Chinas Luxussteuer greift seit einem Jahr bei 900.000 Yuan statt bei 1,3 Millionen, und die deutschen Premiumhersteller melden übereinstimmend, das betreffe nur wenige Modelle. Die Absatzzahlen des ersten Halbjahrs 2026 sprechen eine andere Sprache. Entscheidend ist dabei nicht der Steuersatz, sondern die Stufe, auf der er anfällt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 20. Juli 2025 hat Chinas Finanzministerium die Schwelle für die Konsumsteuer auf Ultra-Luxusfahrzeuge von 1,3 Millionen auf 900.000 Yuan gesenkt, umgerechnet rund 116.000 €.[1] Erstmals fallen auch reine Elektroautos und Brennstoffzellenfahrzeuge darunter. Genau diese Ausweitung hat einen Nebeneffekt, den die Hersteller in ihren Stellungnahmen nicht erwähnen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Steuerschwelle ist von 1,3 Millionen auf 900.000 Yuan gefallen, seit dem 20. Juli 2025 in Kraft.
- Porsche hat im ersten Halbjahr 2026 in China 32 % weniger ausgeliefert, Mercedes 28 %, BMW 20 %, Audi 19 %.
- Reine Elektroautos werden nur auf der Einzelhandelsstufe besteuert, importierte Verbrenner auf zwei Stufen.
- Der VDA fordert eine Prüfung der Folgen, weil die Regel hochpreisige Importe überproportional trifft.
Was hat China genau geändert?

Schwellenwert. Die Bemessungsgrenze bezieht sich auf den Einzelhandelspreis ohne Mehrwertsteuer. Oberhalb dieser Grenze werden zehn Prozent zusätzlich fällig, und zwar auf jedes Fahrzeug, unabhängig von der Antriebsart.
Die Hersteller spielen den Effekt herunter. Mercedes beziffert den Anteil der betroffenen Fahrzeuge in China auf weniger als fünf Prozent des Gesamtabsatzes, angesiedelt im Umfeld von S-Klasse und Maybach. BMW spricht von einzelnen Oberklassemodellen, die nach China importiert werden, Audi von einer sehr begrenzten Zahl an Modellen des Volkswagen-Konzerns.
Absatzeinbruch. Im ersten Halbjahr 2026 sind die Auslieferungen von Porsche in China um 32 % eingebrochen.[2] Mercedes hat 28 % verloren, BMW 20 %, Audi 19 %. Ein Segment von unter fünf Prozent erklärt solche Rückgänge nicht.
Warum trifft die Steuer Importeure härter als lokale Anbieter?
Zwei Stufen. Die chinesische Konsumsteuer auf Autos kennt zwei Erhebungspunkte: die Produktions- beziehungsweise Importstufe, gestaffelt nach Hubraum, und die Einzelhandelsstufe für Luxusfahrzeuge. Ein importierter Zwölfzylinder wird an beiden Punkten belastet.
Fahrzeuge ohne Hubraum werden ausdrücklich nur auf der Einzelhandelsstufe besteuert. Chinesische Premium-Stromer im Preisband zwischen 900.000 und 1,3 Millionen Yuan zahlen damit strukturell weniger als ein importierter Verbrenner derselben Preisklasse.
Verstärker. Die Steuer hat den Markt also nicht gekippt, sondern eine ohnehin laufende Verschiebung beschleunigt. Cui Dongshu, Generalsekretär des chinesischen Pkw-Verbands, sieht im Aufstieg der heimischen Premiummarken den eigentlichen Einschnitt und verweist auf den Rückstand der deutschen Hersteller bei Software und Elektrifizierung. Dasselbe Muster hat sich bereits bei den Zulieferern gezeigt, die ihr Wachstum inzwischen bei chinesischen Herstellern suchen.
rund 168.000 €
rund 116.000 €
Einzelhandelspreis
Was bedeutet das für Entscheider im DACH-Raum?
Margendruck. Zwei Wege bleiben: die Zusatzlast über höhere Endpreise weiterreichen und damit die Wettbewerbsfähigkeit schwächen, oder sie aus der eigenen Marge tragen. Beide Varianten schlagen am Ende auf die Investitionsbudgets durch, die derzeit in gestraffte Modellpaletten und europäische Werke fließen.
Der VDA hat die Anpassung als besonders nachteilig für europäische und speziell deutsche Hersteller bezeichnet und eine Prüfung der Folgen gefordert. Eine Rücknahme ist damit nicht in Sicht, denn die Regel gilt formal für importierte und im Inland gebaute Fahrzeuge gleichermaßen und ist als Handelshemmnis kaum angreifbar.
Die Fünf-Prozent-Rechnung der Hersteller stimmt und führt trotzdem in die Irre: Besteuert wird nicht der Absatz, sondern das Geschäftsmodell des Imports.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Lokalisierung. Für Zulieferer und Mittelständler mit China-Geschäft im Premiumsegment verschiebt sich damit die Planungsgrundlage. Fertigung vor Ort und ein elektrischer Antrieb sind keine Kostenfrage mehr, sondern eine Steuerfrage, ähnlich wie bei den chinesischen Vorgaben für vernetzte Fahrzeuge.
Prüfen Sie Ihre China-Kalkulation deshalb entlang der Preisgrenze von 900.000 Yuan und nicht entlang der Modellliste. Ausstattungspakete, die ein Fahrzeug über diese Schwelle heben, kosten den Kunden zehn Prozent extra, was den Wiederverkaufswert drückt. Wie stark solche Effekte durchschlagen, zeigt der Blick auf den Wertverlust beim Elektroauto.
Quellen
[1] Finanzministerium und Staatliche Steuerverwaltung der Volksrepublik China: „Bekanntmachung zur Anpassung der Konsumsteuerpolitik für ultraluxuriöse Personenkraftwagen“
[2] Porsche AG: „Porsche Auslieferungen im ersten Halbjahr 2026“
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