest, weil die Verhandlungen laufen. Damit nähert sich das offene Lager dem an, was geschlossene Anbieter längst tun: An deren Umsätzen hängt oft ein einzelner Großkunde, wie Microsofts KI-Geschäft zeigt.

Warum verlangen Chinas offene KI-Modelle jetzt Geld?

Ein offenes Modell zu trainieren kostet Milliarden, der Download und der Eigenbetrieb bringen dem Entwickler dagegen keinen Cent. Genau diese Lücke schließt das Freemium-Prinzip: Das Modell bleibt frei verfügbar, zur Kasse gebeten werden nur die größten kommerziellen Anwender. Moonshot machte mit Kimi K3 den Anfang und verpflichtet jeden Anbieter oberhalb von rund 17 Millionen Euro Jahresumsatz zu einem Lizenzvertrag.

Der DigitalOcean-Chef Paddy Srinivasan nannte das im Reuters-Bericht ein bewährtes Freemium-Modell aus dem Silicon Valley. Chinas Anbieter ziehen die Preisschraube gerade gemeinsam an: DeepSeek dreht mit höheren API-Preisen den eigenen Preiskampf um, während ByteDance beim Modellbau auf Eigenbau statt auf das Nachbauen fremder Ausgaben setzt.

Offene Gewichte waren nie ein Geschenk, sondern ein Vertriebskanal. Alibaba zieht die Rechnung jetzt nach und zwingt Europas Entwickler, ihre Modellwahl zu überdenken.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Offene KI-Modelle bekommen ein Preisschild
Alibaba und Moonshot verlangen eine Umsatzbeteiligung von Großkunden
17 Mio. €
Jahresumsatz aus dem Modell, ab dem beim Vorbild Kimi K3 ein Lizenzvertrag Pflicht wird
bis zu 30 %
Umsatzbeteiligung, die an den Modellhersteller abzuführen ist
700 Mio.
Downloads der Qwen-Familie auf Hugging Face, mehr als bei jedem anderen offenen Modell
100.000+
abgeleitete Modelle bauen auf Qwen auf

Risiko EU-KI-Verordnung

Die Open-Source-Ausnahme nach Artikel 53 greift nur, solange die Lizenz das Modell nicht monetarisiert. Eine verpflichtende Umsatzbeteiligung kann diese Einstufung kosten. Die Pflichten sind seit dem 2. August 2026 scharf gestellt.

Was Alibabas Kurswechsel für europäische Firmen bedeutet

In Europa ist Qwen längst die Standardwahl unter den offenen KI-Modellen. Über 700 Millionen Downloads und mehr als 100.000 abgeleitete Modelle machen die Familie zur Basisschicht, auf der viele Start-ups und Mittelständler aufsetzen, gerade weil der Eigenbetrieb die Daten im eigenen Haus hält. Eine Umsatzbeteiligung verschiebt diese Rechnung für die größten Anwender.

Heikler wird der Schritt durch die EU-KI-Verordnung. Deren Ausnahme für freie und quelloffene Modelle greift nur, solange die Lizenz das Modell nicht monetarisiert.[2] Verlangt Alibaba eine Umsatzbeteiligung, könnte Qwen diese Ausnahme verlieren und die vollen Transparenz- und Dokumentationspflichten auslösen, die seit dem 2. August 2026 gelten.

Für Entscheider heißt das konkret: die Lizenz des nächsten Qwen-Modells vor dem Produktivstart lesen und den eigenen Umsatz aus dem Modell gegen die 17-Millionen-Schwelle halten. Als quelloffene Rückfalloption bleiben Alternativen wie Mistral; auch westliche Anbieter öffnen ihren Code, etwa Cloudflare mit seinem quelloffenen Betriebssystem.

FAQ: Alibaba verlangt Umsatzbeteiligung für Qwen

Ist Qwen weiterhin Open Source?

Qwen bleibt als offenes Modell mit frei herunterladbaren Gewichten verfügbar. Neu ist allein eine geplante Umsatzbeteiligung für sehr große kommerzielle Anwender; für Forschung, Test und den normalen Eigenbetrieb ändert sich nach dem Reuters-Bericht nichts.

Ab welchem Umsatz wird Qwen kostenpflichtig?

Eine feste Grenze für Qwen steht noch nicht fest. Das Vorbild Kimi K3 verlangt einen Lizenzvertrag ab rund 17 Millionen Euro Jahresumsatz aus dem Modell, mit einer Beteiligung von bis zu 30 Prozent. Alibaba verhandelt seine eigene Quote noch.

Was bedeutet eine Umsatzbeteiligung bei KI-Modellen?

Eine Umsatzbeteiligung bedeutet, dass der Modellhersteller einen prozentualen Anteil an dem Umsatz erhält, den ein Unternehmen mit dem Modell erwirtschaftet. Das offene Modell bleibt gratis nutzbar, zahlungspflichtig wird erst der großflächige kommerzielle Einsatz.

Bleibt Qwen unter der EU-KI-Verordnung ein Open-Source-Modell?

Sicher ist das nicht: Die Ausnahme der EU-KI-Verordnung für freie und quelloffene Modelle setzt voraus, dass die Lizenz das Modell nicht monetarisiert. Eine verpflichtende Umsatzbeteiligung könnte diese Einstufung kosten und für Anbieter zusätzliche Dokumentationspflichten auslösen.

Welche Alternativen zu Qwen kommen infrage?

Als quelloffene Alternativen zu Qwen gelten unter anderem Mistral aus Frankreich sowie verschiedene Llama-Derivate. Vor einem Wechsel lohnt der Blick auf Lizenz, Sprachqualität im Deutschen und die Betriebskosten im eigenen Rechenzentrum.

Quellen

[1] Hugging Face: „Qwen“ (Organisationsseite)

[2] Europäische Union: „Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 53“

Mehr Newshunger?

4,4 10 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?