Mercedes-Benz baut sein Werk im ungarischen Kecskemét zum größten Produktionsstandort in Europa aus und lässt dort künftig die vollelektrische C-Klasse vom Band laufen. Über eine Milliarde Euro fließen in die Verdopplung der Kapazität. Während in Deutschland gespart wird, entsteht 800 Kilometer östlich das neue Herzstück des Konzerns.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMercedes verlagert mit dem Ausbau in Ungarn nicht nur Bleche und Batterien, sondern ein Stück industrielle Schwerkraft.[1] Kecskemét ist damit vom Zweitwerk zum Maßstab aufgestiegen, an dem sich die deutschen Standorte künftig messen lassen müssen.
Das Wichtigste in Kürze
- Milliarden-Ausbau: Über 1 Mrd. Euro Investition, die Jahreskapazität verdoppelt sich, Kecskemét wird das größte Mercedes-Werk Europas.
- Neue Hallen: Zwei zusätzliche Hallen für Karosseriebau und Montage, dazu ein Entwicklungszentrum für 55 Mio. Euro.
- Elektro-Modelle: Gebaut werden der vollelektrische GLB (seit Anfang 2026) und die vollelektrische C-Klasse (2026).
- Belegschaft: Rund 5.000 Beschäftigte (Stand Juli 2026), die Zahl soll deutlich steigen.
Warum fällt die Wahl auf Kecskemét?

Kostenstruktur. Niedrigere Lohn- und Energiekosten, staatliche Ansiedlungsanreize und die Lage innerhalb des EU-Binnenmarkts machen Ungarn für die Serienfertigung attraktiver als Sindelfingen oder Bremen. Für ein Volumenmodell wie die C-Klasse entscheidet jeder Euro pro Fahrzeug über die Marge.
Full-Flex-Prinzip. In Kecskemét laufen Verbrenner und Elektroautos über dieselbe Linie, gebaut auf der neuen Elektroarchitektur MB.EA. So kann das Werk die Stückzahlen zwischen den Antrieben verschieben, ohne dass eine teure Umrüstung nötig wird, falls die E-Auto-Nachfrage schwankt.
Nachfrage-Wette. Der Ausbau trifft einen Markt im Umbruch: Die E-Auto-Neuzulassungen haben im Juni um 78 Prozent zugelegt, und Mercedes hat seinen eigenen Elektro-Absatz um 51 Prozent gesteigert. Für diese Kurve braucht ein Hersteller Kapazität, die sich rechnet.
Ungarn wird zur Werkbank der deutschen Autobauer
Ostverlagerung. Kecskemét ist kein Einzelfall, sondern Teil eines Musters. BMW hat in Debrecen ein reines Elektrowerk hochgezogen, Audi fertigt seit Jahren in Győr, jetzt verdoppelt Mercedes seine ungarische Basis. Die Landkarte der Premiumfertigung wandert nach Osten.
Zuliefererzug. Mit den Werken ziehen die Zulieferer nach. Rund um die drei Standorte entsteht ein Netz aus Batterie-, Elektronik- und Presswerken, das den deutschen Südwesten als Cluster langsam entlastet und Ungarn zum eigenständigen Automobilstandort formt.
Ungarn: Ausbau
Zwei neue Hallen, vollelektrischer GLB und elektrische C-Klasse auf einer Full-Flex-Linie. Das einzige Mercedes-Werk, das der Konzern aktuell vergrößert.
Deutschland: Sparkurs
Parallel läuft ein Sparprogramm über fünf Milliarden Euro, Präsenzpflicht statt Homeoffice und Diskussionen um Kapazitäten an den Heimatstandorten.
Kecskemét ist kein Ungarn-Problem, sondern ein Deutschland-Signal: Wenn das einzige Werk, das Mercedes ausbaut, 800 Kilometer östlich von Stuttgart steht, verschiebt sich die Landkarte der europäischen Autoindustrie dauerhaft. Für Zulieferer im Südwesten zählt jetzt, wo die nächste Linie hochfährt, nicht wo die Zentrale sitzt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für den Standort Deutschland?
Doppelte Bewegung. Der Ausbau in Ungarn fällt zeitlich mit dem harten Kurs daheim zusammen. Zeitgleich verlagert der Konzern seinen Fünf-Milliarden-Sparkurs auf die deutsche Belegschaft, und auch bei BMW zeigt sich, dass Kostendruck und Software zur eigentlichen Belastung werden.
Zulieferer-Frage. Für mittelständische Zulieferer im Südwesten verschiebt sich damit die entscheidende Kennzahl. Nicht der Sitz der Konzernzentrale sichert Aufträge, sondern die Nähe zur nächsten hochfahrenden Linie. Zulieferer, die bisher nur nach Sindelfingen liefern, sollten prüfen, wie sich ein Standbein an den ungarischen Werken aufbauen lässt.
Handlungsebene. Für Entscheider heißt das: Lieferketten und Personalplanung an der realen Fertigungslandkarte ausrichten, nicht an der Adresse der Hauptverwaltung. Beobachten Sie, wo Mercedes, BMW und Audi ihre nächsten Elektro-Linien ansiedeln, denn dort entstehen die Aufträge der kommenden Jahre.
Quelle
[1] Mercedes-Benz Group: „Produktionsstart der neuen elektrischen C-Klasse und Erweiterung des Werkes“ ↩
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