Gedrucktes OLED wird serienreif. Zhao Jun, Chef der TCL-Display-Tochter CSOT, erklärte auf der Halbjahresbilanz, das Tintenstrahlverfahren habe bei Ausbeute und Kosten das Niveau einer reifen Massenfertigung erreicht.[1] Eine günstigere OLED-Fertigung rückt damit näher, die bislang den koreanischen Marktführern Samsung Display und LG Display vorbehalten blieb.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Zhao Jun, Chef von TCL CSOT, erklärt gedrucktes OLED bei Ausbeute und Kosten für serienreif; erste Notebook- und Monitor-Panels sollen noch 2026 erscheinen
  • Der Tintenstrahldruck verwertet rund 90 Prozent des organischen Materials, die klassische Bedampfung nur etwa 30 Prozent, und senkt die Panel-Kosten laut Omdia um bis zu 35 Prozent
  • In Guangzhou entsteht mit der t8-Linie die erste Fabrik der Generation 8.6 für gedrucktes OLED; die Investition liegt bei rund 3,8 Milliarden Euro, der Serienstart bei Q4 2027
  • Europa fertigt keine Panels in Serie und bezieht auch gedrucktes OLED aus Asien; das erste Notebook mit gedrucktem Panel, Lenovos Legion R9000P, ist bereits auf dem Markt

Was macht gedrucktes OLED billiger?

Mobileer Druckkopf druckt drei farbige Punktlinien auf eine Glasplatte; Schildchen
Tintenstrahldruck bei OLED-Produktion nutzt 90 Prozent des Materials, während klassisches Bedampfen durch Metallmaske nur 70 Prozent verwertbar macht

Materialausbeute ist der Hebel. Beim klassischen OLED dampft eine Anlage die organischen Leuchtstoffe durch eine feine Metallmaske auf das Glas, wobei rund 70 Prozent des teuren Materials an der Maske hängen bleiben. Der Tintenstrahldruck setzt die roten, grünen und blauen Pixel dagegen ohne Maske direkt auf und verwertet rund 90 Prozent des Materials.[2]

Große Flächen gelingen dem Druck leichter. Die Metallmaske lässt sich technisch kaum auf große Substrate spannen, weshalb große OLED-Bildschirme bis heute teuer und selten bleiben. Ein Druckkopf kennt diese Grenze nicht und bearbeitet auch Substrate der Generation 8.6, aus denen deutlich mehr Panels je Platte fallen. Für Monitore und Notebooks beziffert das Marktforschungshaus Omdia die Ersparnis auf bis zu 35 Prozent.

Warum kommt der Angriff aus China?

Erprobtes Muster wiederholt sich. Bei Flüssigkristallbildschirmen hat China die einst führenden Hersteller aus Korea und Japan über den Preis verdrängt, nun greift TCL bei OLED nach derselben Rolle. Das Verfahren stammt vom japanischen Pionier JOLED, der 2023 Insolvenz anmeldete, woraufhin CSOT dessen Druckanlagen übernahm und in Wuhan eine erste Linie der Generation 5.5 in Betrieb nahm.

Milliardenwette folgt in Guangzhou. Mit der t8-Linie baut TCL die weltweit erste Massenfabrik der Generation 8.6 für gedrucktes OLED, rund 3,8 Milliarden Euro schwer und auf 22.500 Glassubstrate im Monat ausgelegt. Der reguläre Serienstart liegt im vierten Quartal 2027, erste Notebook- und Monitor-Panels validiert der Konzern schon für dieses Jahr mit Markenkunden.

Gedrucktes OLED bringt China dem Ziel näher, große Bildschirme so zu verbilligen wie einst die Flüssigkristall-Panels. Für europäische Käufer entscheidet sich damit, ob der große OLED-Monitor bald aus der Preis-Nische kommt.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Gedrucktes OLED wird serienreif
Was TCLs Tintenstrahl-Fertigung günstiger macht
bis 35 %
günstigere IT-Panels gegenüber der klassischen Bedampfung (Omdia)
3,8 Mrd. €
Investition in die t8-Linie der Generation 8.6 in Guangzhou
22.500
Glassubstrate im Monat, Format 2290 mal 2620 Millimeter
Q4 2027
Serienstart der t8-Linie, erste Notebook- und Monitor-Panels schon 2026
Materialausbeute: Druck gegen Bedampfung
Tintenstrahldruck90 %
Klassische Bedampfung30 %

Der Druck setzt die Leuchtstoffe ohne Metallmaske direkt auf und verwertet rund 90 Prozent des teuren Materials, die Bedampfung nur etwa 30 Prozent.

Was bedeutet das für Europa?

Keine eigene Fertigung hält Europa in der Abhängigkeit. Kein Werk auf dem Kontinent produziert Displays in Serie, weshalb deutsche Notebook-, Monitor- und Fernsehmarken jedes Panel aus Asien beziehen. Sinkt der Preis für gedrucktes OLED, verbreitet sich die Technik zuerst dort, wo Europa ohnehin am Tropf hängt. Wie sich Brüssel im Handelskonflikt mit Peking behauptet, bleibt damit auch für den Bildschirmmarkt offen.

Sparsamer Prozess spricht für die Technik. Der Druck verbraucht weniger organisches Material und weniger Energie als die Bedampfung, was in einer rohstoffhungrigen Branche als echter Nachhaltigkeitsvorteil zählt. Für Käufer ist der Fortschritt schon greifbar: Mit dem Legion R9000P verkauft Lenovo bereits das erste Notebook mit einem gedruckten Panel.

Beobachten lohnt sich für IT-Einkäufer. Große OLED-Monitore und OLED-Notebooks dürften ab 2027 spürbar günstiger werden, sobald die t8-Linie liefert. Bei der Beschaffung von Hardware für Kreativ- und Büroarbeitsplätze zahlt sich Geduld aus: Die fallende OLED-Preiskurve einzukalkulieren schlägt den Kauf zum heutigen Höchstpreis.

Quellen

[1] IT 之家 / Sina Tech: „TCL-CSOT-Chef Zhao Jun: G8.6-Linie für gedrucktes OLED startet Q4 2027, erste Produkte 2026“

[2] Omdia: „Inkjet printing to drive 30% cost reduction in OLED IT display manufacturing“

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