Chinas größte Internetkonzerne kaufen ihren Arbeitsspeicher jetzt im eigenen Land. ByteDance soll dem heimischen Hersteller CXMT über fünf Jahre Server-DRAM für mehr als sechs Milliarden Euro abnehmen. Für die drei Weltmarktführer aus Korea und den USA ist das ein Warnsignal, für Europas Rechenzentren eine unbequeme Frage.

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Über sechs Milliarden Euro für Arbeitsspeicher aus einer einzigen Bestellung: So groß ist der Fünf-Jahres-Vertrag, den ByteDance mit dem chinesischen DRAM-Hersteller CXMT geschlossen haben soll.[1] Die Zahl markiert weniger einen Rekordeinkauf als einen strategischen Bruch mit Samsung, SK Hynix und Micron.

Das Wichtigste in Kürze

  • ByteDance nimmt CXMT laut Branchenberichten fünf Jahre lang Server-DRAM für über 6 Milliarden Euro ab. Beide Unternehmen bestätigen die Zahlen nicht.
  • Erst im Juni sicherte sich Tencent bei CXMT Speicher für rund 2,6 Milliarden Euro.
  • Hintergrund ist eine weltweite Speicherknappheit, weil die Marktführer ihre Kapazität auf teuren KI-Speicher umlenken.
  • Europa hat seit der Qimonda-Insolvenz 2009 keinen eigenen Großhersteller für Arbeitsspeicher mehr.

Warum kauft ByteDance seinen Speicher plötzlich in China?

RAM-Stick mit „HERGESTELLT IN CHINA“-Aufkleber, Schloss, Blockierung und Preisschildern mit roten X
ByteDance bezieht Server-DRAM von CXMT für seine massiven KI-Rechenzentren hinter TikTok und dem Sprachmodell Doubao

ByteDance baut hinter TikTok und dem Sprachmodell Doubao gewaltige KI-Rechenzentren, und die verschlingen Server-DRAM in Mengen, die noch vor zwei Jahren undenkbar waren. Genau diesen Speicher bezieht der Konzern nun beim Landesmeister CXMT, dessen fulminanter Börsengang gerade erst Schlagzeilen machte.

Der Schritt ist kein Zufall, sondern Teil eines Musters. Im Börsenprospekt von CXMT stehen Tencent, Alibaba Cloud, ByteDance, Lenovo und Xiaomi als Großkunden. Während US-Exportregeln den Zugang zu westlicher Technik verengen, koppeln sich Chinas Plattformriesen bei einem Grundbaustein ab, so wie sie es beim Wechsel von Nvidia zu Huawei-Chips bereits vormachen.

Was treibt den Preis für Arbeitsspeicher gerade nach oben?

Die eigentliche Ursache steht nicht in der Meldung. Samsung, SK Hynix und Micron verlagern ihre Fertigung auf hochbezahlten KI-Speicher vom Typ HBM, der neben den Grafikprozessoren in KI-Servern sitzt. Der gewöhnliche Server-DRAM wird dadurch knapp, und die Preise schießen nach oben.

Große Abnehmer reagieren mit langfristigen Verträgen, um überhaupt Mengen zu sichern. Erst zahlten Tech-Giganten die Fabriken vor, inzwischen erreicht die Knappheit über höhere Chippreise auch Endgeräte. In diese Lücke stößt CXMT und fährt seine Produktion in Richtung 600.000 Wafer pro Monat hoch.

Chinas Speicher-Autarkie in Zahlen
Wie ByteDance und Tencent den heimischen DRAM-Hersteller CXMT groß machen
6,1 Mrd. €
Fünf-Jahres-Vertrag von ByteDance mit CXMT (über 7 Milliarden US-Dollar)
2,6 Mrd. €
Speichervertrag von Tencent mit CXMT aus dem Juni 2026
+471 %
Kurssprung von CXMT am ersten Handelstag in Schanghai
Platz 4
CXMT unter den Speicherherstellern weltweit, hinter Samsung, SK Hynix und Micron
Europas blinder Fleck: seit 2009 kein eigener DRAM
Mit der Insolvenz von Qimonda verlor Europa 2009 seinen letzten großen Hersteller für Arbeitsspeicher. Der EU Chips Act zielt auf moderne Logik-Chips, nicht auf Massenspeicher. Deutsche Cloud- und KI-Rechenzentren kaufen ihren DRAM deshalb bei denselben drei Weltmarktführern, ohne heimische Rückfallebene wie in China.

CXMT verkauft nicht einfach Chips, sondern Unabhängigkeit. Diesen Aufstieg für ein reines Preisthema zu halten, unterschätzt, wie schnell aus Kostendruck geopolitische Kontrolle wird.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet Chinas Speicher-Autarkie für Europa?

Europa steht bei Arbeitsspeicher fast ohne eigene Karten da. Seit der Qimonda-Insolvenz 2009 fehlt ein großer heimischer Hersteller, und der EU Chips Act zielt auf moderne Logik-Chips wie in Dresden, nicht auf Massenspeicher.

Für deutsche Entscheider heißt das: Eigene KI-Infrastruktur läuft auf demselben knappen DRAM wie bei SAP, der Telekom oder Hetzner, nur ohne die staatlich gestützte Rückfallebene, die Peking seinen Konzernen gerade baut. Der Aufstieg von CXMT ist kein rein chinesisches Thema, sondern verschiebt die Verhandlungsmacht auf dem gesamten Weltmarkt, an dem auch Europa hängt. Warum die ganze Wertschöpfung an einem einzigen Werkstoff klebt, zeigt unser Beitrag über Silizium; die strategische Großlage bündelt unsere KI-Rubrik.

Drei Dinge gehören jetzt auf die Agenda: die Speicherkosten in der Hardware-Planung als schwankende Größe einplanen, längere Lieferverträge mit den Distributoren prüfen und die Preisentwicklung bei Server-DRAM aktiv beobachten, bevor das nächste Rechenzentrum kalkuliert wird.

Quelle

[1] Electronic Engineering Times China: „传长鑫存储与字节跳动签署五年超70亿美元内存采购协议“ (Bericht über den Fünf-Jahres-Speichervertrag von ByteDance und CXMT)

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