Sechs US-Senatoren haben Apple am 29. Juli 2026 schriftlich aufgefordert, keine Speicherchips bei den chinesischen Herstellern CXMT und YMTC zu kaufen. Bis zum 21. August soll der Konzern laut Bloomberg zusagen, auf beide Lieferanten zu verzichten.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 25. Juni hatte Apple die Preise für sämtliche Macs, iPads, Home-Geräte und die Vision Pro weltweit angehoben, mit dem Speichermangel als Begründung. Konzernchef Tim Cook sprach von einer Hundertjahrflut. Vier Wochen später steht Apple zwischen Kostendruck und Kongress.
Das Wichtigste in Kürze
- Angeführt wird die Gruppe von Jim Banks und Chuck Schumer; unterschrieben haben zudem Andy Kim, Jeanne Shaheen, Mike Crapo und Pete Ricketts.
- Das Pentagon führt CXMT und YMTC seit dem 10. Juni 2026 als chinesische Militärunternehmen.
- Ab dem 23. Dezember 2027 dürfen US-Bundesbehörden keine Elektronik mit Halbleitern von SMIC, CXMT oder YMTC mehr beschaffen.
- Ein vergleichbares Beschaffungsverbot fehlt in der Europäischen Union vollständig.
Was verlangen die Senatoren von Apple?

Sechs Unterschriften stehen unter dem Schreiben an Tim Cook, drei von Republikanern und drei von Demokraten. Verlangt wird eine Zusage, keinen Speicher von ChangXin Memory Technologies oder Yangtze Memory Technologies in Apple-Produkte einzubauen. Apple hat sich dazu bislang nicht geäußert.
Zwei Zusatzfragen hängen an dem Brief. Die Senatoren wollen laut Bloomberg wissen, ob Apple technische Informationen mit beiden Herstellern geteilt und ob der Konzern bei amerikanischen oder südkoreanischen Speicherherstellern vorrangige Kontingente angefragt hat. Beide Firmen stehen seit dem 10. Juni 2026 auf der Liste chinesischer Militärunternehmen nach Abschnitt 1260H.[1]
Schon einmal hat Apple diesen Weg abgebrochen. Im Oktober 2022 hatte YMTC die Qualifizierung als dritter NAND-Lieferant neben Kioxia und SK Hynix bestanden, im Gespräch waren bis zu 40 Prozent des iPhone-Speichers. Nach Druck aus Washington legte Apple das Vorhaben auf Eis.
Warum greift Apple überhaupt nach chinesischem Speicher?
Der Engpass entsteht nicht in China, sondern in den Fabriken von Samsung, SK Hynix und Micron. Die drei Konzerne halten über 90 Prozent des DRAM-Marktes, und alle drei haben Fertigungslinien auf High Bandwidth Memory für KI-Beschleuniger umgerüstet. Für gewöhnlichen Arbeitsspeicher bleibt wenig Kapazität, wie sich am Modulmarkt bis 2027 ablesen lässt.
90 bis 95 Prozent Aufschlag erwartet TrendForce bei konventionellem DRAM gegenüber dem Vorquartal. Qualcomm hat seine Chippreise bereits zweistellig angehoben, die Autoindustrie sichert sich Kontingente direkt bei Micron. Apple gab den Druck am 25. Juni weiter: Das Einsteiger-iPad kostet seither 391 statt 304 Euro, die Vision Pro 3.218 statt 3.044 Euro, umgerechnet zum Kurs von 0,87 am 30. Juli 2026.
CXMT füllt genau diese Lücke. Chinas größter DRAM-Hersteller ging Ende Juli in Shanghai an die Börse und überholte dort die Großbank ICBC, ByteDance hat sich gerade Kapazität für fünf Jahre gesichert. Einkäufer ohne Zuteilung bei den Marktführern landen zwangsläufig dort.
Der Kongress kann von Apple eine Zusage bis zum 21. August erzwingen, an der Knappheit auf dem Speichermarkt ändert diese Frist allerdings nichts. Solange Samsung, SK Hynix und Micron ihre Linien für KI-Speicher belegen, bleibt China der Anbieter mit der größten freien Kapazität.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was der Speichermangel bei Apple schon gekostet hat
Beschaffungsregeln im Vergleich
USA: Beschaffungsverbot
Abschnitt 5949 des Verteidigungshaushalts 2023 sperrt Chips von SMIC, CXMT und YMTC ab dem 23. Dezember 2027 für Bundesbehörden. Das Pentagon führt beide Speicherhersteller seit dem 10. Juni 2026 als chinesische Militärunternehmen.
EU: keine Sperre
Weder der EU Chips Act noch das Vergaberecht schließen Speicher aus chinesischer Fertigung aus. In Europa fehlt zudem jede nennenswerte eigene DRAM-Fertigung, und im Datenblatt eines Geräts steht der Chiphersteller nur selten.
Was bedeutet die Frist für Einkäufer in Europa?
23. Dezember 2027 lautet das entscheidende Datum. Ab diesem Tag untersagt Abschnitt 5949 des US-Verteidigungshaushalts 2023 den Bundesbehörden, Elektronik mit Halbleitern von SMIC, CXMT oder YMTC zu beschaffen. Der zuständige FAR-Rat hat die Umsetzungsregel am 17. Februar 2026 im Federal Register veröffentlicht.[2] Eine Zusage von Apple wäre nur der Vorgriff darauf.
Kein Gegenstück existiert in der Europäischen Union. Weder der Chips Act noch das Vergaberecht schließen Speicher aus chinesischer Fertigung aus, und Europa besitzt selbst keine nennenswerte DRAM-Fertigung; die hiesige Debatte dreht sich eher um Lithografie und Anlagenbau. Hardware, die ab Ende 2027 in Washington durchfällt, bleibt in Frankfurt oder Wien beschaffbar.
Zwei Punkte gehören deshalb jetzt in die Beschaffung. Unternehmen im Anwendungsbereich von NIS2 dokumentieren die Sicherheit ihrer Lieferkette, und dazu zählt die Frage, wessen Speicher in kritischen Systemen arbeitet; diese Auskunft rückt nur der Hersteller auf Nachfrage heraus. Firmen mit US-Behördengeschäft prüfen zusätzlich, ob ihre Hardware ab Dezember 2027 dort noch beschaffungsfähig bleibt.
Quellen
[1] US-Verteidigungsministerium: „Notice of Availability of Designation of Chinese Military Companies“ (Federal Register, 10. Juni 2026)
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