BMW hat das mexikanische Werk San Luis Potosí für die Neue Klasse bestätigt: Ab 2027 laufen dort der iX3 und der i3 vom Band, direkt neben einer eigenen Montage für Hochvoltbatterien. Von den 800 Millionen Euro Investition entfallen über 500 Millionen allein auf dieses Batteriewerk. Der Grund liegt weniger im Lohnniveau als im Ursprungsrecht Nordamerikas.

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Zehn Jahre nach der Grundsteinlegung hat BMW für sein Werk in Mexiko benannt, welche Modelle der Neuen Klasse ab 2027 in San Luis Potosí entstehen.[1] Bislang baut das Werk ausschließlich das 2er Coupé und den M2. Mit dem Umbau wird es der erste Standort eines Premiumherstellers in Mexiko, der Elektroautos und Hochvoltbatterien im selben Industriekomplex fertigt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 800 Millionen Euro fließen in den Umbau von San Luis Potosí, über 500 Millionen davon in die Montage der Hochvoltbatterien.
  • Ab 2027 entstehen dort BMW iX3 und BMW i3 samt Batterien der sechsten Generation.
  • Die Neue Klasse läuft weltweit in nur vier Werken: San Luis Potosí, Debrecen, München und Shenyang.
  • Über die Zollfreiheit in den USA entscheidet nicht der Fahrzeugbau, sondern der Ursprung der Batterie.

Was entsteht in San Luis Potosí?

Alte Balkenwaage, links ein Koffer, rechts ein Stempel mit Schildern
BMW baut Montagezentrum für Hochvoltbatterien der sechsten Generation. 500 Millionen Euro Investition für über 80.000 Quadratmeter große Halle

BMW erweitert das Werk um mehr als 110.000 Quadratmeter und baut darin ein Montagezentrum für Hochvoltbatterien der sechsten Generation. Über 500 Millionen Euro der 800-Millionen-Investition entfallen auf diese Halle mit mehr als 80.000 Quadratmetern.

Das Werk liegt auf 300 Hektar, beschäftigt rund 3.700 Menschen und hat seit dem Start über eine halbe Million Fahrzeuge gebaut. Seit 2016 sind knapp zwei Milliarden US-Dollar in den Standort geflossen.[1]

„Wir vertrauen weiterhin auf Mexiko, wir vertrauen weiterhin auf San Luis Potosí“, sagt Klaus von Moltke, Präsident und CEO von BMW Group México. Diese Zuversicht hat einen handfesten Hintergrund, der in der Mitteilung selbst nicht steht.

Warum entscheidet die Batterie über den Zoll?

Das USMCA gewährt Zollfreiheit nur Fahrzeugen mit mindestens 75 Prozent regionaler Wertschöpfung. Die Batterie ist das teuerste Einzelteil eines Elektroautos, deshalb entscheidet ihr Fertigungsort darüber, ob ein in Mexiko gebauter BMW zollfrei in die USA gelangt.[2]

Eine importierte Batterie drückt den regionalen Wertanteil so weit nach unten, dass das ganze Fahrzeug die Schwelle reißt. Dazu verlangt das Abkommen, dass 40 bis 45 Prozent der Wertschöpfung aus Werken mit Stundenlöhnen ab 16 US-Dollar stammen. Ohne diesen Nachweis fällt das Fahrzeug auf den regulären Einfuhrzoll samt Aufschlägen zurück.

Regulatorische Schwellenwerte bestimmen inzwischen häufiger über den Absatz als das Produkt selbst. Mercedes-Benz droht in den USA ein Verkaufsverbot wegen einer Beteiligungsgrenze von 15 Prozent, und Chinas Luxussteuer hat den Absatz deutscher Premiumhersteller binnen eines Jahres deutlich gedrückt. BMW zieht die Batteriemontage deshalb konsequent an die Fahrzeugwerke heran, in Debrecen, München, Shenyang und nun in Mexiko.

Nicht der Lohnkostenvorteil verlagert die Neue Klasse nach Mexiko, sondern eine Ursprungsregel. Die Batterie ist inzwischen das Bauteil, das über Zollfreiheit oder Zollschranke entscheidet.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
San Luis Potosí: 800 Millionen Euro und eine Zollschwelle

Was BMW in Mexiko investiert und welche Regel darüber entscheidet, ob die Fahrzeuge zollfrei in die USA kommen

800 Mio. €
Gesamtinvestition in den Umbau des Werks für die Neue Klasse
500 Mio. €
davon allein für das Montagezentrum der Hochvoltbatterien
80.000 m²
Fläche der Batteriemontage, Erweiterung des Werks um 110.000 m²
2027
Produktionsstart von BMW iX3 und BMW i3 in Mexiko

Die 75-Prozent-Schwelle des USMCA

Das nordamerikanische Freihandelsabkommen gewährt Zollfreiheit nur Fahrzeugen mit ausreichend regionaler Wertschöpfung. Die Batterie ist das teuerste Einzelteil eines Elektroautos und kippt die Rechnung in beide Richtungen.

Batterie aus Nordamerika

Regionaler Wertanteil von mindestens 75 Prozent erreichbar, Einfuhr in die USA zum Vorzugssatz von null Prozent.

Batterie importiert

Regionaler Wertanteil rutscht unter die Schwelle, das Fahrzeug fällt auf den regulären Einfuhrzoll samt Aufschlägen zurück.

Zusatzbedingung Löhne

40 bis 45 Prozent der Wertschöpfung müssen aus Werken mit Stundenlöhnen ab 16 US-Dollar stammen.

Was folgt daraus für deutsche Zulieferer?

Lieferanten mit Nordamerika-Geschäft müssen den Ursprung ihrer Batteriekomponenten belegen können, denn die Ursprungsrechnung eines Fahrzeugs hängt an einzelnen Teilen. Das USMCA sieht zudem für den 1. Juli 2026 eine gemeinsame Überprüfung durch die drei Vertragsstaaten vor.

Für die deutschen Standorte bedeutet die Verteilung auf vier Werke, dass München zwar Leitwerk der Neuen Klasse bleibt, das Wachstum aber außerhalb Europas stattfindet. Denselben Weg gehen die Wettbewerber: Volkswagen kalkuliert seine günstigen Elektromodelle von vornherein regional, und Mercedes-Benz hat beim Elektro-CLA in China erlebt, wie stark lokale Bedingungen den Absatz steuern.

Prüfen Sie bei Verträgen ins Nordamerika-Geschäft, ob Ihre Bauteile den regionalen Wertanteil stützen oder schwächen, weil davon der Zollsatz Ihres Kunden abhängt. Für Käufer in Europa ändert der Fertigungsort dagegen wenig: Über die Gesamtrechnung entscheiden weiterhin die Ladekosten und der Restwert.

Quellen

[1] BMW Group México: „BMW Group consolida una década de inversión, desarrollo y competitividad desde San Luis Potosí“ (23. Juli 2026)

[2] Office of the United States Trade Representative: USMCA, Kapitel 4 „Rules of Origin“ samt Anhang zu den Automobil-Ursprungsregeln

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