Waymo schickt ausgemusterte Robotaxi-Akkus zurück ans Stromnetz, Colorado verbietet ab 2029 die Deponie für E-Auto-Batterien. Beide Meldungen klingen nach dem Ende des Rohstoff-Bergbaus. Die Rechnung geht trotzdem erst um 2050 auf.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBatterie-Recycling entscheidet, wie sauber ein Elektroauto am Ende ist. Der schmutzigste Teil eines Stromers steckt nicht im Fahren, sondern im Abbau von Lithium, Nickel und Kobalt. Zwei Nachrichten dieser Woche zeigen, wie Industrie und Gesetzgeber das Problem von zwei Seiten anpacken.
Das Wichtigste in Kürze
- Waymo verbaut ausgemusterte Robotaxi-Akkus als Netzspeicher in Texas und Kalifornien, mehrere Hundert Megawatt.
- Colorado verbietet ab 2029 die Deponie für E-Auto-Akkus und schreibt ab 2035 vor, 80 % des Lithiums zurückzugewinnen.
- Recycling deckt den Bedarf erst, wenn die Flotte nicht mehr stark wächst. Die Nachfrage nach neu abgebautem Lithium gipfelt laut RMI in Mitte 2030.
- Die EU-Batterieverordnung schreibt dieselben Quoten längst vor, samt Batteriepass ab Februar 2027.
Warum wird ein Akku als Netzspeicher und landet nicht im Schredder?

Ein Akkupack wird lange vor seinem echten Lebensende ausgetauscht. Für ein Taxiunternehmen lohnt der Tausch schon bei 70 bis 80 % Restkapazität, weil sich der Betrieb über die Auslastung rechnet. Für einen Netzbetreiber taugt dieselbe Zelle noch jahrelang als Speicher. Genau das nutzt Waymo: Gemeinsam mit dem Spezialisten B2U baut das Unternehmen Akkus aus ausgemusterten Jaguar I-Pace zu Großspeichern, die Solar- und Windstrom für die Spitzenlast vorhalten. „Unsere Batterien bieten der Allgemeinheit noch lange nach der Stilllegung wirtschaftlichen und ökologischen Mehrwert“, sagt Adam Lenz von Waymo zur Partnerschaft. Rivian und General Motors gehen mit Redwood Materials denselben Weg und treiben den Speicherboom in den USA.
Warum ersetzt Recycling den Bergbau erst um 2050?

Recycling kann nur zurückholen, was vorher gebaut und nach acht bis fünfzehn Jahren ausgemustert wurde. Solange die Flotte schnell wächst, sind die Rückläufer ein Bruchteil der Neuverkäufe, und Recycling deckt vorerst nur einen kleinen Teil der Nachfrage. Der Kreislauf schließt sich erst, wenn die Flotte nicht mehr stark zulegt. Der Thinktank RMI rechnet vor, dass die Nachfrage nach frisch abgebautem Lithium, Nickel und Kobalt ihren Höhepunkt schon in den mittleren 2030ern erreicht und bis etwa 2050 weitgehend verschwindet. Bis dahin kommt es darauf an, die Anlagen aufzubauen, die Lithium aus Altzellen zurückholen. Und weil ein gebrauchter Akku als Speicher bares Geld wert ist, verschiebt sich die Restwert-Frage beim E-Auto.
Recycling macht den Bergbau nicht überflüssig, sondern verschiebt ihn nur um eine Fahrzeuggeneration. Ausgemusterte Akkus sind kein Abfall, sondern das Erz von übermorgen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das für Unternehmen in der DACH-Region?

Während Colorado erst anfängt, hat die EU mit der Batterieverordnung 2023/1542 den Rahmen längst abgesteckt. Vorgeschrieben ist, bis Ende 2027 50 % des Lithiums zurückzugewinnen und bis Ende 2031 80 %, dazu ein Mindestanteil an Rezyklat in neuen Akkus ab 2031. Colorados 80-Prozent-Ziel für 2035 hinkt diesem Fahrplan vier Jahre hinterher. Der Haken liegt beim Lithium: Bei klassischen Schmelzverfahren geht das Metall in der Schlacke verloren, deshalb braucht die EU dafür eine eigene, härtere Quote. Zurückgewinnen lässt es sich erst mit nasschemischen Verfahren, im Mercedes-Werk Kuppenheim zu über 96 %. Dass der Aufbau kein Selbstläufer ist, zeigt die Pleite des Zellbauers Northvolt im März 2025.
Für Flottenbetreiber und Hersteller im DACH-Raum heißt das konkret: Sammeln Sie jetzt die Daten für den digitalen Batteriepass, der ab dem 18. Februar 2027 Pflicht wird. Prüfen Sie ausgemusterte Packs auf ihren Zustand, bevor sie in den Schredder wandern, denn als Speicher sind sie ein Vermögenswert. Ab 2031 wird zurückgewonnenes Material zum geregelten Rohstoff, gesicherter Nachschub an Rezyklat-Lithium wird damit zum Wettbewerbsvorteil.
Den Bergbau lässt das nicht über Nacht verschwinden. Behandeln Sie ausgemusterte Akkus aber heute als Rohstofflager, nicht als Müll.
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