Mercedes-Benz hat im zweiten Quartal 2026 rund 1,09 Milliarden Euro verdient und damit 13,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Umsatz und Absatz sind im selben Zeitraum gesunken. Der Zuwachs stammt aus dem Transportergeschäft und aus gesenkten Kosten, nicht aus dem Verkauf von Pkw.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenIn China hat der Konzern im zweiten Quartal 30 Prozent weniger Pkw abgesetzt als im Vorjahresquartal, außerhalb Chinas 3 Prozent mehr. Diese Schere prägt die Zahlen, die Mercedes-Benz am 28. Juli 2026 vorgelegt hat.[1] Daraus erklärt sich auch, warum die Umsatzprognose für das Gesamtjahr nach unten korrigiert wurde.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Konzernergebnis ist im zweiten Quartal auf rund 1,09 Milliarden Euro gestiegen, nach 957 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
- Der Umsatz ist auf 32,06 Milliarden Euro gefallen, ein Minus von 3,3 Prozent.
- Die bereinigte Umsatzrendite im Pkw-Geschäft liegt bei 4,0 Prozent nach 5,1 Prozent, die Transportersparte kommt auf 10,2 Prozent.
- Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Mercedes-Benz einen Konzernumsatz leicht unter dem Vorjahresniveau.
Warum steigt der Gewinn, obwohl weniger Autos verkauft werden?

Das Ergebnis wächst schneller als das Geschäft. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern ist auf 1,55 Milliarden Euro geklettert, nach 1,27 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Der Umsatz dagegen hat um 3,3 Prozent auf 32,06 Milliarden Euro nachgegeben.
Beim Absatz zeigt sich dieselbe Richtung: rund 512.000 Pkw und Transporter im Quartal, 6 Prozent weniger als im Vorjahr, im Pkw-Segment allein 417.800 Fahrzeuge und damit 8 Prozent weniger. Dasselbe Muster hat vergangene Woche bereits Volkswagen gemeldet, und Audi hat seine Jahresprognose gesenkt, weil der Gewinn aus China wegbricht.
Getragen wird das Ergebnis von zwei Quellen außerhalb des Pkw-Verkaufs. Die Transportersparte hat 4,46 Milliarden Euro umgesetzt, 5 Prozent mehr, bei einer bereinigten Umsatzrendite von 10,2 Prozent. Dazu kommt das Sparprogramm Next Level Performance, dessen Lasten zu einem guten Teil bei der Belegschaft landen.
Was sagt die Pkw-Marge von 4 Prozent?
Vier Prozent bereinigte Umsatzrendite bedeuten, dass Mercedes-Benz im Kerngeschäft am unteren Rand der eigenen Zielspanne von 3 bis 5 Prozent arbeitet. Im Vorjahresquartal waren es 5,1 Prozent.
Der Rückgang hat einen strukturellen Grund, der in den Absatzzahlen steckt. Weggebrochen sind vor allem margenstarke Verbrennervolumina in China, während der Elektroabsatz um 51 Prozent auf 52.900 Fahrzeuge zugelegt hat, in Europa sogar um 87 Prozent.[1]
Ein steigender Elektroanteil verbessert die Marge kurzfristig nicht. Batteriekosten und der harte Preiswettbewerb im Elektrosegment drücken den Deckungsbeitrag je Fahrzeug. Der Mix verschiebt sich damit von teuren Bestsellern zu Modellen, die erst über Stückzahl rentabel werden.
Ein Quartalsgewinn aus Kostensenkung und Transportern ist ein Ergebnis, kein Geschäftsmodell. Solange die Pkw-Marge am unteren Rand der eigenen Zielspanne klebt, verschiebt jeder Sparbeschluss das Problem nur nach hinten.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Fuhrparks und Zulieferer?
Für Zulieferer steigt der Kostendruck, für Flottenbetreiber verschiebt sich das Preisgefüge. Beides folgt aus derselben Rechnung: Die Hersteller verteidigen ihre Marge über die Kostenseite, nicht über den Absatz.
In der Lieferkette ist das längst sichtbar. Aumovio fordert die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich, Porsche streicht weitere 5.000 Stellen, und BMW verlagert die Fertigung von iX3 und i3 nach Mexiko, um Zölle zu vermeiden.
Im Fuhrpark zählt eine andere Zahl. Ein um 8 Prozent kleinerer Pkw-Absatz bei kräftig wachsendem Elektroanteil verändert die Restwerte, und der Wertverlust beim Elektroauto entscheidet über die Leasingrate der nächsten Bestellrunde. Der Preisindex von AUTO1 zeigt bereits, dass gebrauchte Stromer teurer werden, während der Gesamtmarkt nachgibt.
Prüfen Sie vor der nächsten Beschaffungsrunde, ob Ihre Restwertannahmen noch zum Marktbild passen, und holen Sie Angebote mit und ohne Restwertgarantie ein. Bei Rahmenverträgen mit Zulieferern lohnt ein Blick auf die Laufzeit, denn dort kommt der Kostendruck der Hersteller als Nächstes an.
Quelle
[1] Mercedes-Benz Group: „2nd Quarter Results 2026“, Zwischenbericht zum 30. Juni 2026, veröffentlicht am 28. Juli 2026
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