Die Schwarz Gruppe nimmt reine Elektroautos bei Neubestellungen von Dienstwagen in Deutschland aus dem Programm. Der Grund liegt nicht am Fahren, sondern am Wiederverkauf: E-Autos verlieren im deutschen Gebrauchtmarkt zu schnell an Wert. Für Fuhrparkverantwortliche ist das ein Rechenexempel mit Signalwirkung.

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Rund 13.000 Fahrzeuge umfasst die Dienstwagenflotte der Schwarz Gruppe, und für Elektro-Dienstwagen gilt dort seit Ende Juli 2026 vorerst ein Bestellstopp in Deutschland. Der Mutterkonzern von Lidl und Kaufland begründet den Schritt mit einem volatilen Marktumfeld und veränderten Rahmenbedingungen. Dahinter steckt eine nüchterne Bilanzlogik.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Schwarz Gruppe stoppt in Deutschland vorerst Neubestellungen reiner E-Dienstwagen, im Ausland bleibt es bei der Elektrostrategie.
  • Auslöser ist der Restwert: Der Konzern kauft seine rund 13.000 Dienstwagen und verkauft sie gebraucht weiter.
  • Nach drei Jahren behalten E-Autos je nach Klasse nur 47 bis 51 Prozent des Listenpreises (Stand Juli 2026).
  • Der Steuervorteil von 0,25 Prozent nützt dem Fahrer, das Wertverlustrisiko trägt der Halter der Flotte.

Was hat die Schwarz Gruppe entschieden?

Ein E-Auto-Ladestecker auf einem Anhänger mit der Aufschrift „Restwert 2026“ und Pfeil nach unten
Schwarz Gruppe streicht reine Elektroautos aus dem Dienstwagen-Angebot in Deutschland. Fahrer können künftig nur noch Verbrenner wählen oder auf einen Wagen verzichten

Die Schwarz Gruppe hat reine Elektroautos bei Neubestellungen für Dienstwagen in Deutschland vorerst gestrichen. Fahrer wählen künftig einen Verbrenner oder verzichten auf den Wagen. Im übrigen Europa hält der Konzern an der Elektrifizierung fest.

Den Bestellstopp hat der Konzern knapp, aber deutlich formuliert: „Aufgrund der hiesigen Volatilität auf dem Automobilmarkt und veränderter regulatorischer Rahmenbedingungen haben wir uns entschieden, vollelektrische Fahrzeuge bei Neubestellungen vorerst nicht mehr aufzunehmen“, teilte die Schwarz Gruppe mit.[1] Betroffen sind Management und Beschäftigte von Lidl und Kaufland, die einen Dienstwagen bestellen wollen.

Warum trifft der Restwert ausgerechnet diese Flotte?

Die Schwarz Gruppe kauft ihre Dienstwagen, statt sie zu leasen, und trägt das Wertverlustrisiko deshalb selbst. Fällt der Gebrauchtpreis eines E-Autos, schlägt das direkt auf die eigene Bilanz durch, anders als bei einem Leasingvertrag mit garantiertem Rückgabewert.

Kaufmodell heißt Eigenrisiko. Die rund 13.000 Fahrzeuge laufen im Schnitt knapp 40.000 Kilometer im Jahr und etwa anderthalb Jahre, bevor sie in den Gebrauchtmarkt gehen. Nach drei Jahren liegt der Restwert je nach Klasse nur bei 47 bis 51 Prozent des Listenpreises.[1] Wie stark Stromer im Wiederverkauf nachgeben, macht der Wertverlust beim Elektroauto über die Haltedauer sichtbar.

Der bekannte Steuervorteil setzt an der falschen Stelle an. Reine E-Dienstwagen versteuern Mitarbeiter mit 0,25 Prozent des Listenpreises pro Monat, Verbrenner mit einem Prozent, bei einem 60.000-Euro-Wagen also 150 statt 600 Euro. Diesen Vorteil hat der Fahrer, das Restwertrisiko bleibt beim Halter. Auf dem Gebrauchtmarkt ist die Nachfrage zudem dünn: Im Juni 2026 haben reine Stromer nur 6,4 Prozent der Besitzumschreibungen ausgemacht.

Der Bestellstopp ist kein Urteil über das Elektroauto, sondern über die Restwertwette. Beim Kauf statt Leasing wettet der Konzern auf einen Gebrauchtpreis, den heute niemand garantiert.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Elektro-Dienstwagen: Warum die Rechnung kippt

Die Schwarz Gruppe stoppt reine E-Autos bei Neubestellungen in Deutschland (Stand Juli 2026).

13.000
Dienstwagen im Bestand, gekauft statt geleast
47–51 %
Restwert eines E-Autos nach 3 Jahren, je nach Klasse
6,4 %
Anteil reiner E-Autos an den Besitzumschreibungen, Juni 2026
0,25 %
Dienstwagensteuer beim E-Auto, Verbrenner 1 % (geldwerter Vorteil pro Monat)

Der Fahrer profitiert

Die 0,25-Prozent-Regel senkt den geldwerten Vorteil. Bei einem 60.000-Euro-Wagen sind das 150 statt 600 Euro pro Monat.

Der Halter zahlt

Wird die Flotte gekauft statt geleast, trägt der Konzern den Wertverlust selbst. Der Steuervorteil des Fahrers gleicht das nicht aus.

Was heißt das für Fuhrparks im DACH-Raum?

Firmenflotten treiben Deutschlands E-Auto-Hochlauf. Ihr Anteil reiner Batteriewagen ist laut Branchendaten von zwei Prozent (2019) auf rund 30 Prozent im ersten Halbjahr 2026 geklettert. Kippt ein Großabnehmer zurück zum Verbrenner, wirkt das über den Einzelfall hinaus.

Signalwirkung entsteht, weil gewerbliche Halter den Neuwagenmarkt dominieren. Ein großer Fuhrpark, der die Restwerte neu bewertet, preist damit ein Risiko ein, das viele kleinere Flotten bislang ausgeblendet haben. Zuletzt haben die Preise für gebrauchte Stromer sogar wieder angezogen, wie der jüngste Gebrauchtwagenindex zeigt, doch die kalkulierten Restwerte über drei Jahre bleiben schwach.

Ob der Markt kippt oder nur durchatmet, ist offen. Die Neuzulassungen im Juni deuten eher auf einen Wendepunkt als auf einen Einbruch. Für Fuhrparkverantwortliche folgen daraus konkrete Aufgaben: Restwerte konservativ ansetzen, Kauf und Leasing nach Risikoträger vergleichen und die Ladekosten über günstige Ladetarife in die Gesamtrechnung nehmen. International bleibt der Konzern übrigens bei der Elektromobilität, mit über 24.000 Ladepunkten an fast 7.000 Standorten (Stand Ende 2025).

Quelle

[1] electrive: „Management der Schwarz-Gruppe muss wieder Verbrenner bestellen“

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