Mineralwolle-Recycling galt lange als technisch ungelöst. Ähnlich wie bei Asbest wanderte der Dämmstoff nach dem Rückbau fast vollständig auf die Deponie. Mit rund 30 Millionen Euro dreht Knauf Insulation diese Einbahnstraße jetzt um.[1]
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Knauf Insulation investiert rund 30 Millionen Euro am Standort Ferndorf in Kärnten, die Inbetriebnahme ist für Ende 2026 geplant.
- Die Anlage verwertet Glas- und Steinwolle herstellerunabhängig, also auch Material der Wettbewerber.
- Treiber ist das österreichische Deponieverbot für Mineralwolle ab dem 1. Januar 2027.
- Über die Plattform mineralwolle-recycling.com wird Baustellenabfall sortenrein eingesammelt.
Warum landet Mineralwolle bisher im Sondermüll?

Alte Dämmwolle ist kein optischer Sondermüll, und genau darin liegt das Problem. Fasern aus den 1960er- bis 1990er-Jahren gelten als lungengängig und fallen unter das Gefahrstoffrecht, weshalb die Entsorgung teuer und streng geregelt ist.
Ein sicheres stoffliches Verwertungsverfahren fehlte lange, vergleichbar mit dem Umgang mit Asbest. In der Praxis landet die Wolle oft im Baumischcontainer, wird an der Eingangskontrolle aussortiert und verursacht Nachsortierung, Deponiegebühren oder die Rückweisung der ganzen Charge. Branchenschätzungen zufolge fallen allein in Deutschland jährlich rund zehn Millionen Kubikmeter Mineralwolleabfall an.
Was macht Knaufs Anlage anders?
Der Kern ist die Herstellerunabhängigkeit. Erstmals nimmt eine Anlage jede Mineralwolle an, egal von welcher Marke sie stammt, und führt sie über die Rücknahme-Plattform mineralwolle-recycling.com in den Produktionskreislauf zurück.
Damit schließt Knauf eine Lücke, die andere Materialkreisläufe schon gefüllt haben. Mit dem Altreifen haben BASF und Pirelli vorgemacht, wie sich ein Reststoff wieder in Neuware überführen lässt, und in Hamburg betreibt Aurubis eine weltweit einmalige Recyclinganlage für Metalle. Glaswolle enthält bei Knauf heute schon bis zu 80 Prozent Recyclingmaterial, künftig soll gebrauchte Wolle aus Abriss und Sanierung diesen Anteil speisen.
So kehrt die Dämmwolle zurück
Ein Recyclingwerk entsteht selten aus Idealismus, sondern weil ein Deponieverbot die Kosten verschiebt. Genau dieser regulatorische Druck macht aus Bauschutt einen Rohstoff.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das Deponieverbot für deutsche Bauunternehmen?
Österreich untersagt ab dem 1. Januar 2027 die Deponierung von Mineralwolle und erzwingt so die Verwertung.[1] Deutschland kennt bislang kein solches Verbot. Hier bleibt die Wolle als künstliche Mineralfaser mit voller Deponiepflicht und entsprechenden Kosten liegen.
Für Planer und Bauunternehmen lohnt sich deshalb der Blick über die Grenze. Auf österreichischen Baustellen wird die sortenreine Trennung ab 2027 zur Pflicht, und die Rücknahme über die neue Plattform ersetzt den Gang zur Deponie. Auch deutsche Betriebe sollten Dämmwolle bereits heute getrennt sammeln, weil eine vergleichbare Verwertungspflicht im Zuge der EU-Kreislaufwirtschaft absehbar ist. Getrennt gesammelt, senkt die Wolle die Sondermüllkosten und verbessert die Ökobilanz von Sanierungen, die beim Bauen ohnehin unter Druck steht.
Quelle
[1] Knauf Insulation: „Knauf Insulation baut Österreichs erste Recyclinganlage für Mineralwolle“
Mehr Newshunger?
- CO₂-Abscheidung im Zementwerk: thyssenkrupp weiht die weltweit erste Oxyfuel-Anlage ein
- Batterie-Recycling boomt, doch was passiert, wenn E-Auto-Akkus in Rente gehen?
- Würzburger KI fischt Lithium aus dem Restmüll
- EU-Vernichtungsverbot für unverkaufte Kleidung und Schuhe tritt in Kraft
- Vom Hochofen zum Lichtbogen: Warum Salzgitter HKM allein weiterführt