Xiaomi galt bislang als konsequenter Verfechter des reinen Elektroantriebs. Mit der neuen Marke Sky Nomad rüstet der Konzern nun ausgerechnet einen Benzinmotor nach, wenn auch nur als Stromerzeuger. Der Schritt zielt mitten in das Revier von Li Auto und verrät viel über die Grenzen des reinen E-Autos.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 30. Juli 2026 stellt Xiaomi mit Sky Nomad seine erste Range-Extender-Baureihe vor, und Firmenchef Lei Jun hat den Kurswechsel schon einen Tag vorher offensiv verteidigt.[1] Der Markt für Range-Extender sei längst nicht gesättigt, sondern berge weiter enormes Potenzial. Zwei SUV starten: der fünfsitzige N70 Max und der siebensitzige N90 Max.
Das Wichtigste in Kürze
- Xiaomi eröffnet mit Sky Nomad (chinesisch 澎程) eine zweite Fahrzeugmarke neben den reinen Stromern SU7 und YU7.
- Ein 1,5-Liter-Benziner mit 112 kW dient nur als Generator und lädt den Akku, angetrieben wird rein elektrisch.
- Das Topmodell N90 Max fährt mit 76-kWh-Akku bis zu 370 Kilometer elektrisch, der Benzinverbrauch liegt bei 5,7 Litern.
- Sky Nomad greift Li Auto und Huawei an, die bisherigen Platzhirsche im chinesischen Range-Extender-Geschäft.
Warum rüstet Xiaomi jetzt einen Benziner nach?

Xiaomi begründet den Schritt nicht mit einer Technikfrage, sondern mit der Physik großer SUV. Ein kastiger, schwerer Siebensitzer bräuchte für lange Strecken einen riesigen Akku, der wiederum Gewicht und Reichweite auffrisst. Ein Range-Extender löst das Dilemma anders: Der Benziner treibt nie die Räder an, sondern erzeugt nur Strom, sobald der Akku zur Neige geht.
Lei Jun trennt die beiden Markenwelten sauber. SU7 und YU7 bleiben die fahraktiven Stromer, Sky Nomad wird zum rollenden Wohnraum für Familien und lange Touren. Als Beleg für die Nachfrage hat er auf den neuen Li Auto L6 verwiesen, der sich seit dem 20. Juli gut verkauft, ohne dem batterieelektrischen i6 die Kunden abzugraben.
Chinesische Marken drängen ohnehin mit hohem Tempo nach Europa, zuletzt der XPeng X9, den ein Rückruf ausbremst. Qualität und Reife entscheiden dabei mit, nicht allein der Preis.
Was steckt in der Kunlun-Plattform?
Technisch bündelt Xiaomi alles unter der neuen Kunlun-Architektur. Der Range-Extender basiert auf einem 1,5-Liter-Turbomotor mit 112 kW, den der Konzern gemeinsam mit Harbin Dongan entwickelt hat. Das Aggregat schluckt laut Hersteller minimal 5,7 Liter Benzin je 100 Kilometer und verkraftet 92, 95 und 98 Oktan.
Der N90 Max misst 5,29 Meter, fasst wahlweise fünf oder sieben Sitze und kommt mit 76-kWh-Akku auf rund 370 Kilometer rein elektrische Reichweite. Der kleinere N70 Max startet mit 52 oder 76 kWh. Auf Range-Extender und Elektrik gibt Xiaomi acht Jahre Garantie bis 160.000 Kilometer. Preise hat der Konzern noch nicht genannt.
So funktioniert der Range-Extender
So günstig startet dieselbe Idee schon in Europa: Leapmotors B10 als Range-Extender. Die EU-Ausgleichszölle treffen batterieelektrische Importe, nicht den Range-Extender.
Der Range-Extender ist das Eingeständnis, dass Chinas Ladeinfrastruktur der Kauflaune noch hinterherhinkt. Xiaomi verkauft damit kein Auto von gestern, sondern die pragmatischste Brücke ins Elektrozeitalter.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt der Range-Extender-Boom für Europa?
Für europäische Entscheider ist der Trend längst mehr als ein China-Thema. Über die Stellantis-Tochter Leapmotor rollt die Technik bereits an: Der B10 als Range-Extender startet ab 29.900 Euro und läuft in der zweiten Jahreshälfte in Spanien vom Band.[2]
Dahinter steckt ein handfestes Kalkül. Die EU-Ausgleichszölle treffen batterieelektrische Importe aus China, nicht aber Range-Extender, die deshalb einen Umweg um die Abgaben öffnen. Zugleich brennt in Europa die Debatte um das Verbrenner-Aus 2035, unter das ein mitfahrender Benzinmotor grundsätzlich fällt.
Für Flottenbetreiber verschiebt das die Rechnung, gerade weil bei reinen Stromern schon jetzt der Restwert die Kalkulation kippen kann. Dass Nachfrage nach batterieelektrischen Autos trotzdem da ist, zeigt der Hochlauf von BMWs Neuer Klasse, während der öffentliche Ausbau nachzieht, etwa wenn ein Vermieter Schnelllader an seine Standorte stellt.
Vor der Wahl zwischen den Antrieben lohnt sich der Blick auf zwei nüchterne Fragen: wie weit ein Stromer im Alltag wirklich reicht und was das Laden unterwegs kostet. Solange das öffentliche Netz stockt, bleibt der Range-Extender ein bequemer Zwischenschritt, technisch aber ein Rückschritt mit Auspuff.
Quellen
[1] Sina Finance: „Xiaomi steigt in das Range-Extender-Segment ein, Lei Jun terminiert die Sky-Nomad-Technikvorstellung auf den 30. Juli“ ↑
[2] Stellantis Media: „Leapmotor launches its Hybrid EV Powered by a Range Extender“ ↑
Mehr Newshunger?
- 50.000 iX3 in neun Monaten: BMWs Neue Klasse trotzt der E-Auto-Flaute
- Rückruf beim XPeng X9: 33.473 Elektro-Vans mit defekter Luftfederung
- 5,6 Milliarden Euro Halbjahresgewinn: CATL plant Chinas größten Aktienrückkauf
- Schwarz Gruppe stoppt neue Elektro-Dienstwagen: Der Restwert kippt die Flottenrechnung
- Mercedes-Benz verkauft erstmals Daimler-Truck-Aktien: eine Milliarde Euro für Rückkäufe
- Vom Kundenparkplatz zum Ladehub: HAMBORNER REIT errichtet Schnellladeinfrastruktur an 20 Standorten